Fieberhafte Wirkstoffsuche

19. Mai 2010, 19:05
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Forscherteams veröffentlichen Tausende von Substanzen, die gegen Malaria wirken

FiLondon - Malaria ist eine der ganz großen Katastrophen des Planeten: Weltweit sterben jährlich 880.000 Menschen daran, etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. Die Zahl der jährlichen Erkrankungen wird auf rund 300 Millionen Fälle geschätzt. 90 Prozent der Betroffenen leben (und sterben) in Afrika.

Es gibt berechtigte Befürchtungen, dass mit dem Klimawandel sich die Zahl der Erkrankungen noch wesentlich erhöhen könnte, zumal auch die Resistenzen gegen die am besten wirksamen Antimalaria-Medikamente im Steigen begriffen sind. Mit anderen Worten: Die Zeit drängt mehr denn je, um neue Wirkstoffe gegen Malaria zu entwickeln - zumal die "Pipeline" zuletzt eher leer war.

Nun gibt es neue Hoffnungen im Kampf gegen die tückische Infektionskrankheit: Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" drehen die "Pipeline" wieder auf und geben zugleich auch Einblick in die Art und Weise, wie in der Pharma-Industrie heute nach neuen Medikamenten geforscht wird.

So hat allein GlaxoSmithKline (GSK) im Jahr 2009 fast zwei Millionen Wirkstoffe danach getestet, ob sie gegen Plasmodium falciparum wirken. Das wiederum ist der gefährlichste der vier Malariaerreger, der in Südostasien bereits erste Resistenzen gegen Artemisinin zeigt, den gegenwärtig wirksamsten Antimalaria-Wirkstoff.

Bei diesem Screening stießen die Forscher bzw. automatisierten Anlagen von GSK auf immerhin 13.533 Substanzen, die das Wachstum des tödlichen Parasiten um 80 Prozent reduzieren konnten. Warum das Ganze einen Forschungsartikel in "Nature" (Bd. 465, S. 305) wert ist? GSK-Forscher machen diese neuen Wirkstoffe, die bis jetzt zu 82 Prozent GSK "gehörten" und der Forschung nicht zugänglich waren, für die weitere Entwicklung öffentlich zugänglich.

In einem zweiten Aufsatz berichtet ein zweites internationales Forscherteam über ein ähnliches Unterfangen (S. 311): Ausgehend von der chemischen Genetik von Plasmodium falciparum wurden aus mehr als 300.000 Chemikalien immerhin 172 ernste Kandidaten identifiziert.

Jetzt müssen "nur" mehr die Medikamente schnell her, denn die Zeit in Form von zunehmender Resistenz drängt. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 20. 5. 2010) 

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    Anophelesmücke bei der Übetragung des Malariaerregers. Nach Gegenmitteln wird fieberhaft gesucht.

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