Einschneidende Maßnahmen

16. Mai 2010, 19:54
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Eine Geschichte aus dem Jahr 1808 als Trost für schwierige Zeiten

Aus aktuellem Anlass gibt es heute eine Geschichte aus dem Jahr 1808. Da wurde der US-Matrose John Cummings mit erheblichem Bauchweh in das Guy's Hospital in London eingeliefert. Dem Arzt Alex Marcet, dem die Aufzeichnung der Episode zu verdanken ist, gestand Cummings, dass er (für einen Matrosen nicht ungewöhnlich) gern einmal über den Durst trinke.

Infolge dessen verfalle er aber dummerweise stets in Prahlerei. Konkret: Dass er Messer reihenweise verschlucken könne - was ihm die Zechkumpane aber nie glauben wollen. So habe er über die vergangenen zehn Jahre viele Messer verschlingen müssen, einmal gar 14 Stück auf einen Sitz. "Fast alle", so Cummings, seien nach angemessener Zeit auf natürlichem Wege wieder ans Licht gelangt, ohne dass er dadurch nennenswerte Beschwerden erleiden habe müssen.

Fast alle. Denn irgendwann, so Marcet, sei der "verblüffende Nachweis der Widerstandskraft von Magen und Gedärmen" nicht mehr gelungen, Cummings starb 1809 unter Schmerzen. Bei der Autopsie wurden etliche Klingen und andere Messerteile sichergestellt.

In Zeiten wie diesen, wo man sich vernünftigerweise auf allerhand Katastrophenszenarien einstellen muss, mag dies ein Trost sein: Der Mensch ist ein zacher Hund, der viel und lange aushält - selbst einschneidende Maßnahmen, von denen man sich vorerst kaum vorstellen kann, wie man sie dereinst durchdrücken wird. (corti, DER STANDARD - Printausgabe, 17. Mai 2010)

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