Aktionsplan für Unternehmerinnen

20. Mai 2010, 13:17
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Studie unter weiblichen Selbstständigen zeigt klare Benachteiligungen auf: Präsidentin Jank will Politik in Pflicht nehmen

Wien - Die Politik soll mit einem Aktionsplan Frauen als Unternehmerinnen unterstützen - diese Schlussfolgerung zieht die Wiener Wirtschaftskammer aus einer aktuellen Studie unter weiblichen Selbstständigen. Diese zeige klare Benachteiligungen im steuerlichen und strukturellen Bereich auf, unterstrich WKW-Präsidentin Brigitte Jank. Die Kammer wird aber auch selbst aktiv: Um den verschwindend geringen Anteil an Frauen in technischen Berufen zu steigern, werden entsprechende Unternehmerinnen die Schulen besuchen.

Zwar sei der Anteil der Unternehmerinnen an den Selbstständigen in Wien in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf mittlerweile 38 Prozent gestiegen. Der gleiche Anteil finde sich allerdings auch bei den aktuellen Neugründungen. "Das Ziel einer 50-50-Verteilung der Geschlechter scheint sich hier in naher Zukunft nicht einzustellen", bedauerte Jank.

Technikoffensive

Dabei hätten Frauen gerade in technischen Wirtschaftszweigen große Chancen, auch wenn die Überzeugungsarbeit schwer sei. Unter KosmetikerInnen und FußpflegerInnen dominieren noch immer die Frauen mit 77 Prozent, während bei den MechatronikerInnen etwa nur 2 Prozent der Selbstständigen Frauen sind. In der Elektro-, Lebensmittel- und Holzindustrie gibt es keine einzige Unternehmerin. Diese Zahlen will die Kammer mit einer Technikoffensive heben, bei der Unternehmerinnen aus technischen Berufen in den Schulen Mädchen ansprechen, die vor der Berufswahl stehen.

Gleichstellung mit unselbstständigen Frauen

Aber auch der Staat sei gefragt, so Jank. So müsse dringend eine steuerliche Entlastung erfolgen, indem etwa die Kosten für eine Haushaltshilfe absetzbar werden. Die Zuverdienstgrenze beim Kindergeld müsse neugestaltet werden und die Gleichstellung beim Wochengeld mit unselbstständigen Frauen erfolgen. Bei selbstständigen Frauen liege dies mit 25,95 Euro pro Tag wesentlich niedriger als bei Arbeitnehmerinnen mit durchschnittlich 41 Euro.

Vielfachbelastung

Laut WKW-Studie bereiten jedenfalls die steuerliche Belastung, die Auswirkungen der Krise und die mangelnde Förderung den Frauen am meisten Kopfzerbrechen. Es folgen Schwierigkeiten mit der Bürokratie, über die sich ein Drittel mokiert. Auch befinden sind beinahe zwei Drittel der Befragten mit Haushalt, Familie und Beruf in einer Vielfachbelastung. (APA)

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