Plädoyer für französische Betten

17. Mai 2010, 17:53
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Die Wiener Festwochen im Brut

Wien - Seit vierhundert Jahren fällt der schwarze Heerführer Othello auf Stadttheaterbühnen regelmäßig einer mehr oder weniger rassistisch motivierten Intrige zum Opfer. Der Mann, ein Kriegsführer allererster Güte, lässt sich in puncto Treue furchtbar leicht verschaukeln. Es kostet seine schöne Frau das Genick.

Franck Edmond Yao findet das zumindest seltsam. Der in Paris beheimatete ivorische Tänzer würde eine ihm untreue Frau nicht bestrafen. Und außerdem: Othello, wer ist das?

Gemeinsam mit der Schauspielerin Cornelia Dörr geht Yao dieser Frage in Monika Gintersdorfers Festwochen-Gastspiel nach: Othello c'est qui. Dabei prallen "weiße" Theatervorstellungen (anhand des klassischen Rollenfachs) auf "schwarze" Tanzpraktiken ("Wir tanzen immer mit Text"). Ein Othello frei nach John Neumeier kann im Angesicht eines auf Hüftschwünge versessenen afrikanischen Tänzers ganz schön daneben aussehen.

Die beim deutschen Off-Theater-Festival Impulse ausgezeichnete Performance untersucht kulturelle Codices von Körpern und deren Ausdrucksformen. Und das kann scheinbar sehr weit von Othello wegführen, aber in Wahrheit in sein Innerstes hinein: Nämlich zur Frage, wo genau fängt der Sex (die Untreue) an? Die Antworten fallen unterschiedlich aus: Dann, wenn ein Mann schwer hüftkreisend um eine Frau in der Disco tanzt? Oder doch erst im Bett daheim? In letzterem (idealen) Fall wird für geeignete Betten plädiert: französische! (afze, DER STANDARD/Printausgabe, 18.05.2010)

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