Heimische Finanzver­flechtungen sinken

18. Mai 2010, 15:12
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Österreichische Direktinvestitionen im Ausland sind um 85 Prozent eingebrochen, in Österreich waren Investitionen aus Russland und China hoch

Wien - Die Finanzverflechtungen Österreichs mit dem Ausland haben sich 2009 erstmals seit dem EU-Beitritt verringert. Allein die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland sind um 85 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro eingebrochen, die Zahl der Großprojekt mit einem Investitionsvolumen von über 100 Mio. Euro ging auf zehn zurück. Auch die bisher üblichen Investitionen in Zentral- und Osteuropa sind fast zur Gänze ausgefallen. Ausländische Unternehmen investierten netto 5,1 Mrd. Euro in Österreich. Auffallend hoch waren Investitionen aus Russland und China.

"Die Finanzkrise hat die Dynamik der grenzüberschreitenden Finanztransaktionen erheblich gebremst, nicht nur in Österreich, sondern weltweit", sagte Aurel Schubert, Statistik-Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) am Dienstag bei Pressekonferenz in Wien.

Der Grad der internationalen Verflechtung liege mit einer Internationalisierungsquote (Summe aus Aktiva und Passiva im Verhältnis zum BIP) von 557 (2008: 559) Prozent noch immer auf sehr hohem Niveau.

In Summe ist das Finanzvermögen der Österreicher (Private, Firmen, Institutionen - ohne Finanzderivate und Währungsreserven) im Vorjahr auf rund 2.400 (2008: 2.365) Mrd. Euro gestiegen. Davon war zwar unverändert ein Drittel in ausländischen Finanzanlagen veranlagt, wertmäßig ging der Auslands-Anteil erstmals seit dem EU-Beitritt zurück, und zwar bei den Forderungen um ein Prozent auf 757 Mrd. Euro und bei den Verbindlichkeiten um 3 Prozent auf 784 Mrd. Euro. In der Vergangenheit waren noch jedes Jahr enorme Anstiege dieser Größe zu verzeichnen gewesen, so Schubert.

Großteil im Euroraum

Der größte Teil des im Ausland veranlagten Finanzvermögens ist im Euroraum und damit ohne Währungsrisiko veranlagt. Auf Euroland entfallen 337 Mrd. Euro oder 45 Prozent, weitere 117 Mrd. Euro (15 Prozent) auf die seit 2004 beigetretenen neuen EU-Länder. In der gesamten EU-27 sind es 479 Mrd. Euro (63 Prozent). 14 Prozent oder 103 Mrd. Euro liegen in der Schweiz, in Südosteuropa sind 36 Mrd. Euro veranlagt, in Großbritannien 35 Mrd. Euro (jeweils 5 Prozent), in den USA 28 Mrd. Euro (4 Prozent), in Osteuropa (inklusive Russland und Ukraine) 25 Mrd. Euro (3 Prozent) und in der Türkei 7 Mrd. Euro (1 Prozent).

Auf die "PIIGS" genannten Euroland-Problemstaaten entfallen zusammen 72,4 Mrd. Euro - das sind knapp 10 Prozent des im Ausland veranlagten Finanz-/Kapitalvermögens. Der größte Anteil entfällt mit 31,2 Mrd. Euro auf Italien, gefolgt von Irland (16,2 Mrd.), Spanien (12,9 Mrd.), Griechenland (8,6 Mrd.) und Portugal (3,4 Mrd. Euro).

Die Flucht der Banken aus den internationalen Geldmärkten hielt 2009 an, sie reduzierten ihre kurzfristigen Interbankenforderungen um 14 Mrd. Euro und ihrer kurzfristigen Verpflichtungen um 15 Mrd. Euro. Die Kreditgewährung an ausländische Nichtbanken brach völlig ein, es wurden sogar 3,3 Mrd. Euro Kreditmittel zurückgeholt. Die Kreditforderungen machten Ende 2009 - ohne Tochterbanken - 102 Mrd. Euro aus, davon 86 Prozent langfristige Forderungen.(APA)

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    Die heimischen Finanzverflechtungen mit dem Ausland haben sich verringert.

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