TV-Gebühr unabhängig vom Gerät "notwendig"

16. Mai 2010 18:52

"Ein tödlicher Cocktail": Zasterfahnder aus 13 Ländern suchen Zukunft der Gebühren - Steuer für Rundfunk in Diskussion

Bonn/Wien - "Ein tödlicher Cocktail" für den Gebührenfunk braut sich da zusammen: Werbekrise und damit härterer Verteilungskampf mit den Privatsendern. Neue Onlinekonkurrenz. Schwindende Akzeptanz für Rundfunkgebühren gerade unter jungen Menschen. Und wenn öffentlich-rechtliche Programme auf Fernsehgeräten, Mobiltelefonen und PCs laufen - was zählt da noch als Empfangsgerät, wo beginnt die Gebührenpflicht?

Das Bild vom "tödlichen Cocktail" tauchte dieser Tage im schmucken Hotel Maritim in Bonn auf. Zasterfahnder aus 13 Ländern zerbrachen sich dort zusammen mit Wissenschaftern den Kopf über die Zukunft der Rundfunkgebühren in Zeiten der Medienkonvergenz. In Zeiten also, wenn Fernsehen keine Frage des Fernsehgerätes mehr ist.

Nach Bonn geladen hatte Jürgen Menedetter. Der Chef der ORF-Zasterfahndung GIS ist Präsident der Broadcasting Fee Association, in der die Gebührensammler aus 13 Länder ihre Erfahrungen und Perspektiven austauschen.

"Wir alle stimmen überein, dass die vom Empfangsgerät abhängige Rundfunkgebühr auf lange Sicht einer geräteunabhängigen Gebühr weichen muss. Ob das nun eine Abgabe für Haushalte, für Bürger oder gar eine Steuer ist": So fasste Manfred Kops die eineinhalb Tage Gebührendebatte zusammen. Kops leitet das Institut für Rundfunkökonomie in Köln.

Ostermayer skeptisch 

In Deutschland braucht die Sicht gar nicht so lange: Vor wenigen Tagen plädierte der deutsche Rechtswissenschafter Paul Kirchhoff in einem Gutachten für die deutschen Bundesländer für eine Haushaltsabgabe unabhängig vom Gerätebesitz (der Standard berichtete). Schon Anfang Juni wollen die dafür zuständigen Bundesländer darüber entscheiden. Erste Reaktionen auf Kirchhoffs Vorschläge waren positiv. 2013 könnte es in Deutschland ernst werden. 2013 will auch die Schweiz auf eine vom Gerät unabhängige Rundfunkgebühr umsteigen, hieß es bei der Konferenz. Auch in Norwegen plädiere ein Gutachten dafür. In Finnland war der Umstieg zwischen allen Parlamentsparteien akkordiert, der zuständige Minister sprach sich dafür aus - doch inzwischen geriet das Modell wieder "in die politische Debatte", klagte ein finnischer Experte. Vorerst scheint es dort nicht durchsetzbar.

Österreichs Parlamentsparteien diskutieren gerade ein neues ORF-Gesetz. Am Rundfunkgebührengesetz wird bisher nicht geschraubt. Dabei entgehen dem ORF laut GIS "im schlimmsten Fall" bis zu 25 Millionen Euro jährlich, seit der Verwaltungsgerichtshof entschied: Wer - etwa mangels ORF-Satkarte - den Küniglberg nicht empfangen kann, braucht nicht zahlen. So argumentiert auch Medienstaatssekretär Josef Ostermayer. Das Staatssekretariat wollte Kirchhoffs Gutachten aber prüfen.

"Vor ein paar Jahren hätte ich eine Rundfunksteuer indiskutabel genannt. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich mit der Idee anfreunden." Wolfgang Schulz, Rechtswissenschafter am renommierten Hamburger Bredow-Institut, war damit bei der Konferenz nicht allein. Wenn sich dennoch die Unabhängigkeit der Sender vom Staat garantieren lasse. Aber schon jetzt müssen deutsche Länderparlamente die Höhe der TV-Gebühren absegnen. "Verfassungsrechtlich begrenzter Spielraum" der Parlamente für eine zweckgebundene Steuer "könnte eine Lösung sein", findet Schulz.

Klaus Illgner-Fehns, Geschäftsführer des Münchner Institut für Rundfunktechnologie, sinnierte in Köln grundsätzlich über die Akzeptanz von Rundfunkgebühren: "Es ist leichter zu vermitteln, dass man für einen bestimmten Service zahlt als dafür, dass man ein Gerät besitzt." (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 17.5.2010)

TV-Gebühr mit der Stromrechnung
Wie Europäer für Rundfunk zahlen (Beispiele, Quelle: GIS)

  • Als Steuer: Niederlande, Frankreich
  • Mit der Stromrechnung: Griechenland, Türkei, Zypern
  • Mit der Telefonrechnung: Bosnien, Montenegro
  • Post hebt ein: Irland
  • Vom Rundfunk unabhängige Behörde/Firma (nach Ausschreibung) hebt ein: Schweiz
  • Tochter des Rundfunkunternehmens hebt ein: Österreich
  • Abteilung des Rundfunkunternehmens hebt ein: Norwegen, Dänemark, Italien
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
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bob langer
10.06.2010 18:02
dann auch

zwangsnetzkartenabgabe für alle die auch keine öffis benutzen

zwangsautobahnpickerl für alle, nicht nur autofahrer

zwangsparkplatzgebühr

usw.


da reden alle von kostenwahrheit und dann so eine
verallgemeinerung?

das ist die richtung in die die eu geht?

neben der zwangsabgabe für griechische löschteichbesitzer (steuercodewort für luxusschwimmbecken)

auch noch das alles

Deanna Troy
08.06.2010 17:16
ORF MISSBRAUCHT UNIVERSITÄT

Anwesenheitspflichtige Gastvorträge mit dem Titel "Gesellschaftlicher Wert der Medien" als 90 minütige Dauerwerbung misbraucht!

Bald haben wir eine PEPSI COLA Klasse ... widerlich!!!

Deanna Troy
08.06.2010 17:13
da fehlt was:

Australien: TV Sender sind Gratis.
USA: TV Sender sind Gratis, ausser ein paar Pay TV Kanäle

das 7te geißlein
21.05.2010 20:45
dem derzeitigen orf zahle ich keinen müden cent!

denn: da keine qualität, keine nutzung!
wenn qualität, dann gerne!

Martin Major
 
21.05.2010 14:06

ich will lieber nicht zahlen und keinen oder einen grindigen orf als zahlen und einen nicht ganz so grindigen orf, den ich nicht sehen will.

ich schau ihn höchstens aus versehen, wenn ich mal bei meinen eltern bin. mittlerweile bin ich ja tatsächlich rundfunklos. fantastisch, was man da plötzlich für zeitressourcen übrig hat! und das wird auch so bleiben, wenn ich mir ein schönes großes display zulege, und von einem elektriker den tuner ausbauen lasse. das will ich mir dan live geben, ob die gis mir dann einen gutachter schickt, der prüft, ob das display dann noch ein rundfunkempfänger ist.

Tintifax2000
21.05.2010 09:18
naja ...

... wäre ja noch alles okay, wenn der ORF seinem vielzitierten Bildungsauftrag nachkäme (... wir wärs mal damit das GESAMTE ursprünglich fremdsprachliche Programm im Zweikanalton anzubieten, hm? )
aber da der ORF - grossteils - ein Niveau hat wie RTL oder VOX (bis auf wenige ausgenommene Sendungen ...) muss ich mich schon fragen ...

Schnabeltierfresser
01.06.2010 00:53
Ich bin auch erst kürzlich draufgekommen,

aber mit ORF digital werden tatsächlich sehr viele Sendungen in Stereo UND Zweikanalton ausgestrahlt.

curayo
20.05.2010 18:41
Gute Idee...

Und dann machen wir auch eine fixe Gebühr für Zeitungen (man könnte ja eine Lesen), die Krone wird sich freuen. Ebenso eine Gebühr für Plakatwände (auch wenn man sie nicht sehen will), und eine Gebühr für die U-Bahn-Benützung. Österreichweit. Weil es könnte ja sein, dass auch Vorarlberger mal mit der U-Bahn fahren wollen.
Gebühren für Parteien, die man ja theoretisch auch mal wählen könnte halte ich hingegen für indiskutabel. Zu spekulativ.

Schnabeltierfresser
01.06.2010 00:54
Und

Stimmen für Parteien, die man ja theoretisch auch mal wählen könnte? Wäre doch ok?

bob langer
19.05.2010 20:06
dann kommt

als nächstes ein pflicht autobahnpickerl auch für alle die gar kein auto haben....
oder wie oder was?

irrwitz

Martin Major
 
21.05.2010 14:02

man könnte sich ja schnell eines kaufen. das ist kein großes technisches hindernis ...

Zaubersalz
18.05.2010 11:15
An dem Tag...

...an dem ein Gesetz mich verpflichtet für eine Leistung zu bezahlen die ich ohne gratis zur Verfügung gestellten Hilfsmitteln die ein Fernschauen im Internet und am Fernseher (inklusive das TV-Gerät selbst) ermöglichen nicht konsumieren kann, reiche ich Klage beim Verfassungsgerichtshof ein! Denn dann verlange ich als Unternehmer in meiner Ortschaft ebenfalls ein Entgelt von jedem Haushalt weil ich ja meine Diensleistung anbiete und man ja rein theoretisch diese Leistung auch von mir erhalten kann!

theBORG
17.05.2010 18:49
Keiner hat den ORF gezwungen, Teile des Programms ins internet zu streamen.

Das war nur ein plumper Versuch, GIS-Gebühr für Computer und Handies einzuheben.

Selber schuld, kein Mitleid (und ich sehe nicht mehr fern).

daarth
17.05.2010 17:31
GIS & Kirchensteuer:

Aus der Kirche kann man wenigstens austreten...

Teiwaz
17.05.2010 17:55
...und die GIS-Gebühr kann man auch einfach NICHT zahlen.

osservatore
17.05.2010 16:48
alles schwachsinn

es gibt keine objektive berichterstattung - der orf ist die phanlangs des parlamentes - ich sehe nicht ein, warum ich zum xten mal dafür blechen soll !

Martin Major
 
21.05.2010 14:03

phallanx. nicht von ungefähr die ähnlichkeit zum phallus.

AlBundyFan
 
17.05.2010 16:41
welcher jugendliche hat den den bericht geschrieben?

auch wenn man, wie ich, gegen zwangsgebühren ist - das wort zasterfahner klingt doch sowas von deppat. wer kommt den auf den blödsinn?

außerdem wäre ein zasterfahner wohl eher jemand der die beute aus einem banküberfall zu finden versucht oder die leute, die den hypo-skandal untersuchen.

OttotheBusdriver
17.05.2010 21:06
Journalistenprosa

Das muß so sein!

Ebenso ist es unerläßlich, einen Lastkraftwagen als "Brummi", ein Fahrrad als "Drahtesel" sowie öffentliche Verkehrsmittel als "Öffis" zu bezeichnen.

Wer Steuern zahlt, ist selber schuld!
 
17.05.2010 16:30
Im Klartext:

Man will auch von jenen kassieren, welche die "Leistung" überhaupt nicht in Anspruch nehmen können- einfach auf den pauschalen Verdacht hin, dass sie ja die Leistung in Anspruch nehmen KÖNNTEN.

Roter Meerrettich
17.05.2010 16:03
ORF und politische Unabhängigkeit...

...ist wie ein Furz ohne Hintern - kann es also eigentlich nicht geben und wird es auch niemals geben.
Und darum sofort privatisieren.
Warum soll ich einen Werbesender für politische "Dillodanten" finanzieren???

Und was der ORF als Bildungsauftrag versteht HAHAHAH...
Chilli für Schnarchnasen etwa???

Fred Wirtschaftsflüchtling
17.05.2010 15:12
Bin ich im Museum?

Gebühr ist echt OUT und Gebühr muss etwas aus dem Mittelalter sein. So wie Leibeigenschaft oder Sklaverei oder Recht-auf-die -erste-Nacht.
Gibt es eigentlich sonst noch wo Gebühren?
Wenn ein Produkt gut ist, kann es verkauft werdenundhat seinen Preis.
Aber Wegelagerer und Raubritter am Highway der Medien ist echt unangebracht.

Der 0 Standard
17.05.2010 14:46
US-TV

die USA haben keine rundfunkgebühren - und daher auch keine (relevanten) öffentlich-rechtlichen sender. das ist eine möglichkeit, die frage ist: wollen wir das so haben?

David Mungo
17.05.2010 15:52
Richtig, nur könnte man die Frage noch etwas präziser formulieren:

Wollen wir lieber nichts zahlen und keinen ORF oder schon zahlen und dafür ORF. Die Entscheidung würde mir nicht ganz leicht fallen, aber ich würde mich dann letztendlich doch gegen den ORF entscheiden. Ist zwar ein toller Sender, aber so viel Geld ist er mir trotzdem nicht wert.

thomasthomasthomas
17.05.2010 17:09
???

Der ORF ist ein toller Sender?
Na dann.

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