Urheberrecht verbietet fotografieren im Zirkus

20. Mai 2010, 09:18
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Viele Veranstaltungen beginnen mit dem Hinweis, dass fotografieren streng verboten ist

Viele Veranstaltungen vom Zirkus und Festwochen bis zum Stadionkonzert beginnen mit dem Hinweis, dass fotografieren streng verboten ist. So wie in Museen das Bildermachen fast noch als größere Sünde als das Berühren gilt.

Urheberrecht

Meist wird dafür das Urheberrecht als Begründung angeführt, falls man nachfragt. Aber in einer Zeit, da fast jeder ständig mindestens eine Kamera bei sich hat (am Handy) und sich viele Menschen über Mail, Tweets oder Facebook-Postings erzählen, was sie bewegt, ist dieses Verbot völlig unzeitgemäß. Um nicht zu sagen: Es nervt.

Ein kreativerer Umgang mit dem Urheberrechtsgedanken ist gefordert, wofür es auch Beispiele gibt. Denn worum geht es eigentlich? Um den Schutz der kommerziellen Interessen der jeweiligen Künstler, der Möglichkeit mit seiner oder ihrer Arbeit auch Geld zu verdienen - aber nicht darum, dass man anderen nicht von einem tollen Konzert oder einer Superausstellung in Form eines Schnappschusses mit Kurztext erzählen soll.

Der unauffällige Schnappschuss mit der Handycam lässt sich ohnehin kaum verhindern

Ganz im Gegenteil würde damit den kommerziellen Interessen der Beteiligten eher entsprochen: durch die Empfehlung, die mit dem Herzeigen eines solchen Bilds verbunden ist. Soziale Medien mit ihrer "Like"-Funktion oder negativen Stimmen haben wesentlichen Einfluss auf Erfolg oder Flop von Veranstaltungen oder Ausstellungen. Und es gibt eine banale Seite des Verbots: Der unauffällige Schnappschuss mit der Handycam lässt sich ohnehin kaum verhindern.

Einige gute Beispiele für einen schöpferischen Umgang mit Fotografie: Die Berlinische Galerie verlangt für das Recht, privat zu fotografieren, einfach ein paar Euro extra. Im Museum für Modern Art in New York muss man sogar seine Kamera in die Ausstellungen mitnehmen, da die Garderobe nicht dafür haften will. Je nach Rechtslage sind dann einzelne Ausstellungen im Haus mit Fotoverbot belegt, andere fotografierbar.

Open-Air

Auch einige Veranstalter von Open-air-Konzerten haben ihre Fotoverbote gemildert: Fotos dürfen, ohne Blitz, mit "nichtprofessioneller Ausrüstung" gemacht werden. Das ruft in den USA übrigens den Protest der Profifotografen hervor, denen das Fotografieren oft nur von zugewiesenen Orten und für begrenzte Zeit erlaubt wird. Fans hingegen, die heute mit Kameras um ein paar hundert Euros qualitativ vergleichbare Fotos machen können, stehen hingegen mit Glück in idealer Position vor der Bühne.

Um den Einwand mit dem Urheberrecht anzusprechen: Dieses ist häufig bloßer Vorwand, da bei Museen mit Werken von vor langem verstorbenen Künstlern schon lange kein Urheberrecht mehr besteht. Eigentlich fußt ein Verbot auf dem Hausrecht des jeweiligen Museums. Wenn es also nicht um zeitgenössische Kunst geht, könnten Museen hier sehr schnell von sich aus einen zeitgemäßen Umgang mit Fotografie einführen.

Verbotsregime

Das bedeutet nicht, auf bestimmte Regeln verzichten zu müssen: Blitzen stört oder das Aufstehen während einer Vorstellung usw. Aber das braucht eines zivilisatorischen Vorstoßes der Erziehung zu sozial verträglichem Umgang mit Kameras, keine Verbotsregimes.  (helmut.spudich@derStandard.at, Kolumne PERSONAL TOOLS Der Standard Printausgabe, 20.5. 2010)

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