Selbstmordanschlag tötet Zivilisten und Nato-Soldaten

18. Mai 2010, 14:42
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Mindestens 18 Menschen fielen dem Angriff in Kabul zum Opfer - mit Video

Kabul - Beim schwersten Anschlag in Kabul seit mehr als einem Jahr sind in der afghanischen Hauptstadt 18 Menschen, darunter sechs NATO-Soldaten, ums Leben gekommen. 47 Zivilisten seien bei der heftigen Explosion am Dienstag verletzt worden, teilte das afghanische Innenministerium mit. Die Taliban bekannten sich zu dem Selbstmordanschlag, der sich gegen die "Invasoren der NATO" gerichtet habe.

Das Attentat ereignete sich während des morgendlichen Berufsverkehrs im Westen der Hauptstadt, in der Nähe eines Krankenhauses und einer Anwerbestelle der afghanischen Armee. Zwölf Zivilisten seien getötet und 47 weitere, darunter auch Kinder, verletzt worden, sagte Innenministeriumssprecher Semarai Bashari. Die meisten der zivilen Opfer waren in einem Bus unterwegs. Zunächst hatte der Chefarzt der Armee gesagt, bei dem Anschlag seien mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen.

Auch sechs Soldaten der NATO-Truppe ISAF wurden getötet, wie das Bündnis mitteilte. Ein Attentäter hatte demnach sein Auto in der Nähe eines ISAF-Konvois in die Luft gesprengt. Mehrere Soldaten seien verletzt worden. Ein afghanischer Militärsprecher sagte, fünf der sechs getöteten Soldaten kämen aus den USA. Die Nationalität des sechsten Soldaten war zunächst unbekannt.

Nach Basharis Angaben wurden durch die Explosion fünf Fahrzeuge der NATO und etwa ein Dutzend Zivilfahrzeuge beschädigt. Der Anschlag ereignete sich auf der Darulaman-Straße, einer der Hauptverkehrsachsen der Hauptstadt. In dem betroffenen Stadtteil befinden sich unter anderem das afghanische Parlament, das Energieministerium, das Nationalmuseum, eine US-Universität und ein Krankenhaus unter westlicher Leitung.

Zu der Tat bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid sagte, der Täter stamme aus Kabul und habe 750 Kilogramm Sprengstoff zur Explosion gebracht. Der Anschlag habe dem Konvoi ausländischer Truppen gegolten..

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Tat "auf das Schärfste". Die NATO sei weiter "entschlossen, ihre Mission zu erfüllen, die im Schutz der afghanischen Bevölkerung und in der Stärkung der Fähigkeit Afghanistans zur Verteidigung gegen den Terrorismus besteht", erklärte er in Brüssel.

In den vergangenen Monaten griffen Taliban-Kämpfer vermehrt die afghanische Hauptstadt an. Ende Februar starben bei einem Anschlag in Kabul 16 Menschen. Im Februar 2009 wurden bei einem Selbstmordanschlag und dem Beschuss auf drei Regierungsgebäude 26 Menschen getötet. Vergangenen Monat wurden neun Verdächtige festgenommen, denen zur Last gelegt wurden, sie hätten Selbstmordanschläge auf "strategische Ziele" in Kabul verüben wollen.

Auch die internationalen Truppen in Afghanistan leben zunehmend gefährlich. Seit Jahresbeginn starben 208 ISAF-Soldaten und damit mehr als im gleichen Zeitraum in den Vorjahren. Seit Sommer 2009 sind im Schnitt täglich ein bis zwei NATO-Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Am 29. Mai soll in Kabul eine sogenannte Friedens-Jirga beginnen. Auf der dreitägigen Ratsversammlung will sich Präsident Hamid Karzai breite Unterstützung der Bevölkerung für seinen Versöhnungskurs mit den Taliban sichern. Die Aufständischen machen allerdings den Abzug aller ausländischen Truppen zur Voraussetzung für Gespräche, was Karzai strikt ablehnt. Karzai sagte am Dienstag nach der Rückkehr von einer USA-Reise, Washington unterstütze die Ratsversammlung zur Aussöhnung mit den Taliban. (APA/AFP/AP)

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    Der Tatort.

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