Tabu fällt: Am Steuerprivileg für 13. und 14. Gehalt wird gerüttelt

Andreas Schnauder, 19. Mai 2010 18:01

Einschränkung für Topverdiener angedacht - Begünstigung derzeit 5,4 Milliarden im Jahr

Die steuerliche Begünstigung des 13. und 14. Gehalts gerät zusehends ins Visier von Steuerexperten, und auch das Finanzministerium denkt dem Vernehmen nach an Einschränkungen. Laut STANDARD-Informationen wären von den Überlegungen Besserverdiener betroffen, die von der so genannten Sechstelbegünstigung überproportional profitieren. Ein Sprecher von Finanzminister Josef Pröll dementierte allerdings, dass Einschnitte geplant seien.

Insgesamt entgehen dem Fiskus durch den niedrigen Steuersatz von sechs Prozent auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld 5,4 Milliarden Euro. Experten stoßen sich vor allem an der Verteilungswirkung, weil sich das Privileg bei Topverdienern viel stärker auswirkt als bei niedrigen Einkommen. Margit Schratzenstaller vom Wifo, der Wirtschaftsforscher Gerhard Lehner aber auch die Kammer der Wirtschaftstreuhänder plädieren für eine aufkommensneutrale Abschaffung der Sechstelbegünstigung.

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Wien - Auch wenn das Finanzministerium kolportierte Pläne zur Reform der Sechstelbegünstigung dementiert:Zumindest auf Expertenebene scheint das Tabu gefallen zu sein. Laut Standard-Informationen wird im Ressort an Modellen getüftelt, wobei vor allem der niedrige Steuersatz von sechs Prozent im oberen Einkommensbereich ins Visier gerät. Es sei nicht einzusehen, dass ein Direktor mit 100.000 Euro brutto im Monat Urlaubs- und Weihnachtsgeld fast steuerfrei kassiere, heißt es.

Dass die Begehrlichkeiten wachsen, ist nicht verwunderlich, macht das Steuerprivileg doch 5,4 Mrd. Euro aus. Auch Gewerkschaft und mehrere Experten halten eine Reform für sinnvoll. Margit Schratzenstaller vom Wifo hält die derzeitige Sechstelbegünstigung für "verteilungs- und beschäftigungspolitisch nicht unproblematisch" , weil höhere Einkommen davon stärker profitieren als mittlere. Wenigverdiener werden im Gegenzug bei der Sozialversicherung stark zur Kasse gebeten. Die Sechstelbegünstigung schwäche ebenso wie die Höchstbeitragsgrundlage bei der Sozialversicherung die Progression. Schratzenstaller spricht sich daher für eine Gesamtreform aus, bei der die Vorteile des 13. und 14. Gehalts abgeschafft werden und dafür Lohnsteuer und Beiträge gesenkt werden. Derzeit sinkt die Belastung nämlich bei Top-Einkommen, wie auch die Industriestaatenorganisation OECDregelmäßig moniert.

Freibetrag als Alternative

Bereits ein Konzept zur Reform ausgearbeitet hat Wirtschaftsforscher Gerhard Lehner:Auch er schlägt die Abschaffung der Begünstigung und statt dessen einen Freibetrag von 10.000 Euro vor. Auf die beiden Sonderzahlungen Urlaubs- und Weihnachtsgeld umgelegt, würden dann Einkommen bis 5000 Euro im Monat entlastet. Wer mehr verdient, würde voll vom Grenzsteuersatz - in der Regel 50 Prozent - erfasst. Dazu legte Lehner auch Beispiele vor:Wer 3000 Euro im Monat erhält, zahlte 322,8 Euro weniger Lohnsteuer im Jahr. Lehner hat diese Variante für ein Reformpapier der ÖVP-nahen Julius-Raab-Stiftung konzipiert.

In die gleiche Kerbe schlägt die Kammer der Wirtschaftstreuhänder: Deren Steuerexperte Karl Bruckner plädiert ebenfalls für einen Freibetrag von 10.000 Euro sowie für einen einheitlichen Abgabensatz von 40 Prozent, mit dem auch die Sozialbeiträge abgegolten werden und der auch die Sechstelbegünstigung umfasst.

Auch an der Wirtschaftsuniversität Wien wird zu dem Thema geforscht:Stefan Humer vom Institut für Geld- und Finanzpolitik verweist auf den hohen Anteil von Personen, die keine Lohnsteuer zahlen und somit auch von der Sechstelbegünstigung nicht profitierten. Das sei "ein regressives Element im Steuersystem" .

Humer hat errechnet, wie stark die Begünstigung in verschiedenen Einkommensklassen wirkt:Bis 900 Euro Monatsbrutto gar nicht, weil ohnehin keine Lohnsteuer gezahlt wird. Bei einem Einkommen von 1700 Euro beläuft sich der Vorteil schon auf fünf Prozent. Bereits um sieben Prozent mehr Steuern ohne Privileg würde man bei einem Verdienst von 3500 Euro zahlen. Ab 5900 Euro wären neun Prozent mehr Steuern abzuliefern, würden die Begünstigung abgeschafft. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

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Posting 1 bis 25 von 1439
Dein schönster Traum
27.05.2010 13:26
Ehrlich gesagt...

...überlege ich mir da dann schon, woanders hin zu ziehen.

Grund:

a) Freibetrag wird sowieso weggefeilscht werden - das machen die Bonzen immer so mit uns

b) Sozialleistungen in Österreich? Wie bitte? Zahnersatz, Höhe des Arbeitslosengeldes - da wird einem schlecht, vor allem, wenn man das mit den monatlichen Abgaben vergleicht...

c) Na was glaubts, wie eine Abschaffung des 13. + 14. bei Gehaltsverhandlungen in Zukunft sein wird.

Einstiegsgehalt heute: 14x EUR 2.200,-
Einstiegsgehalt nach der Reform: 12x EUR 2.200,-

DAS ist die Realität.

Aber es gibt ja auch andere Länder in Europa mit arbeitnehmerfreundlicheren Steuergesetzen und höherem Rest, der einem nach Abzug der irren Fixkosten (Miete!) vom Gehalt bleibt.

Quo vadis, Austria?

MAXIMA
21.05.2010 18:59
Ein Privileg ist, wenn wenige einen Vorteil genießen...

.... was hier ein ganzes Steuerzahler-Volk genießt, kann kein Privileg sein, sondern das heißt doch sonst immer: wohlerworbenes Recht.

agitare
20.05.2010 18:35
mittelschicht

schaut aus wie ein prolet, lebt wie ein prolet - heißt aber mittelschicht. warum? weil es ideologisch so viel besser kommt.

aber knapp 950 € ist man mit dabei, bei der sagenumwobenen mittelschicht. lässig.

already
21.05.2010 11:06
950 Euro-Mittelschicht?

Mit lächerlichen 950 Euro zählen Sie sicher nicht zur
Mittelschicht!

agitare
22.05.2010 22:16
sag das den forschern

zum beispiel dem DIW

http://de.wikipedia.org/wiki/Mitt... t#Beispiel

knutrecht
20.05.2010 18:27
Widerstand

War eh klar. Höchstwahrscheinlich wird die sog. Mittelschicht am meisten belastet werden. Und die Bananenrepublik Österreich mit aufgeblähten Landesregierungen, Bundesrat,... Auf keinen Fall abspecken!
Es wird Zeit, dass sich aktiver Widerstand regt.
Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich persönlich zähle mich zur Mittelschicht, ich zahle gerne Steuern für sozialen Frieden, ein effektives Gesundheitssystem, ...
Aber ich ich fordere zum Widerstand auf gegen gutbezahlte Versorgungsposten, ein "subjektives Sicherheitsgefühl im Burgenland" und die unsägliche Borniertheit der Regierung!

Van Braun
20.05.2010 18:27
From my cold, dead hands

Red Zone
20.05.2010 18:24

Hauptsoch, denkt sich der Sepp, i vahinder de Bankensteuer. Der Konrad-Chrisi wirds mo scho moi daonken.

fluffer
20.05.2010 18:03

warum werden immer die, welche arbeiten gehen zur kasse gebeten?

kalinka karechta
20.05.2010 18:11

Weil Arbeit eine Freude ist, eine einmalige Gelegenheit zur Selbstverwirklichung, ein Geschenk und eine Wohltat. Daher ist es unfair, wenn man für dieses Vergnügen auch noch Geld bekommen soll!

schlechter Gutmensch
20.05.2010 18:06
weil die anderen....

... entweder zu arm oder zu reich sind, um bezahlen zu müssen.

h 90
20.05.2010 18:18

Was waere (geht natuerlich nur wenn alle mitmachen).
Arbeit steuerfrei
Lebensmittel geringe Besteuerung
Elektronik schon mal 80 %
Reine Luxusgueter 200-500 %

Aber in Total die gleiche Steuerquote. Waere das nicht gerechter?

Altered States
 
20.05.2010 19:42
Gerechtigkeit

Wäre gerechter, aber wer soll das durchsetzen und wie? Da müssen wir uns an poster "knutrecht" halten und Widerstand gegen die Verhältnisse bilden. Aber dazu gehts uns NOCH zu gut, denk ich. Aber es wird scho....

kalinka karechta
20.05.2010 18:21

Und jetzt erklären Sie uns noch, was ein Luxusgut ist. Dann kann die Streiterei los gehen :-)

h 90
20.05.2010 18:49

Natuerlich nicht einfach. Aber auch bei Gehaltsbesteuerung hat man Stufen ueber die man streiten kann.
Wein <5 Euro Stufe 0, 5-10 Euro Stufe 1, 10-30 Euro Stufe 2, 30-100 Euro Stufe 3. >100 Euro Stufe 4
Ist natuerlich relativ kompliziert, aber mit den Beamten die die Ausnahmeregelungen bei der Gehaltsbesteuerung machen wirds schon klappen.

Wuerde aber nicht klappen weil Wohlhabende das teure Zeugs ausserhalb kaufen wuerden.

der kudernjak und sein hund berzirksrat
20.05.2010 18:02

Ich weiss nicht, was Ihr alle habt, als Ausgleich gabs doch eh den Ederer-Tausender. Trinkts das Glaser griechischen Wein, Solidarität mit den Banken, das muss sein!

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
20.05.2010 18:29
ja, mit solchen Fähigkeiten rutsche die Dame gleich ins Siemens Management!

S. Enfspender
20.05.2010 18:00
Und was ist mit dem 15. und 16.??

Angeblich sollen bestimmte Mitarbeiter in geschützten Bereichen, wie z. B. der OeNB, sogar 16 Monatsgehälter bekommen.
Nur so nebenbei: wäre es nicht höchste Zeit, den Gregorianischen Kalender der gängigen Praxis entsprechend von 12 auf zumindest 14 Monate zu ändern. Das müßte natürlich weltweit geschehen. aber Österreich könnte natürlich auch in diesem Fall einen Alleingang wagen.
Vorteil: die Monate wären unter Beibehaltung von 365/366 Jahrestagen kürzer und die Leute kämen dadurch länger mit ihrem Einkommen aus.

hai eck
20.05.2010 18:17
Nicht verstanden.

Niemand schafft (zwingend) das 13. + 14. ab. Sie werden nur mit dem normalen Tarif VERSTEUERT. 15. + 16. werden jetzt schon großteils normal versteuert, weil sie über das Jahressechstel hinausgehen. Nachzulesen im EStG.

aereo
20.05.2010 17:36

Natürlich wird die 13-14-Begünstigung konsumiert, aber mental anerkannt wird sie ohnehin nicht.
'Ich zahl schon 50% Steuer' dröhnt es am Stammtisch, wie wir wissen i.d.R. nur für einen kleinen Teil des Einkommens und eben abzgl. der Sechstelbegünstigung.

berni berni1
20.05.2010 17:28

ab 6000,- Brutto.

kalinka karechta
20.05.2010 18:12

Sie haben weniger?

mitrovic dejan
20.05.2010 17:25
Ok 5,4 miliarden Euro.

Bringt diesse Besteuerung.
Dafür solle aber das jeder von Besteuerter eine Gratis Jahres karte für ÖBB erhalten.
ÖBB wird sowieso aus dem Steuer Topf finanziert.
Par Pasagiere Mehr würde nix ausmachen.
Hackeln sollen diesen Frühpensionisten mit 51 und nicht einschlafen.
Nicht wie bist jetzt leeren Züge dürch gegend spazieren.
Übrigens nicht jeder würde diese Jahres Karte nutzen.Aber es Schmerz weniger dann diese Besteuerung und tuhe selbstwertgefühl gut.

Léonor de Guzman
20.05.2010 17:19
die wollen

anscheinend keine stimmen mehr bei den nächsten wahlen?

4age
22.05.2010 14:34

die beiden großen haben genug Stammwähler (Funktionäre, Mitglieder ect), und sobald doch jemand anderer am Drücker sitzt, schaut er nur daß seine Schäfchen im trockenen sitzen

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