Keine Videoüberwachung in Linzer Öffis

19. Mai 2010, 22:27
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Dafür mehr Uniform in Bus und Bim - Streetworker für Haltestellen

Linz - 85 Übergriffe auf Kontrolleure und Fahrgäste der Linz Linien wurden voriges Jahr bei der Polizei angezeigt. Zum Teil wurden die Opfer krankenhausreif geschlagen. ÖVP und Freiheitliche sehen wegen der gemeldeten Körperverletzungen die Sicherheit in Bus und Bim gefährdet. Deshalb forderten sie eine flächendeckende Videoüberwachung in allen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Am Mittwoch präsentierte ein eigens gegründeter Sicherheitsbeirat mit Vertretern der Linz Linien, Polizei, Sicherheitsdienst, dem Verein Jugend und Freizeit und Verkehrsstadtrat Klaus Luger (SPÖ) sein Maßnahmenpaket für das nächste Jahr. Nicht mit dabei: die Videoüberwachung. Gegen diese hatten bereits im Gemeinderat SPÖ und Grüne gestimmt. "Ohne die Zwischenfälle bagatellisieren zu wollen, in den Linz Linien passiert wenig", erklärt Luger, warum seine Partei die Einführung einer Videoüberwachung für überzogen hielte.

Von den 85 Übergriffen ereigneten sich nur 20 in Fahrzeugen, die anderen bei den Haltestellen. Fast 98 Millionen Fahrgäste benützen pro Jahr Bus oder Bim. Nur jeder Fünfmillionste wurde dort tätlich angegriffen, rechnet er vor. Von einer generellen Gefährdung der Sicherheit, wie dies ÖVP und FPÖ darstellen würden, könne keine Rede sein, meint Luger.

Laut einer Umfrage der Linz Linien im Jahr 2009 fühlen sich die Fahrgäste tagsüber in den öffentlichen Verkehrsmitteln auch sicher. Unbehagen komme jedoch nach Einbruch der Dunkelheit auf, besonders bei Frauen. Ein Großteil der Übergriffe auf Fahrgäste passiere laut Polizei tatsächlich am Abend oder an Wochenenden. Allerdings würden die Täter nicht willkürlich irgendeinen Fahrgast angreifen. Täter und Opfer kennen sich meistens. Kontrolleure hingegen werden von wütenden Schwarzfahrern angegriffen, ergänzt Luger. Aufgrund der Umfrage und der Analyse der Zwischenfälle schnürte der Sicherheitsbeirat ein Maßnahmenpaket.

Streetworker für Haltestellen

So wird künftig die Polizei verstärkt in Fahrzeugen und Haltestellenbereichen präsent sein. In den Öffis führt die Exekutive auch stichprobenartig Personenkontrollen durch. Ab Einbruch der Dunkelheit wird die Fahrscheinkontrolle in Uniformen durchgeführt. "Das Sichtbarmachen von geeigneten Ansprechpersonen durch die Uniformen soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste in den Nachtstunden erhöhen", erläutert Linz-Linien-Direktor Walter Rathberger. Zudem soll der Verein Jugend und Freizeit helfen, Übergriffe schon im Vorfeld zu vermeiden. Dazu schickt der Verein auf Anforderung durch die Verkehrsleitzentrale mobile Jugendarbeiter und Streetworker an neuralgische Haltestellen.

Die ÖVP zeigte sich mit dem vorgelegten Sicherheitskonzept "nicht endgültig zufrieden". Ohne Videoüberwachung bleibe eine Instrument zur Abschreckung und Aufklärung von Straftaten außen vor, kritisierte Sicherheitssprecher Josef Hackl. (Kerstin Scheller /DER STANDARD-Printausgabe, 20.5.2010)

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