"Prince of Persia": Fantasy-Märchen mit viel Sand im Getriebe

18. Mai 2010, 13:43
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Jake Gyllenhaal als unterhaltsame Fehlbesetzung in überlanger Computerspiel-Adaption - Ab Donnerstag im Kino

"Prince of Persia", das neueste Produkt aus der Blockbuster-Schmiede von Jerry Bruckheimer, schlägt - ab Donnerstag in den heimischen Kinos - in dieselbe Kerbe wie zuletzt "Fluch der Karibik": eine exotische Umgebung als Abenteuerspielplatz für mutige Männer und hübsche Frauen, die einen meistens leichtsinnig, die anderen zickig. Diesmal wird für die sandige Computerspiel-Adaption das alte Persien wie in "1001 Nacht" inszeniert - bis das Fantasy-Märchen nach gefühlten 1001 Stunden in ein unvermeidliches Happy End taumelt.

Kaum älter als 20

Anwandlungen von Charme oder gar eine reflektierte Handlung sollte man sich bei diesem Film auf keinen Fall erwarten, die Zielgruppe dürfte, geht man von Ästhetik und Mise-en-scene aus, denn wohl auch kaum älter als 20 sein. Rasante Kamerafahrten, Zeitlupen-Einsatz, Riefenstahl'sche Heldenposen, die meiste Zeit wird über Kampf und Ehre geredet, und Liebe, Respekt und Familie sind die klar definierten Bausteine zum Glück eines jeden Mannes. Seltsam irgendwie, dass sich Ben Kingsley und Alfred Molina in diesen Film verirrt haben.

Kingsley spielt die Rolle des zwielichtigen Bruders des persischen Königs, eines weisen alten Mannes, der seinen beiden Söhnen noch einen couragierten Waisenknaben als dritten Bruder hinzuadoptiert. Dieser Knabe namens Dastan wird mit den Jahren zu einem rauflustigen Traceur mit dem Herz am rechten Fleck, dessen Aufgabe im Film eigentlich ganz simpel ist: schütze den magischen Dolch und bewahre das Reich vor dem hinterlistigen Onkel. Als Belohnung wartet quasi die Liebe der schönen Prinzessin Tamina.

Die vielleicht unterhaltsamste Fehlbesetzung

Der muskelbepackte Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle ist dabei die vielleicht unterhaltsamste Fehlbesetzung der jüngeren Blockbuster-Geschichte. Der "Brokeback Mountain"-Star reagiert auf fast jeden Satz mit einem ironisch-dümmlichen Grinsen, Hauptsache, die schulterlangen Haare hängen halbwegs sexy in die Stirn. Gemma Arterton als Tamina muss dagegen großteils mit ihrem Aussehen beeindrucken, schwingt daneben aber auch noch lange Reden, um der umständlich erzählten Handlung den letzten Rest an Subtext zu nehmen.

Regisseur Mike Newell ("Harry Potter und der Feuerkelch") hat sich an der Kapitel-Struktur des erfolgreichen Videospiels orientiert, um den "Sand der Zeit" bei den achtwöchigen Dreharbeiten in Marokko in die passenden Bilder für die Kinoleinwand zu packen. Komischerweise wirken die Spezialeffekte der 2D-Großproduktion aber manchmal richtig billig, die Action anachronistisch und veraltet, und der Schnitt produziert die seltsamsten Erzählsprünge, ohne die das Epos wohl noch einmal eine Stunde gedauert hätte.

Hin und wieder ist aber nicht nur Schmunzeln über, sondern auch mit dem "Prince of Persia" angesagt. Wenn etwa die Stadt Alamut wegen verbotener Waffenproduktion eingenommen wird und sich dann herausstellt, dass die "Massenvernichtungswaffen" nur als Vorwand dienten, ist das doch eine deutliche Anspielung auf die jüngere US-Politik in der Region. Und wenn Alfred Molina als piratenhafter Straußenrennen-Veranstalter über die hohen Steuern schimpft, unter denen vor allem die kleinen Geschäftsleute leiden, fühlt man sich fast wie im Wahlkampf. Der "Prince of Persia" ist dennoch auch für Spektakelfreunde leider keine gute Wahl. (Von Daniel Ebner/APA)

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