Hedgefonds und die neuen Regeln

18. Mai 2010, 16:21
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Hochriskante Strategien, die im Erfolgsfall sehr hohe Gewinne versprechen - Parlament und EU-Rat sollen sich bis Juli auf neue Regeln einigen

Frankfurt /Brüssel - Hedgefonds, private Beteiligungsgesellschaften und Spezialfonds sollen in der EU erstmals einer europaweit einheitlichen Finanzaufsicht unterstellt werden. Bisher gibt es verschiedene nationale Regeln im Unternehmensrecht und freiwillige Branchenstandards. Nachfolgend einige Punkte der Richtlinie, über die sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten bis Juli einigen wollen:

  • Die Regulierung gilt für die Fondsmanager, nicht für die Fonds. Sie müssen sich künftig bei den nationalen Aufsichtsbehörden anmelden und können ihre Produkte vertreiben, wenn sie sich zur Einhaltung von Transparenzregeln verpflichten.
  • Ziel ist es, die Risiken der Fonds offen zu legen, besser zu kontrollieren und so die Anleger zu schützen.
  • Nach dem Regelungsvorschlag der EU-Kommission sollen Fonds mit einem Portfolio von weniger als 100 Mio. Euro von der Regelung ausgenommen werden, wenn sie Fremdmittel als Hebel einsetzen. Auch Fonds ohne Fremdfinanzierung bis zu einem Portfoliowert von 500 Mio. Euro wären außen vor. Das Parlament will die Ausnahmen von der Art der Fonds abhängig machen statt von pauschalen Schwellenwerten. Es will auch Private-Equity-Fonds weniger streng regulieren als Hedgefonds. Beteiligungen an Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern sollen nach dem Willen des Parlaments ausgenommen werden.
  • Die Fondsmanager müssen bei der Aufsicht ihre Eignung nachweisen und müssen den Behörden Einblick in ihre Geschäfte geben: unter anderem über Anlagestrategien und Ausrichtung des Fonds, die eingesetzten Finanzinstrumente, Managementabläufe, Risikomanagement, Bewertungsmethoden oder Wirtschaftsprüfung.
  • Die Fondsmanager müssen Eigenkapitalstandards einhalten.
  • Fondsmanager mit Sitz in der EU sollen einen Fonds-Pass bekommen.
  • Umstritten ist, ob Fondsmanager aus Drittstaaten von Anfang an völlig zur Einhaltung der europäischen Transparenzvorschriften gezwungen werden soll. Die EU-Kommission wollte jedem Anbieter einen Fonds-Pass geben, dessen Heimat-Rechtssystem dem europäischen Standard entsprechen würde. Prüfen würde das die Kommission. Die meisten EU-Staaten halten dies für nicht praktikabel, weil die Übereinstimmung von Standards schwer festzustellen sei. Manche Länder befürchten, dass viele Anbieter außen vor bleiben würden, andere sind besorgt, bisher nicht verbreitete Produkte ohne eigene Kontrolle auf ihre Märkte zu lassen. Die Mitgliedstaaten wollen ein abgestuftes System. In der EU ansässige Fondsmanager, deren Fonds in einem Drittstaat sitzt, müssten sich danach weitgehend an die EU-Regeln halten. Fonds, deren Manager und Sitz außerhalb der EU sind, müssten bei jedem einzelnen Mitgliedstaat eine Zulassung beantragen.
  • Hedgefonds können eine Grenze für das eingesetzte Fremdkapital vorgeschrieben bekommen. Es ist noch nicht klar, ob dafür die EU-Kommission oder die europäische Finanzaufsicht zuständig wäre.

Mitschuld an der Krise

 

 

 

 

 

Schon nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hatte die Politik das Wirken von Hedgefonds als mitursächlich ausgemacht. Die G-20-Staaten haben deshalb beim Weltfinanzgipfel Mitte November 2008 eine stärkere Kontrolle der bisher praktisch unbeaufsichtigten Anlageform beschlossen. Geschehen ist bisher nichts.

Hedgefonds verfolgen hochriskante Strategien, die im Erfolgsfall auch sehr hohe Gewinne versprechen. Sie nutzen alle möglichen Derivate, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen.

Ein typisches Modell sind Leerverkäufe, bei denen große Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft werden. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Wesentliches Element ist zudem die weitgehende Finanzierung solcher Geschäfte durch Kredite. Durch den so erzielten Hebel- oder Leverage-Effekt wird der mögliche Gewinn noch weiter erhöht, allerdings auch das finanzielle Risiko für die Anleger beim Scheitern der Spekulation erheblich vergrößert.

Angesiedelt in Finanzoasen

Hedgefonds sind häufig in Finanzoasen angesiedelt. Auf beispielsweise den Kaiman-Inseln oder den Bermudas nutzen sie niedrige Steuern und lockere Kapitalmarktregeln. Ihre Manager freilich sitzen an den Finanzplätzen New York und London. Anleger sind vor allem Institutionen wie Pensionsfonds, Lebensversicherungen oder Stiftungen, aber auch wohlhabende Privatleute.

Schätzungen zufolge verwalten Hedgefonds derzeit ein weltweites Anlagevolumen von mehr als 1,9 Bill. Dollar (1.539 Mrd. Euro). In der ersten Finanzmarktkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers war das Volumen auf etwa 1,5 Bill. Dollar gesunken, hat sich nach Umfragen unter anderem der Credit Suisse inzwischen aber wieder erhöht.

In Deutschland dürfen wegen des hohen Risikos für Anleger nur sogenannte Dach-Hedgefonds öffentlich vertrieben werden. Single-Hedgefonds ist dieser Vertriebsweg untersagt, sie dürfen zwar an Privatanleger verkauft werden, jedoch nur im Wege der sogenannten Privatplatzierung. (APA/apn)

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