Infineon "kämpft" mit hoher Halbleiter-Nachfrage - Fachkräfte gesucht

19. Mai 2010, 15:23
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Kircher-Kohl: Euro-Schwäche für exportorientierte Industrie Entlastung

Der Halbleiterproduzent Infineon spürt als "Frühzykler" den Aufschwung durch hohe Nachfrage. Der wieder enorm gestiegene Kundenbedarf bringt das Unternehmen an den Rand der Kapazitätsgrenze. Nachdem im Vorjahr zum Höhepunkt der Krise die Produktion in Villach um bis zu 70 Prozent eingebrochen war, geht der Trend nun schnell in die Höhe, beschrieb Infineon Österreich-Chefin Monika Kircher-Kohl am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien die Schwankungen in ihrer Branche. Der Aufschwung werde in den nächsten Quartalen wohl anhalten, zeigt sie sich überzeugt, viele Fragezeichen gebe es natürlich schon.

Euro-Schwäche

Die aktuelle Euro-Schwäche trifft den global agierenden Konzern mit Sitz in München in Summe gesehen nicht negativ. Der starke Euro habe das Unternehmen auch in einer besonders schweren Zeit getroffen, für eine stark exportorientierte Industrie wie die Halbleiterei sei ein schwächerer Euro eine Entlastung, so die Spitzenmanagerin.

Die Position am Halbleiter-Markt konnte der Konzern verbessern, berichtet Kircher-Kohl: Bei Leistungshalbleitern wurde der Marktanteil auf über 10 Prozent ausgebaut. In diesem Bereich sei Infineon seit vier Jahren bereits Nummer Eins am Markt. Auch bei Halbleitern für die Auto-Industrie sei Infineon nun Weltmarktführer mit einem Marktanteil von 9 Prozent. Das strikte Kostenmanagement habe zur Verbesserung der Position beigetragen.

Zur Abdeckung des Bedarfs braucht Infineon wieder mehr Mitarbeiter: So wird sowohl bei der Stammmannschaft als auch bei den Leiharbeitern wieder aufgestockt. Für das Stammpersonal werden Fachkräfte mit technischen Studien wie Elektrotechnik, Physik und Chemie sowie technisches Marketing und Application-Engineering gesucht. Von den 150 nun wieder neu geschaffenen Arbeitsplätzen seien bisher 80 nicht besetzt, was auch am Mangel an technischen Absolventen, insbesondere Frauen, in Österreich zurückzuführen sei. "Wir fischen weltweit", meinte Kircher-Kohl zur Personalpolitik des Unternehmens, wichtig sei es, den Zuzug von hochqualifizierten Mitarbeitern nicht durch Hürden wie Deutschtests für Familienangehörige etc. zu bremsen. Zusätzlich zum Aufstocken beim Stammpersonal werden nun auch 250 Zeitarbeiter aufgebaut.

Kurzarbeit und freiwilliger Gehaltsverzicht

Durch die Krise wurden in Summe 400 Jobs im Stammpersonal und 200 bei den Leasing-Kräften abgebaut, weiters wurde Kurzarbeit und freiwilliger Gehaltsverzicht ("unpaid leave") ab einer gewissen Gehaltsebene und im Management eingesetzt. Die Kurzarbeit konnte früher als geplant vergangenen Herbst beendet werden. Zur umfassenden Krisen-Bewältigungsstrategie gehörte auch die zeitweise Entsendung von Nachwuchstalenten direkt zu Kunden in Asien, was sich auf die Aufträge sehr positiv ausgewirkt habe, schilderte Kircher-Kohl. Die Stammmannschaft in Österreich umfasst derzeit etwa 2.600 Leute. Die 450 heuer angebotenen Sommerjobs- und -Praktika seien alle besetzt, die Bewerbungsfrist endete bereits im Februar.

Die Zukunft von wichtigen Industriesparten Europas wie der Mikroelektronik, von der EU als Schlüsseltechnologie für Europa definiert, sollte auch durch die Beibehaltung der Standorte gesichert werden: In Europa müssten die Produktionsstandorte gehalten werden, eine totale Verlagerung der Produktion nach Asien würde in wenigen Jahren auch das Ende der Forschung in Europa bedeuten, appelliert Kircher-Kohl. In Villach will Infineon als Innovationsstandort bestehen, wo Forschung, Entwicklung und Produktion ineinander greifen und neue Materialien, Verfahren und Modelle direkt entwickelt werden können.

Die Politik sollte am Weg aus der Krise nicht am falschen Ende sparen, appelliert die Vorstandschefin: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollten angehoben werden, eine Kürzung wäre ein "furchtbares Signal". Das FFG-Budget (Forschungsförderungsgesellschaft) müsste pro Jahr um 8 Prozent gesteigert werden, um die F&E-Ziele zu erreichen. Die Probleme in Kärnten hätten zu einem Imageschaden für das Bundesland geführt, der auch an Infineon nicht spurlos vorbeigegangen sei. Finanziell gebe es aber bisher keine Signale, dass Anschlussförderungen des Landes Kärnten für vom Bund bzw. von der EU mitfinanzierte Förderungen zurückgezogen würden. (APA)

 

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