Bangkok laut Regierung weitgehend unter Kontrolle

20. Mai 2010, 15:36
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Verlängerung der Ausgangssperre um drei Tage - Vereinzelte Schusswechsel - Mit Video

Bangkok - Die thailändische Regierung hat nach eigenen Angaben die Hauptstadt Bangkok nach zehn Wochen zum Teil gewaltsamer Proteste wieder weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht. Nach dem Angriff auf den militanten Kern der sogenannten Rothemd-Bewegung vom Vortag gingen Soldaten am Donnerstag noch gegen vereinzelte Widerstandsnester vor, teilte Militärsprecher Sansern Kawekamnerd mit. Am Siegerdenkmal bedrängten etwa 100 Rothemden Polizisten, die dort Wache schoben, berichtete die "Bangkok Post".

Das tiefer denn je gespaltene Land drohte im Chaos zu versinken. Auch nach einem Ende der Gewalt dürfte eine Versöhnung schwierig sein. "Wir können zwar sofort die Straßen reparieren", sagte der Gouverneur von Bangkok, Sukhumbhand Paribatra. "Aber wir wissen nicht, wie lange es dauert, die verletzten Herzen der Menschen zu heilen." Experten erklärten, die seit fast 20 Jahren schwersten politischen Unruhen hätten die Spaltung des Landes noch verschärft.

Mindestens 15 Tote

Bei dem militärischen Großangriff auf ein seit zehn Wochen besetztes Geschäftsviertel im Herzen Bangkoks wurden am Mittwoch nach Recherchen der Nachrichtenagentur Associated Press mindestens 15 Menschen getötet und 96 verletzt. Mit den Toten vom Mittwoch wurden seit Beginn der regierungskritischen Proteste Mitte März insgesamt 82 Menschen getötet und rund 1.800 verletzt.

Am Donnerstag räumten Soldaten einen von Rothemden besetzten buddhistischen Tempel. Rund 1.000 Menschen - zum großen Teil Frauen und Kinder - wurden ins Freie geleitet. In dem Tempel wurden sechs Leichen gefunden. In einigen Gegenden in Bangkok begann die Stadtverwaltung mit den Aufräumarbeiten. Die Sicherheitskräfte entdeckten nach eigenen Angaben ein Waffenlager der Regierungsgegner. Darin seien Sprengsätze, Munition, Schnellfeuer- und andere Gewehre versteckt gewesen. Bewohner der Stadt plünderten die riesige Zeltstadt, in der die Regierungsgegner wochenlang ausgeharrt hatten.

Am Donnerstag ergaben sich drei weitere politische Führer der Protestbewegung. Am Mittwoch hatten sich bereits fünf Rothemd-Führer gestellt - nach ihrer Verhaftung begann der Großangriff auf das besetzte Viertel, in dem bei schweren Kämpfen die Börse, mehrere Banken, der Hauptsitz der Städtischen Stromversorgung und eine Luxus-Einkaufsmeile in Flammen aufgingen. Das mehrstöckige Central World-Einkaufszentrum brannte völlig aus. Ein Armeesprecher sagte, rund 13.000 Menschen seien weiter gewaltbereit. Einer der am Donnerstag festgenommenen Anführer, Veera Musikapong, rief zum Frieden auf: "Ich möchte alle Seiten bitten, sich zu beruhigen und miteinander friedlich zu reden. Bitte macht euch von Wut frei. Wir können nicht mit Wut eine Demokratie errichten", sagte er.

Die Oppositionsbewegung UDD, die die Proteste gegen die Regierung seit Mitte März koordiniert hatte, appellierte an ihre Anhänger, den Widerstand aufzugeben. "Meine Botschaft ist: unser Kampf ist gerecht und geht weiter, wir sollten unserem Ärger nicht durch Randalieren Luft machen", sagte Kokaew Pikulthong, der innerhalb der UDD bisher im Hintergrund agiert hatte, nach Angaben der Zeitung "Nation". "Wir verstehen ihren Frust", sagte Regierungssprecher Panitan Wattanyakorn. "Aber die Gewalt von gestern Abend war mehr als Frust. Das war organisierte Kriminalität."

Die Regierung verlängerte das Ausgehverbot für Bangkok und 23 anderen Provinzen bis Samstagabend. Es gilt von 21.00 Uhr bis 05.00 Uhr. Beobachter befürchten, dass die Gewalt von Bangkok auf die umliegenden Provinzen übergreifen könnte. Besonders der Norden des Landes gilt als Hochburg der Rothemden. Das thailändische Fernsehen berichtete, in der nordöstlichen Provinz Khon Kaen sei ein Mensch ums Leben gekommen, 14 weitere seien verletzt worden. Die Gegend ist nur eine von mehreren, in denen es am Mittwoch ebenfalls zu Protesten kam.

Die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF bzw. ROG) forderte am Donnerstag beide Konfliktparteien auf, für die Sicherheit von Medienschaffenden zu sorgen. Der italienische Fotograf sei bereits der zweite Journalist gewesen, der seit April bei den blutigen Protesten ums Leben gekommen sei. Am Mittwoch seien außerdem ein niederländischer Reporter und ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer verletzt worden. RSF wirft der thailändischen Regierung vor, die Berichterstattung über die Proteste zu behindern.

Die Urlaubsorte im Süden Thailands sind nach Informationen der österreichischen Botschaft in Bangkok nicht von den Unruhen im Land betroffen. Allein in Pattaya seien Ausgangssperren verhängt worden, doch gebe es auch dort keine Ausschreitungen, berichtete Botschafter Johannes Peterlik der APA telefonisch am Donnerstag. Sämtliche Auslandsösterreicher seien weiterhin wohlauf, keine Österreicher oder Botschaftsmitarbeiter seien in den Unruhen der vergangenen Tage verletzt oder getötet worden. "Es ist traurig, wie die Innenstadt ausschaut."  (APA/apn/dpa/Reuters)

  • Das Siam Kino ist abgebrannt nachdem ein Oppositioneller Feuer gelegt hatte. Zuvor war das Kino von den Rothemden besetzt gewesen.
    foto: epa/rungroj yongrit

    Das Siam Kino ist abgebrannt nachdem ein Oppositioneller Feuer gelegt hatte. Zuvor war das Kino von den Rothemden besetzt gewesen.

  • Oppositionelle werden zu Bussen gebracht, ...
    foto: epa/mast irham

    Oppositionelle werden zu Bussen gebracht, ...

  • ... die sie in ihre Heimatprovinzen bringen soll.
    foto: epa/ahmad yusni

    ... die sie in ihre Heimatprovinzen bringen soll.

  • Großes Reinemachen in Bangkok.
    foto: epa/udo weitz

    Großes Reinemachen in Bangkok.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Feuerwehr im Einsatz vor dem Central World Einkaufszentrum in Bangkok.

  • Putzkolonnen säubern den Platz in der Silom Road, den die Oppositionellen besetzt hatten.
    foto: epa/ahmad yusni

    Putzkolonnen säubern den Platz in der Silom Road, den die Oppositionellen besetzt hatten.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Brennende Barrikaden der oppositionellen "Rothemden".

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