Eigengeschichten

APA-Kuchen und selbstgebackene Törtchen

Astrid Ebenführer, 19. Mai 2010, 13:13

Über das Verhältnis von APA-Texten und Eigengeschichten auf derStandard.at

"Artikel, die sich selber backen" lautet der Titel eines Blogeintrags auf kobuk.at über die "APA-Backstube". Autorin Strenzi Meisel schreibt dort über das einfache Rezept "Copy and Paste" und wie daraus viele "identische APA-Törtchen" werden. Auch wir werden immer wieder dafür kritisiert, dass auf unserer Seite zuviele APA-Artikel zu lesen sind, beziehungsweise Meldungen der Nachrichtenagenturen 1:1 übernommen werden.

Unter dem Artikel "Paid Content: Wir tun es nicht" postet zum Beispiel "Belze Bub": "ja klar, wenn 60% der inhalte apa-copy-paste sind und man mainstream - nicht böse gemeint, aber es ist halt so - anbietet kann man es sich bestimmt nicht leisten paid content anzubieten". Auch "xEurocent" meint: "Natürlich werden sie sich (Anm: Paid Content-Modelle) durchsetzen, aber halt nicht bei einer Mainstream-APA-Meldung-Kopier-Seite wie derStandard.at. (Was jetzt gar nicht negativ gemeint ist, sondern nur als objektive Beschreibung dieser Seite die ich gerne und täglich nutze.)". Und "Ora 600" schreibt: "ich würde ein paar euro entbehren wenn sich dann die 1:1 abgeschriebenen apa artikel verflüchtigen würden. wenn man dann noch etwas eigene recherche dazufügt, waers auch kein fehler".

Medien sind auch auf Nachrichtenagenturen angewiesen. Ohne APA- oder Reuters-Meldungen könnten wir Ihnen aktuelle Informationen nicht in der Form anbieten, wie wir es derzeit tun. Es gehört auch zum journalistischen Handwerk, Informationen der Nachrichtenagenturen zu filtern und jene Meldungen auszuwählen, die wir für unsere UserInnen relevant finden. Und das betrifft nicht nur Online-Nachrichtenseiten, auch Print- oder TV-Medien arbeiten mit Agenturmeldungen.

Aber natürlich wollen wir den Anteil an Eigengeschichten permanent weiter ausbauen. Das tun wir auch, wie unsere Quellen-Statistik - die Zahlen beziehen sich auf die ersten vier Monate 2010 - zeigt: 26,8 Prozent aller Meldungen auf derStandard.at sind eigenrecherchierte, von der Online-Redaktion geschriebene Artikel (gegenüber 24,6 Prozent im Jahr 2009), 46,8 Prozent basieren auf Nachrichtenagenturen (2009: 49,3 Prozent) und 26,4 Prozent wurden vom Print-STANDARD übernommen (gegenüber 26,1 Prozent im vergangenen Jahr).

An dieser Stelle ein Hinweis auf einige aktuelle Eigengeschichten von derStandard.at:

Assistenzeinsatz live: Embedded in Loipersbach

Ansichtssache: Tram auf Öko-Kurs

Brasilien-Blog: Flexibilität, Autonomie und Limit

Nicht nur Schüler "schwänzen" Schule

Kommentar: Etappensieg der Vernunft

Pirate Bay an Filmlobby: "Ihr kriegt uns nie!"

"Hypochonder steigern Urangst ins Ungesunde"

Fernsehauge: Maus oder Fernbedienung?


Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
dieDenker.org/oberdenker
00
24.5.2010, 14:45
Medieneinfalt

Die Meldungen und Artikel von Nachrichtenagenturen sind natürlich nicht zwangsläufig schlechter als selbstrecherchierte und -geschriebene Meldungen und Artikel, jedoch zeigt ein Blick in verschiedene Tageszeitungen, dass die Meldungen und Informationen dazu oft sehr ähnlich sind (was auch verständlich ist, da kommerzielle Zeitungen - im Unterschied zu privat organisierten Informationsseiten wie dieDenker.org*Werbung* - mit beschränkten Mitarbeiterressourcen viel Inhalt und Text liefern müssen). Und mehr Meldungs- und Informationsvielfalt (v.a. mehr positive Meldungen und Informationen!) wäre wahrscheinlich im Sinne einer besseren Informiertheit und dadurch besserer individueller und kollektiver Entscheidungen.

Name d. Red. bekannt
03
22.5.2010, 01:36

eins nicht vergessen: zu 75% machen wir leser uns diese seite durch die posterei selber, der meist content ist user-generiert. ein dank ist fällig

U-Bahn Steuer
00
25.5.2010, 15:01

geld wäre mir dank genug!

pippi langstrumpf
01
20.5.2010, 12:48
verleger knausern

von einem echtzeit-onlinemedium wie sich derstandard.at selbst definiert erwarte ich mir keine selbsgeschriebenen berichte. aktualität in verbindung mit seriosität ist schwierig. kritisch zu sein sollte IMMER möglich sein. dazu braucht es qualität im journalismus, gut ausbegildete redakteure in fairen dienstverhältnissen. solange hier eingespart wird, gibt es auch keine kritische, sorgfältige berichterstattung im onlinemedium.

leider merke ich auch in der täglichen printausgabe wenig herzblut bei den meldungen, die tw. nur von der APA übernommen werden. online&echtzeit okay, aber print sollte sich etwas mehr zeit gönnen. oder liegt das an den einsparungen im personal. wenig redakteure bedeutet weniger zeit für eigenrecherchiertes.

theEdge
 
02
20.5.2010, 12:24

Mir ists ja wurscht, ob die Meldung von der APA ist, oder nicht. Ich find den Standard super als eine Sammlung von Meldungen von verschiedenen Agenturen.

Was ich aber nicht leiden kann, sind Meldungen, die 1:1 übernommen werden, wenn sie ganz offensichtlich Rechtschreib- und Logikfehler enthalten. Denn das fällt jedem auf.
Welchen Nachrichtenwert hat eine Agenturmeldung, wenn der Inhalt sich innerhalb von wenigen Sätzen widerspricht oder völlig irrationale Zahlenwerte angibt? Da kann ich auch gleich drauf verzichten, denn schlauer oder informierter bin ich nacher nicht.

Ava Tar
22
20.5.2010, 10:52
APA = trocken Brot

und somit bestenfalls eine Basis. Eine "Qualitäts"zeitung "für Leser", "für intelligente Leser" müßte nun dieses trocken Brot
- überprüfen
- mit Schinken und Käs belegen
- und bei Schimmelbefall dumpen

Das bedeutet: 3-4 Stunden täglich MINDESTENS
- aus Begeisterung
- aus Interesse
Internetrecherche: Originaldokumente, Blogs, Hintergründe

Wer zu Redaktionsschluß den Bleistift fallen läßt, ist kein Journalist

"Wissen zu wollen" muß man LEBEN

Robert Hochner war so gut, weil er sein Leben im Café Central verbracht hat: er war Informationsknotenpunkt

Heute schreiben im Netz Pullitzerpreisträger, aktive und pensionierte PROFI-Journalisten, gratis, aus Interesse - und bei den Presse"agenturen" oft Praktikanten und vergleichsweise Amateuere

politisch verfolgt
02
20.5.2010, 12:25
apropos leben

gestehen sie journalisten ein solches außerhalb der redaktion nicht zu? wie zieht man kinder auf, wenn man den ganzen tag und auch noch weit bis nach redaktionsschluß im kaffeehaus sitzt?

zum "trockenen brot": da haben sie prinzipiell recht, würde ich meinen, allerdings: bei allem, was sie da verlangen, sollten sie auch bereit zu sein, dafür zu bezahlen. was nix kost is nix wert, oder?

Martin Marcher
00

Ich denke nicht das es darum geht kein Leben mehr zu haben.

Viel mehr geht es darum den Beruf nicht deswegen auszuüben weil man halt das Geld braucht, sondern eben den Beruf auszuüben den man wirklich mag. Dann ist es oft schon genug das was man gerne macht auch wirklich durchzuziehen und schon entspricht man dem oben genannten.

Das "Hobby zum Beruf machen" also.

Martin -- der nicht verstehen kann wieso man arbeiten "muss" und nicht "will" (aus Freude an der Tätigkeit).

Ab Null Euro
07
20.5.2010, 10:34
Tips an die Redaktion

1. APA Meldung lesen.

2. Rechtschreibfehler ausbessern.

3. APA Meldung nochmal lesen.

4. Wenn darin seltene, möglicherweise mißverständliche Wörter enthalten sind, diese ersetzen oder erklären.

5. Wenn Zahlen oder %-Angaben enthalten sind - höchste Gefahr. Auf Plausibilität prüfen!! Beliebter Fehler: engl. "billions".

6. Hinterfragen! Kann die Meldung stimmen, wer könnte Intersse haben, dass sie veröffentlicht wird. Ist es ein Gerücht oder eine Tatsache? Sind die Quellen vertrauenswürdig?

7. Ggf. nachrecherchieren. Ich weiß, das ist mühsam, der Chef verlangt einen schnellen Artikel. Aber ein Telephonat geht sich immer aus.

8. Dann erst freischalten!

Danke.

Anyuser
 
01
26.5.2010, 18:35

Ein frisches Beispiel für Punkt 5: http://derstandard.at/127137753... ika-Srpska

mariza
11
25.5.2010, 23:18
Und bitte bei...

... bundesdeutschen agenturmeldungen vielleicht auch noch die paar begriffe austrifizieren, die mir beim lesen regelmäßig den magen umdrehen ("lecker", "junge", etc.). danke!

Belze Bub
01
20.5.2010, 10:23
oh yeah!

ich bin berühmt! ich bin so gscheit! endlich der beweiß!

norman m.
02
20.5.2010, 11:57
"Beweiß" tut mir...

...an den Zähnen weh.

LtCdr Data
00
20.5.2010, 02:34
Abschreiben von der APA

Wie viele Medien unreflektiert APA-Meldungen übernehmen, auch wenn diese ziemlich falsch sind, habe ich anhand einer Meldung über den Frühlingsbeginn beobachtet:
http://imrich.net/2010/03/z... ngsbeginn/

Christiane Amanpour
 
02
19.5.2010, 23:52
Copy and paste

Das ist eine der ärgerlichen, selbst formulierten Phrasen, die ich als Beispiel mit c&p hierher stelle:

Hinter der wie eine Wüstenlandschaft anmutenden Großbaustelle ist der derzeitige Ostbahnhof-Provisorium zu sehen

(Unterschrift zu Bild 10 der Bilderserie über den neuen Wiener Hauptbahnhof)

Und das ist das Problem, zuwenig Handwerk, Hirn und sprachliche Kompetenz.

Christiane Amanpour
 
01
19.5.2010, 23:15
Es geht um Ideen, Hirn und Sprache

Niemand hat etwas gegen 26,8 % gute "eigenrecherchierte" Artikel (wahrscheinlich sind SELBST RECHERCHIERTE damit gemeint) & auch nicht gegen die Übernahme von 46,8 % gescheiten APA-Meldungen.

Das Problem ist, dass viele APA-Meldungen einfach nicht durchgelesen & korrigiert werden (Rechtschreibung). Kaum jemand macht sich die Mühe, Querverbindungen herzustellen & noch andere Agenturmeldungen zu verwenden, um die Nachrichten zielgruppengerecht aufzubereiten. Außer englischsprachigen Quellen wird kein fremdsprachiges Material berücksichtigt.

Resultat ist dieser "Flutsch", dieser oberflächliche & sprachlich nicht griffige Journalismus, der Mangel an Witz und Ideen. Erst die Postings liefern oft den Kern der Sache und den Spass dazu.

kingkade21
01
20.5.2010, 10:16
richtig

Liest man beispielsweise Standard und Kurier online, dann fällt auf:

- Eine ganze Menge von Artikeln sind fast wortident
- Die Anzahl der Rechtschreibfehler ist hoch

Das ist ein typisches Merkmal der heutigen Arbeitsweise, die - basierend auf Zeit- und Kostendruck - einen enormen quantitativen Output produziert, aber qualitativ immer mehr abbaut.

"Gut Ding braucht Weile" - Der Spruch stimmt einfach.

Zum "Gratis"-Angebot: Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Online-Standard mit seiner Werbefinanzierung nicht zumindest kostendeckend produziert wird. Und der Grund, warum nicht auf paid content umgestellt wird, liegt wohl darin, dass niemand dafür zahlen würde.

Abschließend trotzdem ein großes Kompliment für den Online-Standard!

ernst thaelmann1
00
19.5.2010, 22:29

die apa nhl berichte sollte man sich ersparen. die strotzen vor fehlern und werden meist ohne korrekturlesen von der redaktion übernommen. sowas ist peinlich, oder was ist so schwer sich selber die nhl.com artikel zu übersetzen?

H. Fahrnberger
00
19.5.2010, 20:51
Redaktion derStandard.at/Etat
12
19.5.2010, 21:45
Wie kommen Sie darauf ...

... dass wir "zerknirscht" sind? Sind wir nicht. Mir ging es darum, das Verhältnis APA-Texte/Eigengeschichten auf derStandard.at transparent zu machen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. LG, Astrid Ebenführer

Anyuser
 
00
26.5.2010, 18:36

Ein bisschen Zerknirschtheit wäre vielleicht nicht schlecht. Könnte positive Veränderungen anstoßen (falls das gewünscht ist).

H. Fahrnberger
01
19.5.2010, 22:13

Das "zerknirscht" ist lediglich Interpretation, also zwischen den Zeilen gelesen. Aber ich nehme zur Kenntnis, dass Sie das nicht zwischen den Zeilen geschrieben haben.

Bharat J. Kulamarva
 
014
19.5.2010, 18:56
nix verstanden

Liebe DS-Redaktion,
Es geht nicht um den Eigengeschichtenanteil.

Kein vernünftiger Mensch wird einer Zeitung die Arbeit mit Agenturmeldungen, Presseaussendungen etc. vorwerfen, wie ja auch keiner seinem Greisler vorwirft, er kaufe die Äpfel beim Großhändler statt sie selbst anzubauen.
Wenn jedoch wurmstichige Äpfel im Regal landen, ist das dem Greisler sehr wohl vorwerfbar. Denn es wäre seine Aufgabe die übernommenen Äpfel zu prüfen.

Irritation bei Leserin und Leser ensteht nicht durch die Flut an APA-Meldungen in den Tageszeitungen, sondern durch deren unkontrollierte Übernahme, speziell in einer Zeit, in der die Verifikation einer Meldung oft nur wenige Minuten dauert und (halbwegs) korrekte Orthographie nur eines Tastendrucks bedarf.

Heimwerkerkönig
 
10
19.5.2010, 18:35
APA, AP, Reuters, DPA

= Meinungsoligarchie

Dante Alighieri
00
28.5.2010, 20:19

Sie können ja stattdessen ruhig rechtsextreme Außenseiterblogs konsultieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.