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Der Informatiker Christoph Rhemann bearbeitet Bilder.
Es klingt eigentlich recht simpel: Wenn man aus einem Foto ein Objekt oder eine Person herauslösen und vor einen anderen Hintergrund verfrachten möchte, markiert man am Computerschirm das jeweilige Objekt mit einem Strich, markiert mit einem weiteren den Hintergrund - und schon ist das Bild "freigestellt".
Freilich steckt hinter dieser äußerst benutzerfreundlichen Methode, die Christoph Rhemann kreiert, eine ganze Menge Rechnerleistung, angetrieben von hochkomplexen Algorithmen. Die "interaktive Bildsegmentierung" soll schließlich dem Normalverbraucher ermöglichen, was mit Programmen wie Photoshop oft nur mit viel Geduld und Mühe vollbracht werden kann: Nämlich auch sehr feine und transparente Strukturen wie etwa Haare in höchster Qualität herauszuschälen. "Außerdem wird bei dem Verfahren auch die Aufnahmequalität berücksichtigt, also zum Beispiel Unschärfen, durch die sich Vorder- und Hintergrund vermischen", schildert der 28-jährige Wiener.
Für die Entwicklung dieser Software interessierte sich auch die Forschungsabteilung von Microsoft, die Rhemann 2007 als ersten Studenten einer heimischen Universität in das begehrte europäische PhD-Programm aufnahm. Dotiert mit dreimal 30.000 Euro brutto (also abzüglich Steuern und Sozialleistungen), ermöglichte ihm das Stipendium, für drei Jahre am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien gemeinsam mit seiner Dissertationsbetreuerin Margrit Gelautz seinen Ansatz der Bildverarbeitung voranzutreiben. Verbunden damit waren auch Praktikums- und Forschungsaufenthalte bei Microsoft Research in Cambridge.
Die Kooperation mit dem Softwarekonzern hat sich gelohnt: Einige Ergebnisse aus Vorarbeiten sind bereits in die Bildbearbeitungssoftware von Office 2010 eingeflossen, kürzlich stellte der Informatiker seine aktuellen Forschungen beim Microsoft Techfest im amerikanischen Redmond vor. Derzeit beschäftigt er sich in einem vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds geförderten Projekt damit, wie die Tiefeninformation zweidimensionaler Bilder dazu benutzt werden kann, um sie in 3-D umzuwandeln. "Bei 3-D-Filmen wie Alice im Wunderland wurden die Tiefenkarten noch per Hand gezeichnet. Ein halbautomatisches Tool würde die Arbeit schon um einiges erleichtern", beschreibt Rhemann mögliche Anwendungen.
Die Technologie soll weiters ermöglichen, dass ältere Filme "mit ein bisschen Benutzerinteraktion" kurzerhand in 3-D-Filme verwandelt werden und mittels einer virtuellen Kamera aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet können - was auch dem wachsenden Markt für 3-D-Fernsehen entgegenkommt. "Die neuen Monitore benötigen die Tiefeninformation, die darüber Auskunft gibt, welche Teile näher beim Betrachter liegen als andere", sagt Rhemann.
An der TU Wien wird sich der junge Wissenschafter als Postdoc-Forscher weiter in Algorithmen zur Bildverarbeitung vertiefen, ins Ausland würde es ihn nur für einen begrenzten Aufenthalt ziehen. Auch wenn er viel Zeit vor dem Schirm verbringt, betont er: "Es gibt auch eine Welt außerhalb des Computers." (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 19.05.2010)
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