Mit Verlust ist zu rechnen

17. Mai 2010, 14:17
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Anna Mitgutsch liest im Salzburger Literaturhaus aus ihrem neuen Roman "Wenn Du wiederkommst" (Verlag Luchterhand)

Der Tod ist ein Skandal, befand schon Elias Canetti. Dessen ungeachtet wartet er am Ende des Lebens auf jedes Lebewesen. Trauer und Abschied bestimmen auch den Seelenhaushalt, wenn eine Beziehung zwischen zwei Menschen auseinander geht. All das thematisiert der neue Roman der Linzerin Autorin Anna Mitgutsch, aus dem sie heute im Salzburger Literaturhaus liest.

In Wenn Du wiederkommst (Verlag Luchterhand) erfährt die Ich-Erzählerin vom plötzlichen Herztod ihres Lebensmenschen Jerome. Die beiden waren seit fast einer Ewigkeit ein Paar, hatten sich zwar schon vor etlichen Jahren getrennt, waren einander dennoch verbunden geblieben. Just in dem Augenblick als die gegenseitige Liebe neu entflammt - besser gesagt: eine andere, tiefere und verlässlichere Art der Liebe - , vereitelt der Tod die mögliche neue gemeinsame Zukunft.

Wie die mit autobiografischen Zügen der Autorin ausgestattete Protagonistin mit dieser traurigen Realität umgeht, gar dagegen aufbegehrt, erzählt Mitgutsch in einer eindringlichen Totenklage, die sich an den Abschnitten des jüdischen Trauerjahres orientiert. Inwieweit die Erinnerungen, auch die an das Trennende zwischen dem Paar, dabei nicht ein bissl verklärt werden, ist ein anderes Kapitel. Eines, das in psychischen Ausnahmesituationen nur zu verständlich wäre - irgendwie muss es ja für alle Überlebenden weitergehen. (dog, DER STANDARD/Printausgabe, 1805.2010)

Salzburg, Literaturhaus, 0662/ 42 24 11, 20.00

  • Anna Mitgutsch
    foto: peter von felbert

    Anna Mitgutsch

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