"Dringend Mittel nötig"

18. Mai 2010, 19:13
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ÖAW-Präsidium klagt über finanzielles Dilemma und fordert Maßnahmen für Wissenschaftsstandort Österreich

"Die Politik muss sich deklarieren, ob sie hinter der Forschung steht und wofür sie das Geld ausgeben will", appellierte am Dienstag Arnold Suppan, Generalsekretär der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), angesichts der jüngsten Sparpläne der Bundesregierung für die Universitäten. "Bei der Finanzierung der Forschung in der Krise hinkt Österreich hinter anderen Ländern nach", konstatierte auch ÖAW-Präsident Helmut Denk.

Die Akademie selbst wähnt sich in einem "finanziellen Dilemma": Denn insbesondere jene Life-Sciences-Einrichtungen, die sich durch Spitzenforschung auszeichnen - das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), das Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) und das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (Cemm) - hätten einen besonders hohen Kapitalbedarf.

"Es fehlen dringend Mittel für notwendige Baumaßnahmen und die Anschaffung von Großgeräten", sagte Suppan. So benötige das GMI ein weiteres Sequenziergerät zum Aufschlüsseln von Erbgutsequenzen. Der schnelle Zugang zur neuesten Technologie entscheide über das Überleben der Spitzenforschung. Die Bedürfnisse der drei Forschungs-GmbHs der ÖAW würden 2011 um 60 Prozent über dem diesjährigen Budget liegen.

Insgesamt weisen die Budgetanträge der ÖAW für das kommende Jahr 125 Mio. Euro aus, was einer Erhöhung von 42,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2010, für das 87,5 Mio. Euro zur Verfügung stehen, entspricht. Wobei selbst die im Budgetpfad aus dem Jahr 2009 festgelegte Steigerung von maximal drei Prozent "momentan gefährdet erscheint", wie Suppan einräumte. Die Verhandlungen für die Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2012 bis 2014 würden erst im April 2011 beginnen. "Das erschwert unsere Lage." Ohne Einschränkungen und Schließungen von ÖAW-Instituten werde man nicht auskommen, sagte Denk. "Wir müssen die starken Einrichtungen stärken." Wo es Einschnitte, und wo es Ausweitungen geben soll, wird derzeit evaluiert.

Zu wenig Risikoforschung

Generell stehe es um das wissenschaftliche Klima nicht zum Besten, bemängelte das ÖAW-Präsidium, das ein Papier zum Wissenschaftsstandort Österreich präsentierte, in dem die hiesigen Rahmenbedingungen von einem Team aus ÖAW-Wissenschaftern durchleuchtet und Strategien für Verbesserungen empfohlen werden. So würden andere europäische Staaten viel mehr in innovative Risikoforschung investieren, während hierzulande ein überproportional großer Teil der Forschungsausgaben in bewährte, anwendungsorientierte Forschung fließen würde.

Gefordert werden neben einer Erhöhung der Mittel für Grundlagenforschung auch Anreize, um den Standort attraktiver für Stiftungen und Mäzenatentum zu machen, sowie eine langfristigere Planungssicherheit. Besonders die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, die stark von einer langfristigen öffentlichen Förderung abhängig seien, dürften nicht "als Luxus und damit als verzichtbar" betrachtet werden, forderte ÖAW-Vizepräsidentin Sigrid Jalkotzy-Deger - und betonte: "Zwischen dem, was notwendig wäre für eine Weiterführung des Exzellenzpfades, und den tatsächlichen Mitteln klafft eine Lücke." (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 19.05.2010)

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