Verlängerung der Ausgangssperre um drei Tage - Vereinzelte Schusswechsel - Mit Video
Bangkok - Die thailändische Regierung
hat nach eigenen Angaben die Hauptstadt Bangkok nach zehn Wochen zum
Teil gewaltsamer Proteste wieder weitgehend unter ihre Kontrolle
gebracht. Nach dem Angriff auf den militanten Kern der sogenannten
Rothemd-Bewegung vom Vortag gingen Soldaten am Donnerstag noch gegen
vereinzelte Widerstandsnester vor, teilte Militärsprecher Sansern
Kawekamnerd mit. Am Siegerdenkmal bedrängten etwa 100 Rothemden
Polizisten, die dort Wache schoben, berichtete die "Bangkok Post".
Das tiefer denn je gespaltene Land drohte im Chaos zu
versinken.
Auch nach einem Ende der Gewalt dürfte eine Versöhnung schwierig
sein. "Wir können zwar sofort die Straßen reparieren", sagte der
Gouverneur von Bangkok, Sukhumbhand Paribatra. "Aber wir wissen
nicht, wie lange es dauert, die verletzten Herzen der Menschen zu
heilen." Experten erklärten, die seit fast 20 Jahren schwersten
politischen Unruhen hätten die Spaltung des Landes noch verschärft.
Mindestens 15 Tote
Bei dem militärischen Großangriff auf ein seit zehn Wochen
besetztes Geschäftsviertel im Herzen Bangkoks wurden am Mittwoch nach
Recherchen der Nachrichtenagentur Associated Press mindestens 15
Menschen getötet und 96 verletzt. Mit den Toten vom Mittwoch wurden
seit Beginn der regierungskritischen Proteste Mitte März insgesamt 82
Menschen getötet und rund 1.800 verletzt.
Am Donnerstag räumten Soldaten einen von Rothemden besetzten
buddhistischen Tempel. Rund 1.000 Menschen - zum großen Teil Frauen
und Kinder - wurden ins Freie geleitet. In dem Tempel wurden sechs
Leichen gefunden. In einigen Gegenden in Bangkok begann die
Stadtverwaltung mit den Aufräumarbeiten. Die Sicherheitskräfte
entdeckten nach eigenen Angaben ein Waffenlager der Regierungsgegner.
Darin seien Sprengsätze, Munition, Schnellfeuer- und andere Gewehre
versteckt gewesen. Bewohner der Stadt plünderten die riesige
Zeltstadt, in der die Regierungsgegner wochenlang ausgeharrt hatten.
Am Donnerstag ergaben sich drei weitere politische Führer der
Protestbewegung. Am Mittwoch hatten sich bereits fünf Rothemd-Führer
gestellt - nach ihrer Verhaftung begann der Großangriff auf das
besetzte Viertel, in dem bei schweren Kämpfen die Börse, mehrere
Banken, der Hauptsitz der Städtischen Stromversorgung und eine
Luxus-Einkaufsmeile in Flammen aufgingen. Das mehrstöckige Central
World-Einkaufszentrum brannte völlig aus. Ein Armeesprecher sagte,
rund 13.000 Menschen seien weiter gewaltbereit. Einer der am
Donnerstag festgenommenen Anführer, Veera Musikapong, rief zum
Frieden auf: "Ich möchte alle Seiten bitten, sich zu beruhigen und
miteinander friedlich zu reden. Bitte macht euch von Wut frei. Wir
können nicht mit Wut eine Demokratie errichten", sagte er.
Die Oppositionsbewegung UDD, die die Proteste gegen die
Regierung
seit Mitte März koordiniert hatte, appellierte an ihre Anhänger, den
Widerstand aufzugeben. "Meine Botschaft ist: unser Kampf ist gerecht
und geht weiter, wir sollten unserem Ärger nicht durch Randalieren
Luft machen", sagte Kokaew Pikulthong, der innerhalb der UDD bisher
im Hintergrund agiert hatte, nach Angaben der Zeitung "Nation". "Wir
verstehen ihren Frust", sagte Regierungssprecher Panitan
Wattanyakorn. "Aber die Gewalt von gestern Abend war mehr als Frust.
Das war organisierte Kriminalität."
Die Regierung verlängerte das Ausgehverbot für Bangkok und 23
anderen Provinzen bis Samstagabend. Es gilt von 21.00 Uhr bis 05.00
Uhr. Beobachter befürchten, dass die Gewalt von Bangkok auf die
umliegenden Provinzen übergreifen könnte. Besonders der Norden des
Landes gilt als Hochburg der Rothemden. Das thailändische Fernsehen
berichtete, in der nordöstlichen Provinz Khon Kaen sei ein Mensch ums
Leben gekommen, 14 weitere seien verletzt worden. Die Gegend ist nur
eine von mehreren, in denen es am Mittwoch ebenfalls zu Protesten
kam.
Die internationale Organisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF bzw. ROG) forderte am
Donnerstag beide Konfliktparteien auf, für die Sicherheit von
Medienschaffenden zu sorgen. Der italienische Fotograf sei bereits
der zweite Journalist gewesen, der seit April bei den blutigen
Protesten ums Leben gekommen sei. Am Mittwoch seien außerdem ein
niederländischer Reporter und ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer
verletzt worden. RSF wirft der thailändischen Regierung vor, die
Berichterstattung über die Proteste zu behindern.
Die Urlaubsorte im Süden Thailands sind nach Informationen der
österreichischen Botschaft in Bangkok nicht von den Unruhen im Land
betroffen. Allein in Pattaya seien Ausgangssperren verhängt worden,
doch gebe es auch dort keine Ausschreitungen, berichtete Botschafter
Johannes Peterlik der APA telefonisch am Donnerstag. Sämtliche
Auslandsösterreicher seien weiterhin wohlauf, keine Österreicher oder
Botschaftsmitarbeiter seien in den Unruhen der vergangenen Tage
verletzt oder getötet worden. "Es ist traurig, wie die Innenstadt
ausschaut." (APA/apn/dpa/Reuters)