Datenschutzrat will Google unter die Lupe nehmen

18. Mai 2010, 08:26
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Googles Eingeständnis, in privaten Funknetzen gelauscht zu haben, bringt eine erneute Debatte um Street View

Die vergangene Woche war kein Highlight für den erfolgsverwöhnten Onlinekonzern: Erst musste Google den Verkaufsflop seines Handys Nexus One einräumen, dessen Onlineverkauf eingestellt wird.

"Irrtümlich"

Freitagnacht räumte der Konzern dann zerknirscht ein, dass er Datenschutzbehörden falsche Auskunft gegeben hatte: Bei der Protokollierung der Standorte von Wifi-Netzen (WLAN) lasen die Google-Street-View-Autos auch gleich im Vorbeifahren in den offenen Netzen mit, was deren Benutzer so gerade machten. "Irrtümlich", wie Google erklärte. Und als ob der Konzern die Benutzer seiner Suchmaschine vor seinen Schnüffeleien schützen wolle, kündigte Google an, dass Suche künftig verschlüsselt übertragen werden soll - also quasi google-abhörsicher.

Das Eindringen in die privaten Datennetze, obwohl ohne Zusammenhang mit Street View, hat auch in Österreich der Debatte um das umstrittene Projekt der Fotoansichten von Straßenzügen neue Nahrung gegeben. Google-Sprecher Kay Oberbeck erklärte dem Standard, dass Österreichs Datenschutzkommission vergangenen Freitag von der Panne informiert worden sei. In einzelnen Ländern habe man bereits mit der Löschung unter Aufsicht eines externen Auditors begonnen.

Verletzung der Persönlichkeitsrechte

Der Datenschutzrat im Bundeskanzleramt soll nächste Woche beraten, ob das Datenschutzgesetz novelliert werden muss, um Street View Rechnung zu tragen, erklärte der in der Regierung zuständige Medienstaatssekretär Josef Ostermayer dem Standard .

Ging es dabei bisher um die Regelung zur Verwendung von Geodaten im Internet, wirft jetzt die Google-Offenbarung des Lauschangriffs noch eine weitere Frage auf. Denn Googles Mitlesen gilt zwar nach Datenschutzrecht als Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Allerdings müssten die jeweils Betroffenen klagen, und die wissen nichts davon, wenn Google ihren Datenverkehr belauscht hat. Denkbar, sagt der Sprecher von Ostermayer, wäre es darum, den Datenschutzrat in solchen Fällen gesetzlich zu Unterlassungsklagen zu ermächtigen.

Vorsatz

Strafbar sei das Verhalten Googles nur, wenn es vorsätzlich gehandelt habe, erklärt Lukas Feiler vom Wiener E-Center, das auf Internetrecht spezialisiert ist. Dies habe Google in seiner Erklärung in Abrede gestellt. Jedoch seien die Daten rechtswidrig erfasst worden, darum sei Google auch zur Löschung verpflichtet.

"Das bewusste Einklinken in fremde WLANs ist nicht gerade State of the Art. Das Projekt Street View ist ohnehin schon so umstritten, dieses Mitlesen ist darum unternehmenspolitisch sehr problematisch", kommentiert der Leiter des E-Center, der Wiener Professor für Zivilrecht Wolfgang Zankl den Google-Lapsus. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 18. Mai 2010)

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Google

meinrad
00
18.5.2010, 22:33
"Das bewusste Einklinken in fremde WLANs ist nicht gerade State of the Art"

nur daß man sich halt mit einem wlan nicht unbedingt verbinden muß, um irgendwelche daten mitzulesen.

Heimwerkerkönig
 
01
18.5.2010, 19:09
Dieses WLAN-Kasperltheater...

..ist einfach nur peinlich.
Seit mehreren Jahren gibt es in Europa und den USA Firmen, die über die Feldstärke von WLAN-Hotspots Lokalisierungsdienste anbieten und keine S... hats bisher gekümmert.
Macht es nun Google, ticken alle, im Soge der Street View-Posse, vollkommen aus und beten das Ende der Welt herbei.

Ich bin sicher kein Google-Fan, diese Firma erscheint mir alleine aufgrund der Ausmaße schon bedenklich, aber man sollte immer von Fall zu Fall entscheiden und nicht alles pauschal mit dem zum Totschlagargument verkommenen Begriff "Datenschutz" niederbügeln.

Besonders übel aber ist, dass indem man sich auf Unternehmen kapriziert, man von den wirklich bedenklichen Entwicklungen seitens des Staates (ACTA usw.) ablenkt.


ü-strichal
20
18.5.2010, 11:01

warum immer nur google ...

es gibt noch andere viel schwindligere anbieter die gerne fotografiern:

http://www.norc.at/street-view/

Mathias
 
41
18.5.2010, 10:44
Bei der Protokollierung der Standorte von Wifi-Netzen (WLAN) lasen die Google-Street-View-Autos auch gleich im Vorbeifahren in den offenen Netzen mit, was deren Benutzer so gerade machten

Also in Deutschland ist das EINDEUTIG ein Verstoß gegen den Hacker-Paragraphen!!! Wenn jetzt nicht die Staatsanwaltschaft aktiv wird, dann wissen wir, was hier gespielt wird!!

Der Vorwand, dass das ganze nicht absichtlich passiert ist, ist einfach verlogen. Es gibt genügend Software, die mir den Standort von WLans anzeigt, aber nicht automatisch "Spionage" betreibt!

Es braucht spezielle Scannersoftware, welche WLans anzeigt und automatisch ausliest. Sowas kann nicht "unbewusst" passieren. Google kommt langsam in Erklärungsnot!!

meinrad
00
18.5.2010, 22:19
spezielle scannersoftware?

das hat wahrscheinlich einfach so ausgeschaut:

airodump-ng -g -w streetview_scan_results wlan0

dann hat man den ganzen wlan-traffic und gps-koordinaten der wlans. mehr gehört da nicht dazu.

wenn man ein wlan betreibt, sollte ihm bewußt sein, daß jemand anderer sich die daten, die man drüberschickt, nicht HOLEN muß. der muß nur seinem wlan-chip sagen, daß er zuhören soll. was unverschlüsselt gesendet wird, kann jeder verstehen.

bald werden die leute beim sex noch die fenster offen lassen und sich dann drüber beschweren, daß jeder passant, der ihnen dabei zuhört, in ihre privatsphäre eindringt...

mr bayer
00
18.5.2010, 15:16

wenn sie "spionage" betreiben hätten wollen, dann bestimmt nicht von einem fahrenden auto aus, das 5 mal in der sekunde den kanal wechselt. das bringt nämlich genau garnichts. das war ein versehen - und die daten sind schon längst gelöscht, bestätigt von einer unabhängigen instanz.

abdul al calafatti
00
18.5.2010, 13:49
Werter "Kollege" Mathias -

Also, ein offenes -für nichtfachpersonen: ein nicht verschlüsseltes FUNK-WLAN- zu überwachen ist beileibe keine "Hackerkunst",
das geht ganz einfach............

Mathias
 
00
19.5.2010, 09:52
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... dennoch stellt es ein "Hausfriedensbruch" dar.

Oder wie würde ein Richter das sehen? "Die Haustüre war offen, und da dachte ich mir, ich sehe mich mal im Haus einfach so um" ;-)

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