An der Supermarktkasse 2

18. Mai 2010, 18:54
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Personen beiderlei Geschlechts pflegen einem telefonierend den Weg zu verstellen

Jüngst haben wir hier das Verhalten von Frauen an der Supermarktkasse erläutert: Die Beobachtung, dass viele einhändig, weil mit der zweiten Hand ihr Geldbörsl umklammernd, ihre Waren gehandicapt ins Körberl raffen, wurde durch etliche Testimonials (auch die Standard-Chefin tut es!) bestätigt.

Die Gründe dafür haben sich jedoch als rein altruistische erwiesen: Wir wollen niemanden warten lassen, während wir in der Handtasche nach dem Geld kramen!

Die Anregung, wir könnten das Börsl beim Einräumen ja zwischen die Zähne klemmen, weisen wir zurück. Denn wie sollten wir dann noch telefonieren? Aber das tun nicht nur Frauen und nicht nur an der Kasse. Personen beiderlei Geschlechts pflegen einem in die Gurke quatschend unkonzentriert zwischen den Regalen torkelnd den Weg zu verstellen.

Aber manchmal hat man Glück. Etwa wenn man an der Kasse vor einer jungen Altpolitikerin steht, und diese schreit zur freudigen Teilhabe aller Umstehenden ins Handy: "Aber das sag ich jetzt nur dir, ganz vertraulich!"

Was danach kam, verrate ich natürlich nicht, denn das gehört sich nicht. Nur so viel: Am anderen Ende war offenbar ein(e) Journalist(in), und ich hörte kein gebrülltes "Ver... kann ich mich selbst" als Antwort aus der Röhre. Was für ein seltsames Volk, dachte ich mir, das sich so etwas als "vertraulich" reindrücken lässt. Hoffentlich war's nicht jemand vom Standard. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 19. Mai 2010)

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