Das Kap der frohen Hoffnung

18. Mai 2010, 16:54
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Südafrika ist für Anleger längst kein "schwarzer Fleck" mehr auf der Landkarte - eine gewisse Risiko­freude müssen sie aber mitbringen

Fragt man heutzutage Fondsmanager nach vielversprechenden Anlagemärkten, hört man häufig zwei Wörter: Emerging Markets. Industriestaaten glänzen derzeit als solide Schuldner, Schwellenländer dagegen warten mit Wachstumsraten auf, von denen Europa, Japan oder die USA nur träumen können.

Während in den letzten Jahren vor allem die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China im Blickpunkt der Investoren standen, rücken jetzt vermehrt andere Länder nach. Die Wichtigkeit der Emerging Markets hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt. "Im Jahr 1993 machte die Gesamtleistung zur weltweiten Wirtschaftsleistung noch 20 Prozent aus, heute sind es fast 40 Prozent. Generell werden diese Märkte für die Weltwirtschaft also immer wichtiger", ist Jürgen Maier, hauptverantwortlicher Fondsmanager für Raiffeisen-EmergingMarkets-Aktien, sicher.

Die Raiffeisen Capital Management bietet in diesem Zusammenhang einen Global Emerging Market Fonds an, der unter anderem zu zehn Prozent in Südafrika investiert ist und von Wien aus gemanagt wird. Sicherheit ist für Anleger in den meisten Fällen das A und O, eine gewisse Risikofreude muss der Anleger bei solchen Investments dennoch mitbringen, auch wenn der Fonds eine breite Streuung bietet - von Investments in Unternehmen in China oder Indien bis zu Firmen aus "Frontier Markets" wie Argentinien oder die Vereinigte Arabische Emirate.

Rapides Wachstum

Die Argumente, die dafür sprechen, wachstumsorientierte Investments in die Emerging Markets zu verlagern, liegen  auf der Hand: Die aufstrebenden Märkte mit ihrer immer größer werdenden jungen und dynamischen Bevölkerung haben sich erfolgreich gegen die Rezession gestemmt und preschen jetzt mit rapiden Wachstumsplänen nach vorn.

Maier: "Die Investmentstory in den Emerging Markets ist noch intakt. In Indien beispielsweise sind 50 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre, Menschen, die sich erstmals ein Auto kaufen werden - daran knüpft der Erfolg des Wirtschaftswachstums an. Die Menschen haben eine hohe Sparquote (20 bis 25 Prozent in China und Indien, Anm.). Wir haben es mit Ländern zu tun, die gerade dabei sind, soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Versicherungen und das Bildungssystem aufzubauen; die Basis, den Konsum und dadurch die Wirtschaft anzukurbeln."

Darüber hinaus haben die Emerging Markets ihre Lektion bei der letzten Krise vor ca. 15 Jahren bereits gelernt. So weisen die aufstrebenden Länder im Schnitt eine Verschuldung zum BIP von 40 Prozent auf, bei den entwickelten Ländern liegt sie bei 100 Prozent und wird - schätzt Maier "sicher in den nächsten drei Jahren noch weiter steigen - möglicherweise auf 120 Prozent. Bei den Emerging Markets ist die Verschuldung dagegen rückläufig. Lag das Budgetdefizit in diesen Regionen im Krisenjahr im Schnitt bei vier Prozent, betrug es in den 'entwickelten' im Schnitt fast zehn Prozent."

Rohstoff-Boom

Zurück zum Beispiel Südafrika: Das Land kann neben einem ungeheuren Reichtum an Rohstoffen eine breit aufgestellte Wirtschaft aufweisen. Hierbei sind öffentliche Dienstleistungen, Finanzen und Immobilien (je ca. 20 Prozent Anteil am BIP) die stärksten Sektoren, aber auch die Bereiche Handel, Hotels und Transport tragen einen wesentlichen Teil zur Konjunktur bei.

Die im November 1887 gegründete Johannesburg Securities Exchange (JSE) gehört zu den zehn größten Börsen der Welt. "Die JSE ist die liquideste im afrikanischen Universum. Als Investor hat man den Vorteil, dass man alle Branchen abdecken kann, von Rohstoffwerten über Banken bis hin zu Konsumwerten", so Fondsmanager Maier. Einige Titel aus Südafrika notieren auch in Deutschland oder London.

Privatanlegern in Südafrika rät er er zum Second Listing, also zum Handel über Europa. Teilweise wird beispielsweise in London mehr gehandelt als an der lokalen Börse in Südafrika, außerdem ist es spesengünstiger.

Risiken bestünden natürlich bei allen Emerging Market Fonds, allerdings sei gerade Südafrika recht weit entwickelt und  hätte ein gutes Gerichtssystem. Auch von politischer Seite schaue die Lage - trotz des enormen Arm-Reich-Ungleichgewichts - relativ stabil aus, meint der Experte.

Insgesamt sei Südafrika ein durchaus zukunftsträchtiger Markt. Unternehmen profitierten sehr stark vom Commodity-Boom, also Kohle, Eisenerz, Gold, Platin usw. Derzeit bestehe eine sehr große Nachfrage aus China und Indien. Mit dem Anstieg der Rohstoffpreise steigen auch die Beschäftigungszahlen in diesen Branchen. Das Geld wiederum unterstütze den lokalen Konsum, was zum Teil wiederum auch der ärmeren Bevölkerungsschicht zugute komme.

Gier nach Handys

Die Aufholjagd der Emerging Markets macht Maier an einem Beispiel fest: "Letztes Jahr löste China die USA als weltgrößten Automarkt ab. China verkaufte 2009 13,5 Millionen neue Autos; dennoch liegt die ' car density', also die Autodurchdringungsrate, erst bei dem Wert der USA von 1926. Nur 80 von 1000 Chinesen haben derzeit ein Auto. In Europa oder Amerika liegt der Wert bei 700 bis 800 von 1000." Oder, noch plakativer: "Hätte man Anfang 2001 100 Dollar in einem entwickelten Land investiert, würde heute dabei ein Verlust herausschauen. In den Emerging Markets hätte sich das Geld im Schnitt fast verdreifacht."

In Indien wiederum kommen pro Monat 20 Millionen neue Mobilfunkkunden hinzu, das entspricht 2 ½ Mal der österreichischen Bevölkerung. Maier: "Der Vorteil in Indien: Die Kosten für Mobilfunktelefonie sind sehr niedrig. Trotzdem haben zur Zeit nur vier von zehn Indern ein Handy. In einigen Emerging-Markets-Ländern wie zum Beispiel in Indien haben 90 Prozent der Menschen gar keinen Zugriff auf Kredite." Wenn Banken hier das Angebot erweitern, schnellt auch der Konsum hoch. "Indien ist langfristig einer der lukrativsten Märkte und wird schätzungsweise in zwei Jahren ein höheres Wirtschaftswachstum als China aufweisen." (Sigrid Schamall, 18.5.2010)

Zur Person

Jürgen Maier ist seit 2006 im Fondsmanagement von Raiffeisen Capital Management tätig. Als Mitglied der Abteilung Emerging Markets Equities widmet er sich schwerpunktmäßig den asiatischen Märkten, insbesondere Indien.

Bevor Maier zu Raiffeisen Capital Management gekommen ist, arbeitete er im Bereich Portfoliomanagement Emerging Markets für zwei deutsche Kapitalanlagegesellschaften.

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Raiffeisen Capital Management

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