Auf Facebook und Co suchen Banken neue Freunde

19. Mai 2010, 17:23
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Gezwitscher vom Giebelkreuz oder Urlaub mit dem Sparefroh: Das Mitmach-Web ist für Banken ein Weg, um mit ihrer jungen Zielgruppen zu kommunizieren

An Web-2.0-Strategien und Apps wird eifrig getüftelt.

Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook sind Plattformen, an denen auch Banken nicht mehr vorbeikommen. Als "Fußgänger im Internet" bezeichnet Matthias Kröner, Chef der Online-Bank Fidor, diese Netzwerke. Und für Marketing-Experten ist laut eines Berichts von Emotion Banking längst klar, dass das Web 2.0 und die Online-Communities die Zukunft der Kundenbeziehungen revolutionieren werden.

Für Banken ist die Online-Präsenz ein Brückenschlag zwischen seriösem Auftreten und einer coolen Präsenz im Mitmach-Web. Daher wird aktive Werbung meist vermieden. Heimische Großbanken "twittern" aber doch einiges:

  • Bank Austria: Die zur italienischen UniCredit gehörende Bank arbeitet gerade an ihrer Web-2.0-Strategie. In Twitter werden Neuigkeiten rund um die Bank, Innovationen und Angebote angekündigt. In Facebook gibt es drei Zielgruppen-Plattformen: Megacard, Mailer und Take a ticket. Auf den Profilen Megacard und Mailer wird zielgruppengerecht über Trends, Promotions, Veranstaltungen, Tickets und Konzerte berichtet – mit Links und Videos. Take a ticket richtet sich an die Sportfreunde – Gewinnspiele und Liveberichterstattung über die Uefa-Champions-League sind verfügbar. Auf einem eigenen Bank-Profil stellt das Institut via Facebook auch Interviews ins Netz. Banking am Handy ist seit 2004 im Einsatz. Mittlerweile können auf allen Smartphones gewöhnliche Bankgeschäfte durchgeführt werden.
  • Bawag: Die vom US-Fonds Cerberus geführte Bank hat einen spielerischen Zugang zu Facebook gewählt und eine Jugendkampagne online gestellt. Burschen und Mädels können in virtuellen sportlichen Challenges gegeneinander antreten. Die Gewinne gehen an eine Charity-Institution, die wiederum von den Usern ausgesucht wird. Twitter ist nicht im Einsatz, andere Plattformen – wie etwa Xing – werden informell genutzt.
  • Erste Bank: "Als Unternehmen muss man auch in sozialen Netzwerken präsent sein" , heißt es aus der Erste Bank. Einen Kanal für Werbung oder Produktvertrieb sieht man im Web 2.0. aber nicht. "Das wäre nicht seriös" , sagt ein Sprecher. Die Bank ist sowohl in Facebook als auch in Twitter aktiv – verbreitet werden Informationen, wie etwa der Link zur aktuellen Bilanz. Der Sparefroh – das Maskottchen der Erste Bank – hat sein eigenes Facebook-Profil und "zwitschert" . Er informiert über Service-Leistungen – aber auch über seine Erlebnisse im Urlaub. Eigene Apps werden überlegt – etwa für Informationen oder Transaktionen. Auch die Homepage soll demnächst voll Smartphone-tauglich sein.
  • Raiffeisen: Das Social Web ist auch im Raiffeisen-Konzern Thema. Ein einheitliches Konzept gibt es aber nicht. Die Landesbanken agieren individuell. Einige twittern, andere nicht. Der Raiffeisen-Club hat eine Community in Facebook, die über Aktivitäten und Veranstaltungen des Clubs informiert. Strikt vermieden werden in Twitter und Co Angebote für den Kauf eines Produktes. Auf Youtube werden Castings veranstaltet – auch Werbespots oder Beiträge von Sportlern, die mit Raiffeisen einen Sponsorvertrag haben, stehen zur Verfügung. Eigene Apps gibt es momentan noch nicht.
  • Volksbank/ÖVAG: Als "zielgruppenspezifische Kommunikation" wird das Internet auch in der ÖVAG genutzt – auch Werbung wird auf diesem Vertriebskanal verbreitet. Eine eigenes Facebook-Profil gibt es noch nicht, Überlegungen dazu werden aber angestellt, heißt es. Auch an eigenen ÖVAG-Apps für die Smartphones wird gearbeitet.

Für die Banken wird der Einsatz – aber vor allem die Beobachtung – von sozialen Netzwerken immer wichtiger. Denn Informationen werden über soziale Netzwerke viel schneller verbreitet als via E-Mail. Der Markt lernt voneinander. Kunden tauschen sich mit Bekannten aus, egal ob es sich dabei um "Freunde" oder um virtuelle Bekanntschaften handelt. Gute Tipps machen die Runde. Die kollektive Intelligenz ist höher als jene des Bankberaters – so die Conclusio des Bankberaters Emotion Banking. Somit wird der Kunde auch zum digitalen König. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2010)

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