"Das ist ein stumpfes Instrument"

19. Mai 2010, 22:09
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Das in Deutschland ausgerufene Verbot von Leerverkäufen für Euro-Staatsanleihen und auf Kreditausfallversicherungen sorgt für Unmu

Das in Deutschland ausgerufene Verbot von Leerverkäufen für Euro-Staatsanleihen und auf Kreditausfallversicherungen sorgt für Unmut. Politiker verurteilen den Alleingang der Deutschen, Experten sagen, die Maßnahmen würden verpuffen. 

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Der Vorstoß der deutschen Finanzaufsicht Bafin, neben ungedeckten Leerverkäufen mit Aktien von Finanzunternehmen auch Leerverkäufe in Staatsanleihen aus Euro-Ländern und den Handel mit bestimmten Kreditausfallversicherungen (CDS) unbefristet zu verbieten, sorgt für Irritation.

EU-Binnenkommissar Michel Barnier sagte, er verstehe die Sorge über mögliche Auswirkungen dieser riskanten Transaktionen, es müssten aber "die "regulatorische Willkür und eine Aufsplitterung innerhalb der EU und global verhindert werden" . Frankreich zeigte sich über Deutschlands Agieren "irritiert" : "Ich finde, dass jemand bei einer solchen Maßnahme zumindest den Rat der anderen Mitgliedstaaten einholen sollte" , sagte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Mittwoch.

Experten reagierten skeptisch. Der deutsche Alleingang werde wirkungslos verpuffen, heißt es. Laut Commerzbank-Portfoliomanager Gunnar Stangl würden Händler in Deutschland künftig auf andere Finanzplätze ausweichen. Der größte Teil des Handels mit den in Kritik stehenden CDS werde ohnehin nicht in Frankfurt, sondern in Zentren wie London oder New York abgewickelt.

"Das ist ein sehr stumpfes Instrument, das keinerlei Sinn hat" , sagte Bob Pozen, Chef des Vermögensverwalters MFS Investment Management. Das hätten ähnliche Verbote in den USA während der Finanzkrise gezeigt. Schließlich hätten sie den Preisverfall nicht stoppen können. Von dem Verbot profitierten vor allem europäische Exporteure und US-Staatsanleihen, sagte Pozen. US-Finanzminister Timothy Geithner hält generell nicht viel von Handelsbeschränkungen, sie hätten sich in der Vergangenheit als nicht sinnvoll erwiesen, sagte Geithner dem US-Sender CNBC.

Kurzfristig wirkte das CDS-Verbot jedenfalls. Die Kosten für griechische, britische, italienische, irische, portugiesische und deutsche Kreditversicherungen sanken. Griechische CDS verbilligten sich laut dem Datenanbieter Markit um 58 auf 607 Basispunkte, portugiesische um neun Basispunkte auf 271 und irische um zehn auf 199 Punkte.

In Österreich ist das Verbot für ungedeckte Leerverkäufe auf Finanztitel seit 27. Oktober 2008 in Kraft. Es gilt immer für sechs Monate und wurde bisher siebenmal verlängert. Ende Mai läuft das Verbot aus, von einer Verlängerung "kann man ausgehen" , sagt Klaus Grubelnik, Sprecher der Finanzmarktaufsicht.  (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

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