Evo Morales fordert von Ratzinger Ende des Zölibats

17. Mai 2010, 16:13
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Boliviens Präsident beim Papst im Vatikan

Rom - Der bolivianische Präsident Evo Morales hat in einer Audienz bei Papst Benedikt XVI. die Abschaffung des Zölibats in der katholischen Kirche gefordert. "Die Kirche darf einen wesentlichen Teil unserer menschlichen Natur nicht verleugnen", so begründete der Sozialist Morales nach dem Treffen am Montag in Rom seinen Vorstoß gegen die Pflicht zur Ehelosigkeit für Priester.

Dann werde die Kirche auch weniger Kinder haben, die nicht von ihren Vätern anerkannt werden, fügte er hinzu. Er habe seinen Standpunkt als Mitglied einer an der Basis ausgerichteten Kirche erklärt.

Vatikan erwähnt Forderung nicht

Der Missbrauchsskandal in katholischen Kircheneinrichtungen vor allem Irlands und Deutschlands hat auch den Zölibat wieder stärker in die Diskussion gebracht. Der Vatikan hat allerdings wiederholt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauchsfällen bestritten. In Österreich hat sich jüngst der Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby als bisher höchstrangiger Vertreter der Amtskirche für ein Ende des Pflichtzölibats ausgesprochen.

Der Vatikan berichtete kurz über die 25-Minuten-Audienz, ohne den Aufruf des Präsidenten zu erwähnen. Der Umweltschutz und das, was die Kirche in Bolivien im Schul- und Gesundheitswesen leisten könne, sei "in herzlicher Atmosphäre" erörtert worden, teilte der Vatikan mit. Morales schenkte dem Papst einen weißen Schal aus Alpaca-Wolle sowie zwei folkloristische Holzfiguren der Andenregion. Benedikt revanchierte sich mit Medaillen seines Pontifikats.

Morales hat zwei Kinder, ist jedoch nicht verheiratet. Vor drei Jahren soll ihm noch eine gewünschte Audienz mit dem Papst verweigert worden sein. Bolivien ist zu mehr als 90 Prozent katholisch.  (APA/dpa)

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    Ein Schal aus echter Alpaca-Wolle für Joseph Ratzinger.

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