"Hütchenspiel" mit Olympiageld

18. Mai 2010, 19:29
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ÖOC-Olympiaförderverein mit Geisterfunktionären

Salzburg - Treffender als der dem Untersuchungsausschuss zur Salzburger Olympiaaffäre vorsitzende Richter Anton Meinhart kann man die Finanzgebarung der Bewerbungsgesellschaft kaum charakterisieren: "Das ist wie bei einem Hütchenspiel, wo am Ende das Geld fehlt."

Konkret meint Meinhart jene 300.000 Euro, welche laut Buchhaltung der Salzburger Olympiagesellschaft als "Darlehen" an den beim Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) angesiedelten Olympiaförderverein geflossen und nicht vollständig refundiert worden sein sollen. Der am Dienstag einvernommene ehemalige Vereinkassier erklärt den Vorgang hingegen nicht als Darlehen: Der Verein hätte einen Sponsorvertrag mit Audi über insgesamt 500.000 Euro abgeschlossen und davon 300.000 auch schon erhalten. Dann habe die Gesellschaft den Wunsch geäußert, den Vertrag zu übernehmen. Da aber die 300.000 inzwischen verbraucht waren, habe die GmbH dem Verein diese Summe überwiesen, der wiederum das Geld an Audi zurückzahlte. Daraufhin flossen die 500.000 Euro an die GmbH.

Dubios wie dieses "Hütchenspiel" war übrigens auch die Bestellung von Funktionären des Vereines: Arnold Grabner, damals Vizepräsident des ÖOC, hat erst 2009 erfahren, dass er Obmann-Stellvertreter des Vereins gewesen sei. Er habe an keiner einzigen Sitzung teilgenommen, sei nie eingeladen oder gefragt worden, ob er das Amt übernehmen wolle.

Auch der stellvertretende Kassier des ÖOC erfuhr erst zwei Jahre nach der gescheiterten Bewerbung von seiner Vereinsfunktion als 2. Kassier. Dennoch findet sich sein Name auf mehreren Sitzungsprotokollen. Und auch der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Rudolf Höller, der als Rechnungsprüfer des Vereines genannt wurde, hat dies dementiert.

Idee des Bürgermeisters

Unklar ist, auf wessen Initiative der Förderverein gegründet worden war. Während in Salzburg immer von einer Angelegenheit "der Wiener" gesprochen wurde, präsentieren "die Wiener" andere Versionen. Nach Angaben des Vereinskassiers sei die Idee von Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SP) gekommen. So habe ihm das der ehemalige ÖOC-General Heinz Jungwirth erzählt. Jungwirth-Stellvertreterin Manuela Kovarik meinte am Dienstag wiederum, die Konstruktion sei eine Idee von Schaden und Ex-ÖC-Chef Leo Wallner gewesen. (Thomas Neuhold/ Markus Peherstorfer/DER STANDARD, Printausgabe, 19. Mai 2010)

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