Pflegende Angehörige wollen mehr Rechte

25. Mai 2010, 10:59
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Interessensgemeinschaft gegründet - 350.000 Personen werden in Österreich zu Hause gepflegt

Wien - Jene Menschen, die sich bei der Betreuung chronisch kranker oder behinderter Verwandter täglich aufopfern, gehen im gesellschaftlichen Diskurs offenbar unter. "Derzeit gibt es in Österreich rund 420.000 Pflegegeld-Bezieher. 350.000 davon leben zu Hause und werden von den Angehörigen gepflegt. Jede vierte Familie ist betroffen", erklärte am Donnerstag Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin einer neuen "Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger" bei einer Pressekonferenz in Wien. Es geht um Information der Betroffenen über Hilfsangebote und um Lobbying für deren Interessen in Gesellschaft und Politik.

"Wir wollen, dass pflegende Angehörige gesehen, angehört und verstanden werden", so die Präsidentin der mit finanzieller Unterstützung des Österreichischen Roten Kreuzes ins Leben gerufenen Vereinigung. Daran - so die Proponenten - fehlt es derzeit noch massiv. Harald Goldmann, Vize-Chef der IG-Pflege, der von 1996 bis 1999 seinen verunglückten Bruder im Wachkoma betreute: "Pflegende Angehörige sind oft nicht in der Lage, unterstützende Hilfe zu bekommen, weil sie davon nichts wissen." 

Hohe Kosten im Heim

Dabei könnten weder institutionelles Gesundheits- noch Sozialwesen die Versorgung der mehrere hunderttausend Menschen umfassende Gruppe der ständig Pflegebedürftigen in Österreich übernehmen. Maria Hoppe, Ergotherapeutin und Vorstandsmitglieder der Interessensgemeinschaft: "Wir rechnen, dass die häusliche Pflege eines Dementen pro Jahr 10.000 bis 12.000 Euro kostet. In einem Pflegeheim wären 25.000 bis 43.000 Euro nötig."

Selbst bei einem angenommenen minimalen Zeitaufwand von 13 Stunden pro Woche für eine zu pflegende Person entspricht der hochgerechnete Beitrag der "Caregiver" - so der stellvertretende ÖRK-Generalsekretär Werner Kerschbaum - in Österreich pro Jahr einem Wert von vier Milliarden Euro. "Das ist, was ganz Österreich für mobile Dienste und Pflegeheime ausgibt", erklärte er. Das ÖRK stellt für die IG eine Anschubfinanzierung von 40.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung. Die Organisation soll sich über Mitgliedsbeiträge aber längerfristig selbst finanzieren. 

"Geht nicht nur um die ältere Generation"

Verbesserung der Lebenssituation pflegender Angehöriger, öffentliche Bewusstseinsbildung, mehr Wertschätzung und Anerkennung für die Betroffenen, Identifizierung von Versorgungslücken, Auftreten als relevante politische Gruppe und Lobbying sind die Hauptanliegen der Proponenten. Dramatische Beispiele - so zum Beispiel eine Lehrerin, die jahrelang eine schwerbehinderte Tochter und eine blinde und gelähmte 92-jährige Mutter betreute, sind nur Schlaglichter einer täglichen Routine für Hunderttausende, die oft in Selbstausbeutung und Burn-Out endet.

Sozialminister will bestmöglich unterstützen

"Hauptziel des geltenden Systems der Pflegevorsorge ist es, pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige durch eine direkte Geldleistung sowie durch ein Angebot an sozialen Diensten finanziell zu entlasten, ein selbstbestimmtes, bedürfnisorientiertes Leben zu ermöglichen und auch die Teilnahme am sozialen Leben zu verbessern", so Sozialminister Rudolf Hundstorfer in einer Aussendung. Derzeit würden mehr als 420.000 Frauen und Männer - das sind fast fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung - Pflegegeld nach dem Bundes- oder einem Landespflegegeldgesetz. (APA)

Link: IG Pflege

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