Muskelkraft und Schweiß-Zuschlag

18. Mai 2010 19:40
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    Foto: der standard/maria sterkl

    Die "Heavy Pedals" im Einsatz mit schwerem Gerät. "MCS Truck" ...

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    ... und "Bullit" heißen die Velos. Beide können mit bis zu 100 Kilogramm beladen werden.

In Wien kann man sich Möbel oder gleich den ganzen Hausrat per Lastenrad liefern lassen - Vorteil: Kein Stoßverkehr und keine Parkplatznot

Wer schon einmal selbst Möbel transportiert hat, kennt das Problem: Das Schwergewicht wird mit Müh und Not im Kofferraum verstaut, die Fahrt ist zäh, und am Zielort ist dann kein Parkplatz frei. Dieses Manko freut die Firmengründer von "Heavy Pedals", Wiens erstem deklarierten Lastenrad-Botendienst.

Denn mit dem Zweirad-Schwertransporter lasse sich die Ware "von Haustür zu Haustür liefern - ohne Stau, ohne Parkplatzsuche", sagt Wolfgang Höfler, Mit-Gründer der Heavy Pedals. Bis zu hundert Kilo befördern Höfler und Co auf ihren Zwei- und Dreirädern. Seit der Firmengründung im Oktober 2009 wurden schon ganze Wohnungsübersiedlungen per Lastenrad organisiert - wenn auch nicht aus Kosten-Nutzen-Überlegungen.

Letztere gäben jedoch den Ausschlag, wenn es um kleinere Lieferungen geht: Wer etwa, wie unlängst im Fall eines Kunden, neue Fliesen für die Küche brauche, sei mit dem Auto schlechter bedient als mit dem Lastenrad: Anstatt im Baumarkt auf das Fliesenpaket zu warten, "fahre ich mit dem Rad in die Lagerhalle und hebe die Fliesen direkt von der Stellage aufs Rad", sagt Höfler. "Die Angestellten schauen zwar ein bisserl komisch" - aber beschwert habe sich bisher niemand. Geliefert wurde direkt vor die Tür des Heimwerkers - Kostenpunkt: 30 Euro. Ein Betrag dieser Größenordnung sei für das Gros der Lastenradtransporte zu beanschlagen: Denn der Netto-Fixpreis einer Lieferung bis 60 Kilo liege bei 50 Euro pro Stunde. "In Wien kommt man in einer halben Stunde aber fast überall hin", sagt Florian Weber, Ko-Gründer der Heavy Pedals.

Das liegt daran, dass Lastenräder bei nicht allzu sperriger Beladung genauso breit sind wie normale Räder. "Wenn Autos im Stau stehen, fahren wir seitlich einfach vorbei", sagt Höfler. Für Lieferungen über 60 Kilo und steile Strecken - etwa auf den Wilhelminenberg - kommt ein Schweißzuschlag von 30 Prozent dazu.

Zurzeit bestehe der Mitarbeiter-Pool aus fünf Boten und Botinnen. Sie fahren prinzipiell auch bei Regen. Die Verantwortung für regensichere Verpackung liegt beim Kunden. Bei Schlechtwetter kann der Umzug auch kostenlos storniert werden. Dem bestellten Fahrer zahlt Heavy Pedals dann eine "Stornogebühr" - als Teil der Firmenphilosophie, und in Abgrenzung zur Konkurrenz.
Attraktiv für die Stadt

Eine Handvoll Fixkunden hat das Unternehmen bereits. Ein Kunstmagazin und eine Radlobby-Postille ließen sich regelmäßig per Velo ausliefern, und mit einem Eiswürfellieferanten sei man zurzeit im Gespräch. Ab Juni dürfte neue Arbeit auf die Pedals zukommen: Ein Wiener Biobäcker will einen Hauslieferservice anbieten - täglich von acht bis 20 Uhr.

Auch die Post setzt auf das Lastenrad. Rund 1000 Fahrräder sind zurzeit im Einsatz, ausschließlich im städtischen Raum, heißt es in der Zentrale. Die Modelle mit den massiven Transportkörben wurden eigens für die Post entworfen.

Dennoch ist das Lastenradgeschäft in Österreich eine Liebhaber-Nische. So steuert etwa ein Wiener Fensterputzer seine Kunden aus Überzeugung nur per Lastenrad an. Ansonsten bleibt das Auto Transportmittel Nummer eins. Das bestätigt auch Alfred Böröcz vom Lagerhaus Wiener Becken, der den Verkauf zweier Lastenradmodelle verantwortet: "Der Renner ist das nicht." Er verkaufe alle zwei Jahre ein Rad. Dabei sind Lastenräder schon ab 900 Euro zu haben - und das bei niedrigeren Servicekosten als beim Kfz.

Apropos Auto: Sollten mehr Firmen auf Radzustellung umsteigen, "dann wäre das auch für die Autofahrer super", ist Wolfgang Höfler überzeugt: "Lastenradfahrer blockieren nämlich nie die zweite Spur." (Maria Sterkl/DER STANDARD, Printausgabe, 19. Mai 2010)

Kommentar posten
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Briefmarkenkleber
24.05.2010 00:26
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Kürzlich umgezogen, Hr. Redakteur?

Franz Bauer8
20.05.2010 17:03
Gibt zur Zeit

auch eine Ausstellung in Wiens Einkaufszentren, bei der u.a. Lastenräder getestet werden können!
Termine und Infos auf http://www.wien.gv.at/stadtentw... index.html

JetztOderNIe
20.05.2010 00:48
Dazu ganz aktuell...

... ein Video auf http://wienTV.org auf dem eine Übersiedlung per Lastenrad zu sehen ist.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
19.05.2010 18:43
Wieviel Sprit

braucht der?

Der Blinde mit dem Seehund
19.05.2010 20:12
Fünf Bier die Stunde,

verbreitet daher mehr Methan und CO2 als den GrunenInnen recht ist.

lili II
13.08.2010 19:27

is aber kurzfristiger co2-kreislauf...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
19.05.2010 22:56
Die Strampler

schaun dermassen durstigen brauereirössern allerdings nur mit viel fantasie ähnlich ;)

Antonius Birnstingl
19.05.2010 16:35
Nette Geschichte...

Erinnert mich an meine Zeit bei VELOCE (1991, 1992). Die Funkgeräte haben wir immer beim Standard geparkt.
Linke Wienzeile, 2. Spur, Vollgas ;-)

clemens Novak
19.05.2010 13:00
Hoit

Der mit dem grünen Leiberl im Hintergrund ist ja der Alexander!

aufrecht gehendes schwein
24.05.2010 21:20
quatsch mit sosse!

...das ist doch der henning!

serialmum
19.05.2010 12:41

Fährt der Fensterputzer auch bei Regen, Kälte, Wind und Gatsch nach Rodaun oder Breitenlee?
Nein? Gut, dann er benützt die Öffis, auch da kann man sich auf dem Weg in diese Gegenden ganz schön den A*sch abfrieren.

Arthur Schopenhauer
 
19.05.2010 11:00
Diesen Freitag - gemeinsames Radeln in der Gruppe

Critical Mass

http://de.wikipedia.org/wiki/Crit... estform%29

Treffpunkt: 16:30 am Schwarzenbergplatz, Abfahrt um 17:00, wie immer pünktlich.

so go
19.05.2010 11:23
mali jan
19.05.2010 10:54
Dante Alighieri
19.05.2010 14:53

Aber ob man diese britischen Baguettes ohne Gefahr für die Geschmacksnerven essen kann?

Ruodlieb von der Vläntsch
19.05.2010 11:53

der brotausfahrer sitzt gern steil.

politisch-unkorrekt
19.05.2010 10:30
was für eine sensation! in kopenhagen ist das die regel,

die ausnahme liefert dort mit auto und lkw! guten morgen österreich.
ps: eine ausrede gibts: wien ist zum transportstrampeln zu hügelig

rorschach
19.05.2010 13:29
wie sie bereits selbst sagen

in kopenhagen ist sowas keine sensation - das in wien das lastenfahrradfahren erfunden wurde hat auch niemand behauptet - das es aber von einigen leuten betrieben wird - ja das ist schon sowas wie eine kleine sensation - und so gesehen bin ich mit dem artikel sehr zufrieden weil ich jetzt weiss das es in wien sowas gibt und beim nächsten fliesentransport kann ich das in anspruch nehmen ...

Sand
19.05.2010 10:08
Der Bullit heißt eigentlich Long John

human ic
19.05.2010 10:11

warum ?

Sand
19.05.2010 11:02
Ein Kosename der Kopenhagener, Jahrzehnte vor John Holmes

Eine lange starke dänische Konstruktion aus den 30-ern, die man(n) vor sich radelt. ;-)
Wird heute für knappe 2000 EUR in GB angeboten.
www.longjohn.org
www.larryvsharry.com

human ic
19.05.2010 13:49

naja.. das is ja eben ein longjohn.
2000 für das anachronistische ding ? vor wenigen jahren war der kit noch um 1000 erhältlich.

Tornos
19.05.2010 08:27
"... per Lastenrad liefern lassen - Vorteil: Kein Stoßverkehr und keine Parkplatznot"

Vielleicht bin ich ja einfach nur ein schlechter Mensch, aber wenn ich liefern lasse, so sind mir Verkehr und Parkplätze herzlich egal.
Dann interessiert mich nur, daß die Ware pünktlich ankommt.

Sitzen bessere Menschen wie ich nägelkauend und voller Sorge um den DHL-Fahrer da, wenn sie ein Paket erwarten?

knievel
19.05.2010 10:48

immer, ich geh sogar dem postler entgegen wenn er mir schwere pakete von amazon per lift in den 5. stock wuchtet...

iamdaiam
19.05.2010 09:23

kommt eben per fahrrad schneller an.

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