Schäl es, koch es oder vergiss es

16. Mai 2010, 18:55
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Infektionen mit Hepatitis A und E passieren oft auf Reisen, mangelnde Hygiene ist der Grund

Sie kann einem die Erinnerung an den Urlaub ziemlich verderben. Zwar ist eine Leberentzündung mit dem Hepatitis-A- oder -E-Virus für die meisten Menschen nicht so schlimm wie eine Hepatitis B, C oder D, weil die Krankheit nicht chronisch werden kann, trotzdem setzt sie Erwachsene wochenlang außer Gefecht. "Mit Hepatitis A oder E steckt man sich am häufigsten auf Reisen in Länder mit schlechten hygienischen Bedingungen an", sagt Ursula Wiedermann-Schmidt, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Tropenmedizin und Parasitologie. "Kranke scheiden die Viren mit dem Stuhl aus und können durch Schmutz- oder Schmierinfektionen die Krankheit übertragen. Man steckt sich am ehesten an, wenn man sich nach dem Toilettenbesuch nicht die Hände wäscht oder Speisen isst oder Wasser trinkt, die mit Kot verunreinigt sind."

Hepatitis A kommt überall auf der Welt vor, auch im südlichen Europa. In den Entwicklungsländern machen fast alle Menschen die Infektion im Kindes- oder Jugendalter durch. Reisende können sich zum Beispiel anstecken, wenn sie ungekochtes Gemüse, ungewaschenes Obst essen oder Leitungswasser trinken. Besonders riskant für Hepatitis-A-Infektionen ist der Genuss von Muscheln, Austern und Schalentieren.

Hepatitis E kommt in Nordafrika und Asien vor. "In den vergangenen Jahren kam es in Österreich immer wieder zu Hepatitis-A-Infektionen in sozialen Einrichtungen wie Kindergärten. Hier brachten möglicherweise Kinder mit Migrationshintergrund die Infektion mit." Das Hepatitis-A-Virus ist gegen Hitze, Kälte und andere äußere Einflüsse ziemlich resistent. Selbst wenn es zehn Stunden auf 60 °C erhitzt wird, kann es noch infektiös sein.

Keine Lapalie

"Eine Hepatitis-A-Infektion kann unbemerkt verlaufen, aber je älter man ist, desto schlimmer können die Beschwerden sein", sagt Wiedermann-Schmidt. Bei älteren Personen kann es sogar zum Tod kommen. Von einer akuten Infektion merken die meisten Kinder und einer von vier Erwachsenen nichts, die übrigen spüren die bekannten Vorzeichen (siehe Wissen). "Hat man Symptome und war im Ausland, sollte man sofort zum Hausarzt", rät die Infektiologin.

Bei einer akuten Infektion mit Hepatitis A oder E rät der Arzt meist zu Bettruhe, ein spezifisches Medikament gegen die Krankheit gibt es nicht. Wichtig ist, seine Mitmenschen zu schützen: sorgfältig Hände waschen und für ausreichende Hygiene auf der Toilette sorgen. In den meisten Fällen heilen Hepatitis A und E folgenlos aus. "Gefährlich kann aber vor allem eine Hepatitis E für junge Erwachsene und besonders für Schwangere werden - etwa jede fünfte stirbt daran."

Gegen Hepatitis A gibt es eine wirksame Impfung. Der Österreichische Impfplan empfiehlt sie Kindern vor dem Eintritt in den Kindergarten, außerdem Reisenden und medizinischem Personal, Kanalarbeitern und Mitarbeitern in Lebensmittelbetrieben.

Gegen Hepatitis E gibt es bisher noch keinen Impfstoff. "In den vergangenen Jahren führten zwei Pharmafirmen erste Studien mit Impfstoffen durch", sagt Rolf Hömke vom deutschen Verband forschender Arzneimittelhersteller. "Aber die Firmen stellten die Projekte ein." Der beste Schutz vor einer Hepatitis A und E ist immer noch der Rat vieler Reisemediziner: "Schäl es, koch es oder vergiss es." (Felicitas Witte, DER STANDARD Printausgabe, 17.5.2010)

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