Neubau: In "Boboville" braucht man keine Ampeln

Teresa Eder, 21. Mai 2010, 06:21
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    foto: apa/leopold museum wien

    Des "Bobos" liebster Platz zum Abhängen: Das Museumsquartier und seine Enzis.

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    foto: screenshot/wien.gv.at
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    foto: apa/pfarrhofer

    Ein Bild aus alten Tagen: Blimlinger bei der letzten Wien-Wahl 2005 mit Maria Vassilakou und Alexander van der Bellen.

Im jung-studentischen siebenten Bezirk haben die Grünen politisch die Nase vorne

Im siebenten Wiener Gemeindebezirk scheint die Welt noch in Ordnung. Hier wird in der Bezirksvertretungssitzung nicht darüber diskutiert, wo die nächste Ampel errichtet wird, sondern ganz im Gegenteil: ob die Bevölkerung nicht selbstständig fähig ist miteinander zu kommunizieren und entsprechende Verkehrszeichen deshalb abgebaut werden sollen. "Shared Space - StraßeFairTeilen" nennt sich das Konzept, das Bezirksvorsteher Bliminger auf einem 300 Meter langem Abschnitt zwischen Zieglergasse und Neubaugasse einführen will. Frei nach dem Prinzip, dass verkehrsregelfreie Räume, wie etwa ein Eislaufplatz, zu vermehrten Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer führen.

Zwischen MQ und Urban-Loritz-Platz

Dass in Wien-Neubau Fahrradplätze, Mädchencafes und Fledermauskästen auf der politischen Agenda stehen, und nicht die Reibereien zwischen den "echten" Wienern und den Zugezogenen oder der Anstieg von Kriminalität, ist auch der Zusammensetzung der Bevölkerung geschuldet. Der siebente Bezirk - Zweitname: "Boboville" - hat es geschafft zum Hauptansiedlungsgebiet der sogenannten "Bobos" (Bourgeois Bohemians) zu werden. Zwischen Museumsquartier, Spittelberg, Neubaugasse und Urban-Loritz-Platz fühlen sich die jungen Kreativen, Selbstständigen und Studierenden offensichtlich am wohlsten: inmitten von Szene-Lokalen, Architekturbüros, Jungdesignerboutiquen, Theater und nicht zuletzt dem Museumsquartier.

Ungefähr 30.000 Einwohner hat der - zumindest was die Parkanlagen und Grünflächen betrifft - gar nicht so grüne Bezirk. Mit 23,6 Prozent liegt der Ausländeranteil über dem Wiener Durchschnitt. Auch der Anteil der 20 bis 39-Jährigen unter der Bevölkerung ist größer als im Rest von Wien und belegt den Ruf, dass Neubau Anziehungspunkt für Künstler, Jungunternehmer und Studierende ist.

Grüne Wählerhochburg

Politisch drückt sich das auch in der grünen Bezirksvertretung aus. Vor der derzeitigen grünen Vorherrschaft stellte die ÖVP bis Anfang der 90er-Jahre den Bezirksvorsteher, darauf folgten zwei Amtsperioden unter SPÖ-Führung. Seit 2001 ist der Grüne Thomas Blimlinger Bezirksvorstand von Neubau. Seine politischen Mitbewerber sind Husty Rainer (SPÖ), Fritz Aichinger (ÖVP) und Bernhard Rösch (FPÖ).

Im Jahr 2005 durften die Grünen hier einen ihrer seltenen Wahlerfolge einfahren: Die Stimmenanzahl konnte mit einem Plus von rund zehn Prozent auf 43,26 Prozent gesteigert werden. Die SPÖ musste hingegen mit rund 27,5 Prozent Vorlieb nehmen, die ÖVP mit 18 Prozent. Die Wählerstimmen der FPÖ halbierten sich und liegen bei sieben Prozent. Fahren die Grünen auch landesweit meistens Niederlagen ein, so können sie sich also doch einstweilen noch auf ihre Wählerhochburg verlassen. Nicht ohne Grund befindet sich hier auch das Landesbüro der Wiener Grünen - das sogenannte "Grüne Haus".

Indirekte politische Konkurrenz gibt es hier nur durch das österreichische Staatsoberhaupt. Bundespräsident Heinz Fischer sollte jedenfalls eine Verlegung seiner Residenz in den Nachbarbezirk erwägen, hat er doch bei Bundespräsidentenwahl in Neubau mehr Stimmen (88,6 Prozent) erhalten als in der Josefstadt (86,46 Prozent).

Überdurchschnittlich hoher Ausländeranteil

Dass Bezirksvorsteher Blimlinger mit unkonventionellen Ideen wie "Shared Space" den siebten Bezirk verändern will, ließ er schon 2005 nach dem großen Wahlerfolg anklingen, als er von den Widersprüchen in einem dichtverbauten Innenbezirk sprach, die es aufzulösen gelte: "Neue Formen der BürgerInnenbeteiligung sind dabei selbstverständlich." Dass er damit die Selbstermächtigung der Bevölkerung zu Verkehrsreglern meinte, wusste damals freilich noch niemand.  (edt/derStandard.at, 20.05.2010)

Infos zum Bezirk:

Wahlberechtigte bei der Gemeinderatswahl 2005: 20.546

Bezirksvorsteher: Thomas Blimlinger (Grüne)

Bezirksvertretung (in Mandaten): 18 Grüne, 12 SPÖ, 7 ÖVP, 3 FPÖ

Kommentar posten
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Dr. Nick Riviera
15
24.7.2010, 18:58
Bobos sind einfach nur peinlich

blickwinkel101
 
13
10.7.2010, 10:28
überbewertet

ich denke der 7. wird überbewertet. die grünen können auch nichts dagegen tun, dass die neustiftgasse, burggasse usw laute, stinkende durchzugsstrassen sind.
In den seitengassen findet man oft schöne anblicke, ist aber in anderen bezirken auch so.
http://www.wohneninwien.at/fotos/ind... .php?cat=5

Rubens Dabro
42
I LOVE BOBOVILLE

brechmittelderrechten-juckreizderlinken
35
29.5.2010, 03:24
das beste am 7ten

is des "voodoo" nahezu stabile preispolitik beim weissen spritzer seit ueber 10 jahren :-)

Hofmarschall
12
27.6.2010, 14:59
Typisch. Eines von vielen Depperllokalen im 7. und auch noch beliebt. Hahahaha.

Genauso wie es noch 2 Depperllokale in der Kaiserstr. gibt, wo die Leute nur zum Saufen hingehen. Geschäfte gehen aber auch schon schlecht da die Kundschaft weniger wird.

The Dude
30
23.7.2010, 13:19

Bleib halt draußen und alle sind zufrieden.

Nissia
34
16.6.2010, 07:33

nach der tabakprohibition, kommt die alkoholprohibition www.alkoholpolitik.ch : und baba colles neubu. baba beisl- und szenelokalkultur.

Miss Spock
01
" Centimeter " - oder " Burgermeister " ...

Thomas Blimlinger
21
30.5.2010, 22:16
genau...

voodoo - so gar net bobo;:)

Nissia
63
16.6.2010, 07:21
ab 1. Juli, beislsterben und denunziationspolitik in Neubau

Lieber Thomas Blimlinger

immer wieder erfreust Du Dich (mit Stolz) der vielfalt der freien gastronomie im 7. bezirk.

Ab 1. Juli, werden Konkurse, denunziationen und verfassungsklagen beginnen sich zu häufen:

hast Du ein Projekt um die Neubauer Gastronomie und das Sozilalleben der NeubauerInnen zu schützen, bzw. zu retten?

Hast Du die freiwilligen Nichtraucherlokale gewarnt, sie müssen nun hart um ihre Nische kämpfen?

Wie Du weißt, folgt gleich - im selben artikel 168VAEU im EU-Reformvertrag auch die Alkoholprohition. www.alkoholpolitik.ch

Wie hast Du das gedacht zu bekämpfen?

Mein vorschlag:
- die bezirksvertretung bietet eine rechtsberatung und ein einspruchsformular im falle einer denunziation an.
- Die Bezirksvertretung engagiert sich damit die Pharmaindustrie für den Umbau aufkommt, den sie von den Nahversorfgern fordert um ihre produkte, mittels verderben des lebens der tabakkonsumentInnen und ihrer begleitung zu verkaufen.
- Du als Bezirksvorsteher sprichst Dich öffentlich und konsequent gegen jegliche Denunziationskultur aus.
- Du veröffentlichst die Konkursstatistiken in den Verbotsländern (in UK: gehen im Schnitt 52 Pubs seit 1. Juli 2007 ein. (Der widerstand gewinnt auch im parlamant immer mehr an einfluß und aktivität)

Wo anders gibt es keine totalprohibition, doch jeder verlorene gastplatz bringt einbusse mit sich.

- Du warnst die menschen über die tödlichen Gefahren vom Champix und Zyban um leben zu retten.
Was meinst Du ?

roflcopter
02

jaja, die pöse pharmaindustrie...
aber die tabakindustrie, das sind ja die guten... lol

brechmittelderrechten-juckreizderlinken
11
sind

die jetz da auch schon ???

dejanowitsch
11
Das Böse ist immer und überall!

Erste allgemeine Verunsicherung kennst Du das nicht?
Natürlich gibt es im Centimeter Strache Auftritte, war selbst dabei und habe genossen was der für einen Schei.. erzählt!
Wunderbar und unübertroffen, besser als der Münchhausen in dem Buch das wir als Kind schon kannten!
Wäre eine gute Lektüre für alle die ihm glauben!

und ewig hirschet dem troll
06
28.5.2010, 00:14
fluxus

mein grossvater war ja auch ein zuagraster damals, der mehr tschechisch als deutsch konnte.
und von daher bin ich auch einer, in 3. generation.

wohne seit mehr als 23 jahren im 7. und da war nix bobomaessig damals. ganz normal.

aber die zuagrasten von heute, die glauben sie sin' was grossartigeres als die grosseltern,
weil sie keinen kuhdreck mehr zwischen den zehen wegwischen muessen, die sind echt muehsam.
dieser haufen von moechtegerns hats schwer heutzutage.
ABER FAST ALLE HABEN ES SCHWER !! heutzutage.
DIE ZEITEN sind halt beschissen.
da kann kein fairtrade-siegl drüber hinweghelfen. langfristig.
nur mehr authentizitaet. weniger einbildung. kein komsumidiotismus.

.

Warpsignatur
01
27.5.2010, 21:33

das einzig gute im 7. ist das "longtone". ansonsten kann man sich von dort fernhalten...

archimed
13
27.5.2010, 20:25
fair-trade-bezirk

der siebente bezirk und die grünen stengen sich an, ein fair-trade bezik auf allen gebieten zu werden.
das finde ich gut.
fair trade in den geschäften (ausgenommen mh-street und die großen supermarktketten) und auf den strassen. autofahren beginnen die fußgänger und radfahrer zu akzeptieren.
radwege können noch verbesseert werden, mehr grün kann auch nie schaden.
alles in allem ein lebenswerter bezirk inmitten der stadt und damit ein vorbild für andere.

selva specht
35
27.5.2010, 15:27
bobo bezirk

im 7. war es schon einmal besser zu leben, als es jetzt der Fall ist. Inzwischen haben jene, die sich nicht zu den bobos zählen und auch nicht deren lokale bevölkern wollen, kaum mehr ihren platz. Schade, denn die vielfalt der Bevölkerung wird nur mehr von der einfalt der bobos dominiert. ich hoffe schwer, dass sich das wieder ändert.

knackwurst
22

selten so einen schwachsinn gelesen. nehmen sie die scheuklappen runter, dann würden sie auch sehen können, dass es im 7. tatsächlich eine ziemlich bunte vielfalt gibt, so bald man sich traut, von den bobo-hochburgen wegzubewegen - aber die machen eben auch EINEN teil der vielfalt aus

Mercutcio
 
12
26.5.2010, 22:02
3 Videos...

... die das Phänomen Bobo ziemlich gut auf den Punkt bringen:

Zuerst eine durchaus selbstkritische Hommage eines französischen Liedermachers:
http://www.youtube.com/watch?v=C_BaVBH-G_k

Weiters ein älterer PulsTV-Bericht der das Skurrile der "Gattung Bobo" ziemlich gut Ausdruck verleiht:
http://www.youtube.com/watch?v=OKWv0Zyr1zE

Und zuletzt ein guter, alter Tocotronic-Klassiker, der die Antipathie vieler Linker ziemlich gut auf den Punkt bringt:
http://www.youtube.com/watch?v=vll0oyyXjcU

chilli p.
11
27.5.2010, 09:05

dazu fällt mir nur ein: journalisten-bullshit.

Mercutcio
 
11
26.5.2010, 22:06
Korrektur Toco:

Gemeint war natürlich folgender Titel (wobei es letzterer durchaus auch auf den Punkt bringen kann):
http://www.youtube.com/watch?v=rbWfBGfgoFo

rorschach
22
25.5.2010, 21:26
eigentlich witzig

wie sich manche vom 7ten Bezirk bzw. dessen Bewohnern und innen so bedroht fühlen und zwar weil sie adidas tragen und brunchen gehen (selbstverständlich alle und natürlich die ganze Zeit und immer sowieso)

epep
12
26.5.2010, 09:41
gehns bitte, das hör ich immer als argument.. "weil sie adidas tragen"..

ich wohn in einer der aussenbezirken und dort trag jeder und jede zweite adidas. ich hab schon als kleiner bua in der stettn adidas getragen.

also was bilden sich die bobos ein zu glauben, weil sie adidas tragen, heben sie sich von den bewohnerInnen der aussenbezirken ab? ich glaub da spielt viel einbildung mit.. ;-)

alessandro di aqua
01
24.6.2010, 08:47
geh bitte

mit adidas hebt man sich doch schon lange nicht mehr ab, dolce & gabbana sneakers, that´s a must !

die Oma
00
26.5.2010, 20:31
aber die

tragen adidas originals!

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