EVN mit Abwasseraufträgen in Zypern

20. Mai 2010, 13:01
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Nikosia/Wien - Der börsenotierte niederösterreichische Versorger EVN setzt neben dem angestammten Geschäft mit Strom, Gas und Wärme auf Umwelttechnologien. Das Segment Umwelt trägt bereits rund ein Viertel zum Ergebnis und zu rund 9 Prozent zum Umsatz bei, sagte EVN-Chef Burkhard Hofer vor österreichischen Journalisten in Nikosia. Das Umweltgeschäft sei auch in der Krise weitgehend stabil geblieben. In Zypern ist die EVN derzeit über ihre Tochter WTE im Abwasserbereich aktiv. Die Investitionssumme liegt bisher bei insgesamt über 80 Mio. Euro. Eine Abwasseraufbereitungsanlage ist bereits in Betrieb, drei in Bau. Bei zwei weiteren Ausschreibungen wird man mitbieten.

Die beiden Geschäftsfelder Energie und Umwelt würden zudem immer mehr in Berührung kommen, weil man auch aus Abwasser und Abfall Energie gewinnen könne, so Hofer. Bei Kläranlagen beispielsweise kann das Faulgas in Blockheizkraftwerken eingesetzt und auch der Klärschlamm kann zur Energiegewinnung genutzt werden. Synergien könnten aus beiden Geschäftsbereich genutzt werden, so seien beispielsweise Gas- und Wassernetze ähnlich.

Partner der EVN sind im Umweltbereich primär die Kommunen, sagt Franz Mittermayer, in der EVN für den Umweltbereich zuständig und Geschäftsführer der deutschen Tochter WTE. Überall, wo Menschen zusammenlebten, lasse sich der ökologische Kreislauf ohne Technik nicht mehr schließen. Tätig ist die WTE vor allem international im Wasser- und Abfallbereich. Die EVN ist mittlerweile in 18 Ländern präsent. Im Umweltgeschäft konzentriert man sich vor allem auf Osteuropa und Südosteuropa.

In Zypern ist Wasser ein wichtiges Thema. Der Bedarf steigt nicht zuletzt wegen des Wachstums im Tourismus. Eine extreme Trockenheit gab es zuletzt im Jahr 2008. Oberste Priorität hat Trinkwasser, das zunehmend auch aus Meerwasserentsalzungsanlagen kommen soll. Die EVN war bei einem Projekt in Süden der Insel sogar Bestbieter, kam letztendlich aber doch nicht zum Zug. Man werde sich aber an Ausschreibungen wieder beteiligen. In Montenegro hat die EVN bereits eine Meerwasserentsalzungsanlage errichtet.

Umwelt-Bewusstsein

Aber auch bei der Abwasseraufbereitung ist Qualität wichtig, damit es für die Landwirtschaft verwendet werden kann. Die EVN hat in Nikosia-Anthoupolis bereits ein Kläranlage errichtet und betreibt diese auch im Rahmen eines sogenannten BOOT-Modells (Build-Own-Operate-Transfer) seit 2007 bis zum Jahr 2017. Das Investitionsvolumen inklusive Betrieb beträgt 27 Mio. Euro. Die Anlage ist mit neuester Technologie inklusive Membrantechnologie ausgerüstet. Das Abwasser kann für die Bewässerung in der Landwirtschaft verwendet werden. Aus Klärschlamm könnte auch Dünger gewonnen werden. Mittermayer schätzt, dass beispielsweise in Österreich rund 40 Prozent des Phosphorbedarfs durch eine entsprechende Verwertung von Klärschlamm kommen könnten.

Im Februar dieses Jahres hat die EVN als Konsortialführer den Zuschlag für die Kläranlage Mio Milia/Haspolat erhalten. Es handelt sich dabei um ein bi-kommunales Kooperationsprojekt der Abwasserbehörden aus Nord- und Süd-Nikosia. Die Kapazität ist auf rund 270.000 Einwohner ausgerichtet. Die Bauzeit ist bis 2012 veranschlagt, der Betrieb für acht Jahre. Die Investitionssumme für Errichtung und Betrieb beträgt rund 45 Mio. Euro. Die Anlage ist mit Membrantechnologie ausgestattet. Das gereinigte Abwasser kann somit auch zur Bewässerung verwendet werden. Dazu kommt hier noch die Biogasgewinnung für die Energie- und Wärmeerzeugung.

In Nordzypern werden zwei etwas kleinere Abwasseraufbereitungsanlagen in Famagusta (für rund 34.000 Einwohner ausgerichtet) in Morphou (für rund 11.000 Einwohner). Finanziert werden diese beiden Projekte von der Europäischen Kommission im Rahmen der türkisch-zyprischen Gemeinschaft. Die EVN ist für Planung und Bau sowie das Training des Personals verantwortlich. Die Investitionssumme liegt insgesamt bei 11,4 Mio. Euro. Das Abwasser wird bei diesen beiden Anlagen biologisch gereinigt und desinfiziert und kann zur Bewässerung in der Landwirtschaft verwendet werden.

Bieterrennen

Bieten will die EVN auch für zwei weitere Projekte mit einer Investitionssumme von zusammen knapp mehr als 70 Mio. Euro: Dabei handelt es sich um den Neubau einer Kläranlage westlich von Limassol mit 170.000 Einwohnerwerten sowie den Neubau und die Rekonstruktion der Kläranlage in Larnaca mit zwei Jahren Betriebsführung. Die EVN rechnet sich gute Chancen aus, dass sie zum Zug kommt.

Die EVN stellt bei solchen internationalen Projektfinanzierungen in der Regel rund 20 Prozent an Eigenkapital zur Verfügung, der Rest wird über Banken finanziert und abgesichert etwa gegen politisches Risiko oder auch Vertragsbruch. Es gebe mehrere Wertschöpfungsstufen durch den Bau und durchaus interessante Renditen. Im Rahmen von BOOT-Modellen übernimmt die EVN die Bau, die Finanzierung und - für eine vereinbarte Laufzeit - den Betrieb. Die Anlage geht in das Eigentum der Kommune über.

Weitere Müllverbrennungsanlage für Moskau

Die EVN errichtet in Moskau eine zweite Müllverbrennungsanlage. Die Kapazität liegt bei 700.000 Tonnen pro Jahr, konkretisierte EVN-Chef Burkhard Hofer. Den Zuschlag hat die EVN im Dezember 2009 erhalten. Das Investitionsvolumen wird mit 500 Mio. Euro angegeben. In Kroatien will die EVN im Herbst mit der Gasversorgung in Dalmatien starten.

Die erste Müllverbrennungsanlage in der russischen Hauptstadt mit einer Kapazität von 360.000 Tonnen ist seit Anfang 2008 in Betrieb. Die Investitionssumme lag bei 191 Mio. Euro. Weiters ist die EVN über ihre Tochter WTE in Moskau auch in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung tätig.(APA)

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