Ein Bettelprinz kämpft gegen Zeit und Schwerkraft

19. Mai 2010, 18:46
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    foto: disney enterprises

    Nicht nur wenn der Prinz mit der Prinzessin flüchtet, bleibt die Zeit kurz stehen: Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton im Hochglanz-Fantasy-Spektakel "Prince of Persia"

US-Schauspieler Jake Gyllenhaal ("Donnie Darko") wagt den Schritt vom Nerd-Idol zur Disney-Figur: Im Actionmärchen "Prince of Persia - Der Sand der Zeit" geht er als Abenteurer die Wände hoch

Wien - Filme wie dieser sind für US-Schauspieler wahrscheinlich die Sommerfestspiele ihres Lebens: Man dreht an exotischen Destinationen (wie Marokko oder Großbritannien), die Gage stimmt, und nach allerhand ernsten und ernsthaften Filmen mit viel Text möchte man sich einfach einmal in der Rolle des muskulösen Helden erproben. Umgekehrt tun sich mit kreativer Besetzungspolitik neue Zielgruppen auf.

So kommt es dann, dass einer wie Jake Gyllenhaal ("Donnie Darko", "Brokeback Mountain", "Zodiac") als halbnackter wilder Hund, und im Ringkampf in einen Gegner verkeilt, eine Disney-Produktion betritt: "Prince of Persia - Der Sand der Zeit" ist jüngster Beitrag zur gegenwärtigen Blockbustertendenz, mythologische und historische Vorvergangenheit auszuschlachten. Allerdings muss man nicht tief graben, um deutliche Bezugnahmen auf jüngste Gegenwart zu erkennen: Besatzer fallen wegen Informationen über Waffenproduktionsstätten in eine heilige Stadt ein - aber der Spion war gedungen, der Hintergrund dieser Mission entpuppt sich als politische Intrige.

Ein Mechanismus, mit dem sich die Zeit zurückdrehen und vieles anders tun lässt, käme in so einer Situation manchem Entscheidungsträger sehr gelegen. "Prince of Persia" ist denn auch eine Erfindung der Jetztzeit und hat seinen Ursprung im gleichnamigen US-Computerspiel aus dem Jahr 1989. Aber erst die Nullerjahre brachten dessen großflächigen Relaunch und mehrere Fortsetzungen. Der Kinofilm übernimmt davon Figuren und Handlungselemente. Darüber hinaus hat man sich vor allem formale Aspekte angeeignet:

Der Prinz geht, läuft und springt die Wände hoch. Wie ein Traceur (oder wie Daniel Craig in seinem ersten James-Bond-Abenteuer) überwindet er Häuserschluchten, Dachlandschaften, Palastmauern; die wendig umheräugende Kamera erinnert dabei immer wieder an die ruckartigen Perspektivwechsel eines Spielablaufes.

Andererseits bleibt der Look des Films - von den Landschafts- und Palastpanoramen bis hin zum hart auftrainierten Heldenkörper - arg synthetisch. Die kindliche Freude über die dynamischen Bewegungs- und Aktionsabläufe, die prinzlichen Salti und Schwertkampfvirtuositäten will nicht zwei Stunden anhalten. Langeweile stellt sich ein, daran können nicht einmal mehr die sandgeborenen Ninja-Ableger viel ändern.

Nur punktuell funktioniert der Film, den Routinier Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") inszeniert hat, doch ganz gut als gewitzte Unterhaltungsware im Geiste der "Piraten der Karibik"-Franchise. Vor allem dann, wenn zu Spezialeffekten und Körper-Action noch jener Dialogwitz kommt, für den unter anderem Alfred Molina als volksnaher Entrepreneur Sheik Amar zuständig ist. Dieser sorgt für Straußenrennen und Bonmots. Wenigstens darf man sich das Spektakel, das jetzt in Teilen Kontinentaleuropas bereits eine Woche vorm US-Start anläuft, noch ganz altmodisch in 2-D ansehen. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2010)

 

Kommentar posten
23 Postings
Early
00
24.5.2010, 19:19

Lege ich mir sich auf Blu-Ray zu. Ich mag die Spiele und die Trailer sahen doch ganz vielversprechend aus.

Olivio Tasso
00
20.5.2010, 17:34
Naja

Gyllenhaal als Perserkrieger, ob das gut geht? Irgendwie fehlt ihm doch das gewisse Orientalische.

powerpack
51
20.5.2010, 14:57

nerd-idol? was ist das denn für ein wort? der gyllenhaal war immer schon ein schlechter schauspieler, rollen in pseudo-alternativen schinken täuschen da nur oberflächlich drüber hinweg. insofern taugt er verdammt gut für ein solche machwerk, ebenso wie der sich gerne als alternativ gebende johnny depp - da sind sie wohl brüder im geiste die beiden "alternativen" schauspieler und sogar beim gleichen massenware-produzenten angestellt (disney).

roland-p
00
24.5.2010, 10:30

Der hat aber immerhin in Meisterwerken wie "Donnie Darko" oder "Zodiac" mitgespielt ...

und Johnny Depps Filme mit Tim Burton sollte man auch nicht vergessen!

Der Mann
12
20.5.2010, 16:23
was habens

gegen den depp, der kann schon was oder - nicht?

selmasupersad
 
23
20.5.2010, 08:35

lieber wieder mal brokeback mountain anschauen.

thomazz
06
20.5.2010, 15:01

besser donnie darko.

Track123
06
19.5.2010, 23:28

Es sollte ein Gesetz gegen Videospielverfilmungen geben.

die Resi-Tant Evil
00
21.5.2010, 11:39

... hätte ich mir vor 5 Jahren gewunschen. Und dann aber hat Hollywood noch ein Schauferl nachgelegt - damals für mich bereits unvorstellbar, dass die Idiotie von Computerspielverfilmungen überhaupt steigerbar ist - und begonnen, die tümbsten der tümbsten Comix zu verfilmen.

Da kann man sich nur mehr unter dem Bett verstecken und spekulieren, was uns Hollywood wohl als undenkbare nächste Steigerung der Bl#dheit präsentieren wird. Kinoversionen von TV Realityshows?!

Hans Müller1
 
01
21.5.2010, 20:52
Bald gibt's eine Kinoversion vom A-Team :)

Nilpferd
00
25.5.2010, 14:45
Bitte nicht! QAQ

Martin Major
 
05
20.5.2010, 08:39

ein gesetz gegen uwe boll reicht doch

major grubert
00
20.5.2010, 14:43
ich finde

postal ist ihm, warum auch immer, doch gelungen. ueber den rest wollen wir mal den mantel des schweigens ausbreiten :)

Captain_Harlock
00
20.5.2010, 09:48

/signed

Monopoly mit Hut
00
20.5.2010, 08:08

Ich fand "Doom" eigentlich ganz nett. War grad in guter Stimmung auf einen "wenig Handlung aber mit Ironie"-Film und hab ihn damals im Kino angesehen.

Zum Brüllen komisch waren vor allem die Kommentare der Zuschauer, die ganz offensichtlich vorher (auch) Doom gespielt haben. Vor allem bei den Szenen aus der First Person-Perspektive gegen Ende:

* Das ist ja viel zu langsam!
* Scheiß Framerate!
* Headshot!

War irgendwie ganz amüsant. :-)

That Guy...
 
00
20.5.2010, 00:38
hab versucht ihren vorschlage zu widerlegen...

habe aber nur diese traugrige liste gefunden http://www.imdb.com/keyword/b... pe=feature

fällt jemanden eine ausnahme ein?
kane & lynch könnte interessant werden...

Man in the Box
00
21.5.2010, 00:33

ja, eine ausnahme gibt es: silent hill!!! der film ist richtig gut geworden, funktioniert als film und ist dennoch sehr nah am videospiel. ansonsten gibt es leider wirklich nur schrott, selbst max payne, wo ich dachte, da kann man nichts falsch machen, wurde verhunzt.

That Guy...
 
00
21.5.2010, 15:14
da stimme ihnen zu

silent hill hat es recht gut geschafft das setting (nicht so sehr die handlung) und die stimmung des spiel einzufangen und gleichzeitig auch für jene zugänglich zu machen, die das spiel nicht kennen.

Neuer Nick neues Glück
00
20.5.2010, 14:10

Ahaha, die Japsen!

Suturito Faita für Street Fighter.

Track123
00
20.5.2010, 12:07

Die Liste der ab 2010 geplanten Filme lässt mich mit Schaudern in die Zukunft blicken. Bin ich froh, dass ein MGS ebenso wie ein GoW Film auf unabsehbare Zeit verschoben sind.

George Burma
01
20.5.2010, 07:38

Dabei hatte DOA so viel Potenzial ;-)

Meine Lieblingsverfilmungen von Videogames...

Minesweeper:
http://www.youtube.com/watch?v=LHY8NKj3RKs

SIMS:
http://www.youtube.com/watch?v=MMXME2pm83c

JBird
 
00
19.5.2010, 23:41

Naja, Uwe Boll sollte einfach keine Filme mehr drehen dürfen. ^^

donnie darko
00
19.5.2010, 21:39

donnie oh donnie

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