Pro: Zeitzeugenschaft

18. Mai 2010, 18:37
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Natürlich bedeutet die Ausstellung nicht Zustimmung zum System - von Andrea Schurian

Überraschung! Ein diktatorisches Regime stellt ausschließlich Staatskünstler zur Schau. Und, nein aber auch, in der undemokratischen Unterdrückungsrepublik Nordkorea ist Kunst ein Gehirnwaschmittel: Erbaulich sollen die Bilder sein, lehrreich und gut. Wie halt das Leben selbst. Muss man das nun eigens an die Museumswand pinseln und in den Katalog schreiben? Nein. Muss man nicht.

Eh klar, dass im Mak diktatorenverherrlichende Werke zu sehen sind: Für Toleranz ist Nordkorea nicht berühmt. Das alles muss daher auch nicht eigens, wie ein Unwort des Jahrzehnts heißt, "kontextualisiert" werden.

Natürlich bedeutet die Ausstellung nicht Zustimmung zum System. Und nur sehr schlichte Gemüter interpretieren die Mak-Ausstellung in eine Werbeveranstaltung für Nordkorea um. Das Mak zeigt unbekannte Kunst. Gibt einen Hauch von Einblick in ein hermetisch abgeschlossenes Land. Regt zur Diskussion an. Das ist nicht mediengeil, sondern gehört zur Kernkompetenz eines Museums.

Kunst ist immer Zeitzeugenschaft. Ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft; das ist interessant - und auch, unter welchen Umständen die Schau realisiert werden konnte. Daran darf und muss das eigene Maß an Demokratie, Freiheit und Kunstverständnis gemessen werden. Das Terrorregime Nordkoreas ist bekannt. Die Kunst war es bisher nicht. Und davon können wir uns nun selbst ein Bild machen. (Andrea Schurian/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 5. 2010)

Kontra:
Der Kontext fehlt - von Stephan Hilpold

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