Paris lässt iranischen Mörder ausreisen

18. Mai 2010, 15:05
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Ali Wakili Rad, der 1991 Ex-Regierungschef Shapour Bachtiar im französischen Exil tötete, kommt frei

Paris - Die französische Regierung will den Mörder des ehemaligen iranischen Regierungschefs Shapour Bachtiar in den Iran ausweisen. Innenminister Brice Hortefeux werde noch am Montag die Ausweisungsanordnung für Ali Wakili Rad unterzeichnen, hieß es aus Kreisen seines Ministeriums in Paris. Bachtiar war noch unter dem Schah Regierungschef im Iran und hatte seit 1980 in Frankreich im Exil gelebt. Er war 1991 bei Paris ermordet worden.

Wakili Rad wurde drei Jahre später wegen der Tat in Frankreich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Am Dienstag steht ein gerichtlicher Haftprüfungstermin für den Iraner an, bei dem er freigelassen werden könnte. Die iranische Regierung hatte mehrfach seine Freilassung verlangt.

In Frankreich wird darüber spekuliert, ob die Ausweisung von Wakili Rad eine Gegenleistung für die Ausreise der französischen Universitätsdozentin Clotilde Reiss aus dem Iran sein könnte. Die 24-jährigen Französin hatte am Sonntag nach zehn Monaten nach Frankreich zurückkehren können.

Sie war von einem iranischen Gericht am Samstag wegen der Unterstützung der Massenproteste gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Diese wurde aber umgehend in eine Geldstrafe umgewandelt. Die französische Regierung hatte am Sonntag dementiert, dass es für die Ausreise von Reiss "Gegenleistungen" an den Iran gebe.

Ex-Geheimdienstler muss vor Gericht

Die französische Regierung hat einen ehemaligen Geheimdienstler wegen der Veröffentlichung seiner Memoiren geklagt. Der ehemalige Vizedirektor Maurice Dufresse (alias Pierre Siramy) habe das Berufs- und Verteidigungsgeheimnis verletzt, argumentiert Verteidigungsminister Hervé Morin nach einem Bericht der Nachrichten-Website lepoint.fr (Montag). Dufresse habe in seinem Buch "25 Jahre im Geheimdienst" auch die Identitäten ehemaliger Kollegen enthüllt.

Der Ex-Geheimdienstler behauptete zudem, dass die lange im Iran festgehaltene Französin Clotilde Reiss für den Geheimdienst gearbeitet habe. "Sie hat Informationen über die iranische Innenpolitik und die Weiterverbreitung von Atomwaffen gesammelt", sagte er am Sonntagabend dem Sender LCI. "Sie ist aber keine klassische Agentin gewesen, sondern lediglich ein Kontakt." Der Geheimdienst dementierte dies umgehend.

Reiss hatte eingeräumt, nach einem Praktikum in der französischen Atomenergiebehörde, für die ihr Vater arbeitet, einen knappen Bericht verfasst zu haben. Die 24-Jährige spricht fließend Farsi und arbeitete zuletzt als Französisch-Dozentin an der Universität von Isfahan. Der Iran hatte ihr am Sonntag nach knapp elf Monaten die Ausreise bewilligt. (APA)

 

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    Ali Wakili Rad (Mitte) verlässt das Gefängnis Poissy

  • Außenminister Bernard Kouchner präsentiert stolz die freigelassene Clotilde Reiss
    foto: epa/dolega

    Außenminister Bernard Kouchner präsentiert stolz die freigelassene Clotilde Reiss

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