Gesund trotz Mangelernährung

20. Mai 2010, 21:33
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Forscherin: Der Organismus der Massai besitzt eine extreme Anpassungsfähigkeit

Jena - Obwohl sich die Massai einseitig und mangelhaft ernähren, sind sie erstaunlich gesund. Zu diesem Schluss kommt die Ernährungswissenschaftlerin Nadja Knoll von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In einer Feldforschung dokumentierte sie gemeinsam mit kenianischen Kollegen die Ernährungsgewohnheiten der ostafrikanischen Massai und verglich sie mit begleitenden Bluttests. "Diese Ergebnisse haben uns überrascht. Sie beweisen die enorme Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus", so Gerhard Jahreis vom Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt wurde.

Gewohnheiten

Im Rahmen der Untersuchung zeigte sich, dass die tradierten Erzählmuster über die Ernährungsgewohnheiten der Massai nicht zutreffen. So berichtete etwa der schottische Entdecker Joseph Thomson (1858-1895) in seinem Buch "Through Masai Land" von der strikt pflanzenfreien Ernährung eines jungen Massai-Mannes, die ausschließlich aus fermentierter Milch, Fleisch und Blut bestand. Knoll kam zu differenzierteren Ergebnissen.

"Thomson beschrieb die Gewohnheiten des Massai-Kriegers. Dieses Bild wurde fälschlicherweise auf die gesamte Gruppe der Massai projiziert, bei der pflanzliche Lebensmittel immer schon eine Rolle gespielt haben", berichtet Knoll. Pflanzliche Nahrung mache in Wahrheit mehr als 50 Prozent der Energieaufnahme aus. "Zum Frühstück nehmen die Massai stark gesüßten Milchtee zu sich, vormittags teilweise einen flüssigen 'Porridge'-Brei aus Maisgrieß, Wasser, Milch und Zucker. Mittags und abends gibt es Milch und 'Ugali', wie man eine Art Polenta aus Maisgrieß und Wasser bezeichnet."

Wenig Fleisch

Fleisch aus Schafen und Ziegen steht laut Knoll selten auf dem Speisezettel der Massai. Zebu-Rinder werden höchstens zu rituellen Feiern geschlachtet. Da die aktuelle Erhebung in der Trockenzeit durchgeführt wurde, sei anzunehmen, dass der Speiseplan in der Regenzeit variiere, da die Tiere dann mehr Milch geben, so die Ernährungsforscherin. Die Milch wird in Flaschenkürbissen fermentiert und ergibt ein joghurtähnliches Getränk, das möglicherweise probiotische Eigenschaften aufweist.

Vom europäischen Standpunkt aus ist diese Ernährung äußerst einseitig und könne kaum empfohlen werden, betont Knoll. Die Blutuntersuchung der 18 Massai zeigte allerdings, dass die Zellwände der roten Blutkörperchen durchaus Omega 3-Fettsäuren enthalten, obwohl diese nicht über das Essen aufgenommen werden. "Ihr Organismus besitzt eine extreme Anpassungsfähigkeit, um diesen ernährungsbedingten Mangel auszugleichen. Genaue Mechanismen sind uns teilweise noch unbekannt", so Knoll. (pte/red)

  • Massai bei der Herstellung ihres "Porridge"
    foto: nadja knoll/fsu

    Massai bei der Herstellung ihres "Porridge"

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