Grawe-Konzernbilanz 2009 tiefrot

20. Mai 2010, 11:59
2 Postings

Hypo-Alpe-Adria-Abschreibung über 288 Millionen Euro bescherte 230 Millionen Euro Defizit

Graz - Der Ausstieg aus der im Dezember notverstaatlichten Hypo Alpe Adria Bank hat die Konzernbilanz der Grazer Wechselseitigen (Grawe Group) 2009 tiefrot gefärbt. Die Grawe musste ihren 20,48-prozentigen Hypo-Anteil um einen Euro an die Republik abtreten, der wertlos gewordene Beteiligungsansatz musste um 288 Mio. Euro abgeschrieben werden. Das hieß 230 Mio. Euro Jahresfehlbetrag für die Grawe-Konzernbilanz, was auch das Eigenkapital geschmälert hat. Noch nie davor hat die Assekuranz einen Verlust ausgewiesen.

Unterm Strich abgedeckt wurde der Verlust, indem 232,3 Mio. Euro an freien Rücklagen aufgelöst werden. Im wesentlichen der Erlös aus dem seinerzeitigen Verkauf der Hypo-Anteile. "Wir haben den Verlust voll bilanziell erfasst, keine stillen Reserven mobilisiert, keine Immobilien aufgewertet. Das hätten wir tun können. Doch wir wollen nichts beschönigen", sagten Grawe-Chef Othmar Ederer und sein Vize Siegfried Grigg am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Graz.

Die Versicherungsgruppe hat 2009 ihr Immobilienvermögen neu geordnet, eine "Grawe Immo Holding" als Dach für die in- und ausländischen Liegenschaftsgesellschaften installiert. Bei diesem Umbau seien keine Reserven für Hypo-Buchungen realisiert worden, wurde versichert.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) der Grawe Group ist 2009 von 15,36 auf 68,9 Mio. Euro angestiegen, hat aber naturgemäß nicht ausgereicht, um die schon im Dezember angekündigte dreistellige Hypo-Anteils-Wertberichtigung zu decken. Deshalb fiel auf Konzernebene der Jahresverlust von 230 Mio. Euro an.

Deutlicher Rückgang beim Eigenkapital

Das Konzern-Eigenkapital sank damit von 768,4 Mio. Euro Ende 2008 auf 533,5 Mio. Euro per Ende 2009. Trotz des schmerzlichen Rückgangs gehöre die Grawe zu den am stärksten kapitalisierten Versicherungsunternehmen Österreichs, sagte Ederer.

Die der Grawe bei der Hypo-Rettung im Dezember abverlangten 30 Mio. Euro an neuem Partizipationskapital für die Kärntner Krisenbank sind bereits zum Jahreswechsel geflossen. "Wir haben nichts mehr zu machen, andere haben da schon noch etwas zu tun", berichtete Ederer. Mit dem Ausstieg aus der Hypo seien für die steirische Versicherungsgruppe auch keinerlei Zu- oder Abflüsse mehr verbunden. Es gibt weder Chancen auf Nachbesserungen noch Nachschuss-Pflichten.

Vom Konzern-EGT stammten 2009 rund 45,8 Mio. Euro (Vorjahr: 11,2 Mio. Euro) aus der Versicherungssparte und 23,12 (4,2) Mio. Euro aus den verbliebenen Banken (Bank Burgenland, Capital Bank).

Die Grazer Wechselseitige hat im Versicherungsgeschäft 64 Prozent ihres Prämienaufkommens im Inland, 36 Prozent im Ausland. Die Auslandsquote war zuletzt - unter anderem wegen rückläufiger Geschäfte in der krisengeschüttelten Ukraine - leicht rückläufig. Die "Landkarte" - also die Präsenz mit Tochtergesellschaften in Ost- und Südosteuropa - will Ederer nicht verändern - auch wenn sich die in vielen Bereichen langjährige Kooperationspartnerin Hypo Alpe Adria jetzt aus etlichen Ländern zurück zieht. In der Region hatte man jahrelang zusammen expandiert. Aber: "Wir sind überall früher gewesen als die Hypo Alpe Adria", sagte Ederer.

Grawe-Chefs wollen sich nichts anhängen lassen

Nachdem Bayern wegen Täuschungverdachts beim Kärntner-Hypo-Kauf durch die BayernLB mit Schadenersatzklagen gegen den Verkäufer Land Kärnten droht, werden auch zwischen den einstigen inländischen Hypo-Aktionären keine Freundlichkeiten ausgetauscht. Grawe-Vizechef Siegfried Grigg, der von Oktober 2006 bis Mai 2007 Hypo-Alpe-Adria-Chef war, ordnet jüngste Aussagen des Kärntner Landesholding-Aufsichtsratsschefs Josef Martinz als "rein politische" Äußerungen ein, die aus der Emotion kämen. Der Konzernchef der Grazer Wechselseitigen, Othmar Ederer - einst Hypo-Aufsichtsrat -, sieht für sich ebenfalls keine Folgen aus der ganzen Hypo-Affäre.

Vorwürfe, dass der Aufsichtsrat der Bank seinerzeit seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen wäre, hatte Martinz dieser Tage kategorisch zurückgewiesen. Zudem sei für die Bereitstellung von Bewertungsunterlagen der Vorstand der Bank verantwortlich. Martinz: "Und das war zu diesem Zeitpunkt der Dr. Grigg (Grawe-Vorstand Siegfried Grigg, Anm.)."

Grigg dazu am Donnerstag bei der Grawe-Bilanz: "Die BayernLB hat mir nie mit einem Wort gesagt, dass ihr etwas fehlt." Alle Unterlagen, die im Datenraum vorhanden gewesen seien, seien vom Accounting erstellt worden. Er habe nicht aus Hunderten Dokumenten Papiere herausgesucht. "Der Datenraum war längst fertig, als ich gekommen bin", sagte Grigg zur APA. Damals wegen der Hypo-Kapitalerhöhung. Der Datenraum sei dann um die Bilanz ergänzt worden, zu diesem habe die BayernLB dann Zugang gehabt.

Gegen Schadenersatzforderungen gegen ehemalige Hypo-Eigner sieht sich die Grawe (die ihren verbliebenen 20,4-Prozent-Anteil Ende 2009 an den Bund abtreten musste) vorweg gefeit. Die Grazer Wechselseitige habe nicht an die BayernLB verkauft, bekräftigte Assekuranzchef Ederer. (Die Versicherung hatte damals Aktien an Tilo Berlin verkauft, der dann an die BayernB weiter verkaufte, Anm.). Deshalb sei kein Anspruch absehbar, hieß es bei der Grawe-Pressekonferenz in Graz. (APA)

Share if you care.