Tschürtz: Der Kicker und die Pappkameraden

17. Mai 2010, 17:58
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FP-Chef Johann Tschürtz möchte die pannonische FPÖ wieder zum Gewinnen bringen

Eisenstadt - Als Johann Tschürtz Anfang Juni 2008 von Eisenstadt heim nach Loipersbach fuhr, kam er, wie immer, durch Baumgarten. Am Straßenrand stand der berühmteste Baumgartner, der damalige Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft, Andreas Ivanschitz. Freilich nicht aus Fleisch und Blut. Sondern aus Pappe. Und Johann Tschürtz hatte eine Eingebung. "Ich bin nach Hause gefahren und hab in mein Notizbuch geschrieben: Wahl 2010, Pappkameraden."

Jetzt, 2010, steht Johann Tschürtz als solcher im ganzen Burgenland herum. An insgesamt 2000 Stellen verkünden der Listenführer der FPÖ und die Zweitgereihte, Ilse Benkö, die zentrale blaue Botschaft: "Das Burgenland gehört dir. Dafür kämpfen wir!"

Etwas konkreter las sich dieser Kampf ums pannonische Besitzrecht am Beginn der Plakatkampagne. Denn da forderte die FPÖ unmissverständlich: "Heimat schützen - Grenze dicht." Aber irgendwie schien das dem Johann Tschürtz, der ja direkt am doch sehr dichten Eisernen Vorhang aufgewachsen ist, ein wenig überzogen. Auf jede diesbezügliche Nachfrage bemüht er sich zu präzisieren, dass damit bloß "Planquadrate im Grenzbereich" gemeint wären oder "eine Grenzschutztruppe von 200 Mann", keineswegs aber eine Abschottung von den Nachbarn. Ja, "wenn es nach mir geht", sollte der Stein, der die Verbindungsstraße zwischen dem heimatlichen Loipersbach und dem benachbarten Ágfalva für Autos sperrt, "sofort weg".

Johann Tschürtz, ein gelernter Gendarm, ist seit 1992 bei der FPÖ. "Mir hat Kreisky gefallen. Aber das Erscheinen von Jörg Haider hat mich fasziniert." Gleichwohl hat er sich 2005, bei der Abspaltung des BZÖ, als erster Landeschef ins Strache-Lager gestellt. "Wir waren damals ganz wenige, der Heinz-Christian ist ein wirklich enger Freund geworden."

Seit 1997 sitzt Tschürtz im Landtag, 2005 übernahm er den Landesvorsitz. In dieser Zeit erlebte er zwei Niederlagen. 2000 verlor die FPÖ den Regierungssitz, 2005 wurde sie auf 5,8 Prozent halbiert. Nun hofft er auf "prozentuelle Zweistelligkeit".

Seine zeitweiligen Versuche, sich in freiheitlicher Manier in Rage zu reden, scheitern regelmäßig an einer gewissen rhetorischen Tapsigkeit, die den versuchten Brandreden doch ein wenig die Schärfe nimmt. Dazu passt das aktuelle, in seiner Patschertheit geradezu rührende Werbevideo, das auf YouTube schnell Kultstatus erreichte. In diesem Video erklärt Johann Tschürtz, ganz so wie seine Pappkameraden:"Das Burgenland gehört dir. Dafür kämpfen wir!" (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 18.5.2010)

  • Johann Tschürtz (li.) mit kämpferischem Wahlslogan.
    foto: wei

    Johann Tschürtz (li.) mit kämpferischem Wahlslogan.

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