Der zweite Abschied

16. Mai 2010, 19:37
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Führungswechsel in der deutschen Linkspartei verlief geordnet - Dennoch: "Oskar" wird den Linken fehlen - von Birgit Baumann

Was für ein Unterschied! Als Oskar Lafontaine im März 1999 als Finanzminister und SPD-Chef einfach alles hinwarf, da waren die Parteimitglieder geschockt. Niemand jubelte ihm zu, kein Parteikollege stimmte noch einmal das große Loblied auf ihn an.

An diesem Wochenende ist Lafontaine zum zweiten Mal als Parteichef zurückgetreten, diesmal "verließ" er die Linkspartei. Dieser Führungswechsel verlief sehr viel geordneter. Dennoch: "Oskar" wird den Linken fehlen. Er war ihre Galionsfigur, ihm ist es zu einem großen Teil zu verdanken, dass die Linkspartei drei Jahre nach Parteigründung in 13 von 16 deutschen Landtagen vertreten ist, in Nordrhein-Westfalen sogar nach der Regierungsmacht greifen kann.

Die Stimmung ist - vordergründig - also nicht die schlechteste. Doch der erste Eindruck täuscht. Lafontaine geht, viele Probleme bleiben. Die Partei ist tief gespalten. In vielen Fragen stehen einander westdeutsche Fundamentaloppositionelle und ostdeutsche Pragmatiker verständnislos gegenüber. Die einen etwa verteufeln Privateigentum, andere können dem durchaus etwas abgewinnen.

Die Gräben wird die Programmdebatte zeigen, die die neue Führung jetzt leiten muss. Auch das ist Lafontaines Erbe: Seine Stärke war es, die Unzufriedenen aufzusammeln und mitzunehmen. Diese aber dauerhaft mit einheitlichen Grundsätzen an die Linkspartei zu binden, wird eine deutlich mühsamere Aufgabe werden. (DER STANDARD Printausgabe, 16.5.2010)

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