Schmerzschrittmacher optimiert Schmerzkontrolle

18. Mai 2010, 09:24
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Neue Schrittmacher-Generation passt sich an veränderte Körperhaltung des Trägers an

Wien – Ein implantierbarer Schmerz-Schrittmacher der neuesten Generation nützt eine Bewegungssensoren-Technologie, um die Behandlung schwerster Schmerzen mittels Rückenmark-Stimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) noch effektiver zu machen. Anders als bei früheren Schrittmacher-Generationen muss das System bei veränderter Körperhaltung oder Aktivität seines Trägers nicht manuell neu eingestellt werden.

Der auf der Jahrestagung der Österreichischen Schmerz-Gesellschaft (ÖSG) in Wien der Fachwelt vorgestellte Restore SensorTM Neurostimulator misst als weltweit erstes Implantat zur Schmerzbehandlung laufend Stärke und Richtung der Erdanziehungskraft, registriert so die Veränderung der Körperposition oder Aktivität der Patienten, und optimiert automatisch die für eine Schmerzlinderung erforderliche Stimulation. Das ist selbst bei unkontrollierten Bewegungen möglich.

Bessere Schmerzkontrolle

Vor wenigen Tagen wurde das innovative System am AKH Wien erstmals in Österreich von Hans-Georg Kress (Leiter der Klinische Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie) implantiert. Kress: „Da Menschen sich ständig bewegen, indem sie zum Beispiel aufstehen oder sich hinsetzen, Sport betreiben, spazieren gehen oder sich im Schlaf drehen, sollte ein Neurostimulator, der automatisch auf alle Positions- und Aktivitätsänderungen der Patienten reagiert, ihnen zu einer besseren Schmerzkontrolle und einem möglichst normalen Leben verhelfen."

Die SCS ist eine Standardbehandlung bei schweren Rücken- und Beinschmerzen. Sie erfolgt durch einen implantierbaren Neurostimulator, der über kleine Drähte (Elektroden) milde elektrische Signale rückenmarksnah sendet. Diese Stimulation maskiert die Schmerzsignale des Körpers durch einen sanften Reiz, wodurch Patienten anstelle der Schmerzempfindung ein Kribbeln verspüren.

SCS-Produkte früherer Generationen haben voreingestellte Stimulationslevel abgegeben, wodurch Patienten bei veränderter Position oder Aktivität häufig die Einstellungen für die Schmerzlinderung manuell ändern mussten.

Der Restore Sensor erkennt Positionswechsel eines Patienten und wendet automatisch die bevorzugte Stimulationsstufe an, die für diese spezielle Position identifiziert und programmiert wurde. Der Neurostimulator registriert und speichert außerdem die Häufigkeit dieser Haltungs- und Aktivitätsveränderungen. Diese Daten sind erstmalig in einem speziellen Gerät verfügbar und liefern eine Rückmeldung an den Klinikarzt, der dadurch erkennt, ob sich die Aktivitätsstufe und die individuellen Stimulations-Anforderungen eines Patienten im Laufe der Zeit ändern.

Kein Allheilmittel

Kress: „Schmerz-Schrittmacher sind nicht ‚das Allheilmittel‘ für jeden chronischen Schmerz. Die neuen Gerätetechnologien verbessern aber nochmals die Lebensqualität und haben die Schmerz-Schrittmacher zu einer wichtigen nichtmedikamentösen Behandlungsoption für ganz bestimmte chronische Schmerzen werden lassen."

Die zweijährige PROCESS-Studie hat kürzlich gezeigt, dass bei Ergänzung der konventionellen medizinischen Behandlung mit SCS bei Patienten mit Schmerzen der unteren Extremitäten mit oder ohne Rückenschmerzen signifikante Verbesserungen hinsichtlich der Schmerzlinderung und der Lebensqualität beobachtet werden. Im letzten Jahr hat das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) in Großbritannien ihre Anwendung bei Erwachsenen mit bestimmten Formen chronischer neuropathischer Schmerzen zugelassen.

Chronische Schmerzen stellen europaweite Belastung für das Gesundheitssystem dar. In Österreich leiden einer Umfrage der ÖSG zu Folge 21 Prozent der Erwachsene daran. Ein Drittel bewertet die Schmerzen als „schwer". Eine aktuelle europaweite Befragung hat gezeigt, dass fast zwei Drittel der chronischen Schmerzpatienten glauben, dass ihre Schmerzkontrolle nicht adäquat ist. (red)--

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