Denkt an den Finanzminister Nordkoreas!

18. Mai 2010, 18:59
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Als die Währungsreform in Nordkorea schiefging, ließ Kim Jong-il einfach den Finanzminister erschießen

Als jetzt die Währungsreform in Nordkorea gründlich schiefging, ließ der "geliebte Führer" Kim Jong-il einfach den Finanzminister erschießen.

Der Mann hatte sich einer beliebten Methode bedient, eine galoppierende Teuerung zu bekämpfen: Er konfiszierte (teilweise) die Sparguthaben der Bürger.

Das soll man aber nur nach katastrophal verlorenen Kriegen machen, wie z. B. Deutschland und Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn alles in Trümmern liegt , kaum mehr Güter vorhanden sind, dafür aber noch große Geldguthaben, entsteht automatisch starke Inflation , weil das viele Geld die wenigen Waren jagt. So geschehen nach dem Ersten Weltkrieg, als ein Laib Brot zeitweise eine Milliarde Mark oder Kronen kostete. Nach dem Zweiten Weltkrieg war man in Deutschland und Österreich klüger, und konfiszierte einen Großteil der Sparguthaben gleich. Damit brachte der Staat die völlig zerstörte Balance von Realwerten und Geldvermögen wieder in Ordnung.

Inflation oder Währungsschnitt sind also Formen der staatlichen Enteignung von privaten Geldmitteln nach ganz großen Umsturzereignissen.

In Europa wird derzeit verhalten diskutiert, ob die Euro-Finanz-Staatsschuldenkrise auch zu einer Art Währungsreform führen wird. Die Finanzkrise begann mit einer riesigen Kreditaufblähung in den USA und Europa. Als sich herausstellte, dass einem Großteil der Kredite kein realer Wert zugrunde lag; als daraufhin die großen Banken dies-und jenseits des Atlantiks in Liquiditätsprobleme kamen, pumpten die beiden Notenbanken Fed und EZB Liquidität in die Banken. Die Staaten machten noch mehr Schulden, um den darauffolgenden Konjunktureinbruch zu bekämpfen. Unter diesen neuen Schulden liegen jedoch noch alte Schulden, mit denen z. B. üppige Pensionssysteme finanziert werden. Um die Staaten nicht pleitegehen zu lassen, kauft die EZB jetzt schlechte Anleihen schlechter Staatsschuldner und bedient damit praktisch die Banknotenpresse. Und der Rettungsschirm über den Euro in Höhe von 750 Milliarden bläht das Kreditvolumen weiter auf. Gleichzeitig stottert das reale Wirtschaftswachstum.

All das schafft eine inflationäre Situation: Zuviel Geld, zu wenig reale Wirtschaftsleistung. Sie muss nicht außer Kontrolle geraten , aber sie kann es. Dann, im schlimmsten Fall, müssen die Staaten alle Besitzer von Sparvermögen großflächig enteignen, um die Schulden zu zahlen. Im weniger schlimmen, kontrollierten Fall, findet die Enteignung gemäßigter statt: durch Steuererhöhungen, durch etwas erhöhte (3-4 Prozent) Inflation und durch Kürzung von Sozialleistungen .

So wird es auch kommen, wenn alles halbwegs gut geht. Es findet ein "deleverage", ein Herunterfahren des Geldüberhangs statt. Wenn nicht, wenn im Zuge einer Währungsreform richtig enteignet werden muss (etwa durch einen entsprechenden Umtauschkurs von "alten" in "neue" Euros einer bereits diskutierten "Hartwährungszone" (Deutschland, Österreich, Niederlande), dann droht unseren Finanzpolitikern ein nordkoreanisches Schicksal. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.5.2010)

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