Monarchie gerät in Bedrängnis

16. Mai 2010, 18:43
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Bisher griff König Bhumibol in Konflikte stets schlichtend ein, heute schweigt er

Vor drei Wochen trat König Bhumibol Adulyadej das letzte Mal öffentlich auf - in jenem Krankenhaus in Bangkok, in dem der schwerkranke 82-Jährige seit vergangenem September lebt. Dabei ermahnte der greise Monarch frisch angelobte Richter, sich streng an die Gesetze zu halten. Über den Aufstand der Rothemden aber, bei dem es nur Tage zuvor die ersten 25 Toten gegeben hatte, verlor er kein Wort. Und das, obwohl viele Thais so sehr darauf gehofft hatten.

Seit beinahe 64 Jahren sitzt König Bhumibol nun schon auf dem Thron, er ist das längstdienende Staatsoberhaupt der Welt. Mehrfach hat er in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen schlichtend eingegriffen; bei Studentenprotesten 1973 und zuletzt 1992, als Thailand ebenfalls am Rande eines Bürgerkriegs stand und hunderte Demonstranten im Kugelhagel des Militärs starben. Bhumibol ließ in die Enge getriebenen Demonstranten die Tore zu seinen Palastgärten öffnen. Danach bat er den Premier, General Suchinda Kraprayoon, und Oppositionsführer Generalmajor Chamlong Srimuang zur Audienz und nahm ihnen - ebenfalls in Generalsuniform - das Versprechen ab, den Konflikt friedlich beizulegen.

Fufu - Pudel und Offizier

Ähnliches hätten sich viele Thais auch jetzt erwartet. Doch Bhumibol scheint nicht mehr in der Lage oder willens, tatkräftig einzugreifen. Und seinem Sohn, Kronprinz Vajiralongkorn, werden weder Reputation noch Fähigkeiten nachgesagt, um die Staatskrise lösen zu können. Er sei unberechenbar und exzentrisch, heißt es in Bangkok. In den 1980er-Jahren sei der heute 57-Jährige dem organisierten Verbrechen zu nahe gekommen. Und heute kümmere er sich mit Inbrunst vor allem um seinen Pudel Fufu, der einen Offiziersrang bekleiden und gelegentlich an Staatsbanketten teilnehmen soll.

Viele Experten prognostizieren, dass im Konflikt zwischen Establishment und Rothemden die thailändische Monarchie großen Schaden nehmen, wenn nicht ganz untergehen könnte. Über eine Reform der konstitutionellen Monarchie nach britischem Vorbild wird spekuliert. Was auch immer kommt: Bhumibol bleibt mit einem geschätzten Privatvermögen von über 30 Milliarden Dollar der reichste Mann Thailands und reichster Monarch der Welt. (pra/ DER STANDARD Printausgabe, 17.5.2010)

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