Bub wieder zu Hause

16. Mai 2010, 20:23
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Einziger Überlebender von 104 Passagieren - Junger Niederländer am Samstag in heimisches Spital geflogen

Amsterdam/Tripolis - Der neunjährige Ruben, der als Einziger den Flugzeugabsturz in Tripolis mit 103 Toten schwer verletzt überlebt hat, ist wieder zu Hause in den Niederlanden. Er hatte bei dem Unglück am vergangen Mittwoch seine Eltern und seinen Bruder verloren. Das Kind landete am Samstag in einem Spezialflugzeug der libyschen Regierung auf dem Militärflugplatz von Eindhoven.

Unter den Toten befand sich auch ein österreichisches Ehepaar, das in Südafrika lebte. Der 69-jährige Mann hatte die südafrikanische Staatsbürgerschaft angenommen, seine um ein Jahr ältere Frau besaß einen österreichischen Pass.

Ruben hatte mehrere Beinbrüche sowie eine Gehirnerschütterung und Prellungen am Rücken erlitten. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus seiner Heimatstadt Tilburg gebracht. Der Neunjährige habe den Flug gut überstanden, teilte die zuständige Reiseorganisation ANWB mit.

An Bord der mit modernen medizinischen Geräten ausgestatteten Cessna 560 XL Citation waren neben dem libyschen Arzt, der Ruben in Tripolis operiert hatte, auch eine Tante und ein Onkel des Buben. Sie hatten Ruben im Krankenhaus behutsam über den Tod seiner Familie informiert. "Er weiß, dass seine Eltern und sein Bruder umgekommen sind", teilten Angehörige in einer Erklärung mit. "Es geht ihm den Umständen entsprechend gut."

Ruben hatte sich anfangs nicht an die Katastrophe erinnern können. Er war mit seinen Eltern und seinem elf Jahre alten Bruder auf dem Rückflug von einem Safari-Urlaub in Südafrika, als der Airbus A330-200 der libyschen Gesellschaft Afriqiyah Airways beim Landeanflug auf Tripolis abstürzte, in etliche Teile zerbrach und in Flammen aufging.

Das Interesse am Schicksal des einzigen Überlebenden, der in den Medien "Wunder von Tripolis" genannt wird, ist in den Niederlanden weiterhin sehr groß. Bei Rubens Landung in der Heimat war allerdings keine Presse zugelassen. Die Behörden entsprachen damit einem Wunsch der Angehörigen. "Wir haben noch eine schwere Zeit vor uns. Und wir hoffen, dass die Medien unsere Privatsphäre respektieren", hieß es in der Erklärung der Angehörigen. "Die gesamte Familie wird sich um Rubens Zukunft kümmern."

Zugleich dankten Rubens Angehörige den Ärzten und Krankenschwestern des El-Khadra-Krankenhauses in Tripolis für die Behandlung und die Betreuung des Jungen. "Das medizinische Team war fantastisch und sehr professionell." Auch die vielen Botschaften des Mitgefühls aus den Niederlanden und Libyen hätten Ruben sehr geholfen.

Die Suche nach der Absturzursache geht unterdessen weiter. Bisher stehe nur fest, dass es vor dem Aufprall der Maschine auf den Boden kein Feuer an Bord gegeben habe, erklärte der Vorsitzende der libyschen Untersuchungskommission, Nadschi Dhawan. Die Brandspuren am Absturzort seien die Folge eines Feuers, das nach dem Absturz ausgebrochen sei.

Außer dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder der Unglücksmaschine sollen die Aussagen der Besatzung eines italienischen Flugzeuges ausgewertet werden. Die Piloten der Alitalia-Maschine, die zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Rollfeld auf ihre Abfluggenehmigung warteten, hatten den Absturz aus nächster Nähe beobachtet. (APA)

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