Rauchen könnte vor Parkinson schützen

    20. Mai 2010, 11:58
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    Weisen Raucher eine bestimmte Genvariante auf, ist das Risiko einer Parkinsonerkrankung deutlich geringer als bei Nichtrauchern

    Rauchen verursacht Krebs - es könnte jedoch auch vor einer Parkinson-Erkrankung schützen. Die Schutzwirkung ist möglicherweise auf eine bestimmte Genvariante bei Rauchern zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene epidemiologische Studien, weitere Untersuchungen sollen folgen, hieß es in einer Aussendung der Europäischen Akademie Bozen.

    Wissenschaftler gehen davon aus, dass es eine genetische Veranlagung gibt, die - zusätzlich beeinflusst von bestimmten Umweltfaktoren - für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich ist. Auf der Grundlage dieser Hypothese führte ein Forscherteam der der Europäischen Akademie Bozen und der Mayo Klinik Rochester (USA) eine Studie mit 1.228 Probanden durch.

    Neuroprotektives Nikotin

    Ob jemand an Parkinson erkrankt oder nicht, hängt zum einen davon ab, wie Medikamente auf ihn wirken, was je nach genetischer Veranlagung variieren kann. Zum anderen schützt der Wirkstoff Nikotin in bestimmten Fällen die Gehirnzellen. Nikotin ist somit „neuroprotektiv" und kann vor Parkinson schützen. „Wir haben die Testpersonen zu ihren Rauchgewohnheiten befragt und diese Daten mit einer Variante im CYP2A6 Gen verglichen. Dieses Gen kodiert für ein Enzym, das für den Abbau des Nikotinwirkstoffs verantwortlich ist", erklärt Studienkoordinator Maurizio Facheris vom Institut für Genetische Medizin an der Europäischen Akademie Bozen.

    Die Studienergebnisse zeigten: Wenn Raucher eine bestimmte Variante des betreffenden Gens aufweisen, ist das Risiko einer Parkinsonerkrankung deutlich geringer als bei Menschen ohne diese Genvariante, die nicht rauchen. Folgend muss noch genauer untersucht werden, ob die Schutzwirkung tatsächlich auf diese Variante des CYP2A6-Gens oder auf das bei Rauchern nachweisbare Abbauprodukt Cotinin, das durch die Wirkung dieses Gens entsteht, zurückzuführen ist. „Sollte sich diese zweite Annahme bestätigen, könnte ein Medikament auf der Basis von Cotinin eine Parkinson-Erkrankung verhindern", betonte Facheris.

    Die von der Academy of Neurology ausgezeichnete Studie eröffnet vielversprechende Möglichkeiten auf dem Feld der Pharmakogenetik. Dieser Forschungsbereich geht davon aus, dass aufgrund der unterschiedlichen Genvarianten Medikamente auch unterschiedlich auf Menschen wirken. Eine DNA-Analyse ermöglicht es, bereits im Voraus zu erkennen, wie ein Medikament im jeweiligen Fall wirken wird. Darauf aufbauend können Arzneimittel entwickelt werden, die gezielt auf jeden Einzelnen zugeschnitten sind. (red)

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      Wissenschaftler nehmen an, dass es eine genetische Veranlagung gibt, die für den Ausbruch der Krankheit mitverantwortlich ist.

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