"Importe verwässern Ökoziele"

16. Mai 2010, 18:37
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Studie: Biosprit soweit als möglich aus EU-Quellen

Brüssel/Wien - Als im Sommer vor zwei Jahren die Lebensmittelpreise explodierten und dafür die zunehmende Verwendung biogener Treibstoffe als Substitut für fossile Energien verantwortlich gemacht wurde, gab die EU-Kommission vier Studien in Auftrag. Diese sollten untersuchen, welche Auswirkungen die Beimischungsziele haben. Bekanntlich sollen bis 2020 in der EU zehn Prozent des Sprits aus nachwachsenden Rohstoffen stammen.

Die erste der vier Studien liegt nun vor und zeigt, dass der derzeitige Grad von Beimischung - fünf Prozent - zu keinen Problemen führt. Allerdings dreht sich dieses Bild mit steigendem Beimischungsgrad. Da laut Studie die EU zunehmend auf Importe, vor allem auf Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr, angewiesen wäre, steigen auch die nicht erwünschten Effekte wie zunehmende Landnahme von landwirtschaftlich unberührten Gebieten, etwa in Brasilien. Auch steigen aufgrund des weiten Transports die Treibhausgasemissionen der ansonsten klimaneutralen biogenen Treibstoffe.

Spekulation ist wahrer Preistreiber

Entwarnung gibt die Studie, was die Lebensmittelpreise betrifft. Diese dürften noch relativ lange unberührt von Biosprit und Co sein. Die Studie, die vom US-Thinktank International Food Policy Research Institute erstellt wurde, geht davon aus, dass die Spekulation mit Agrarrohstoffen mehr zu Preisausschlägen nach oben führt als die "Verspritung" von Getreide, Mais und Zuckerrübe.

Agrana-Chef Johann Marihart, der in Pischelsdorf Österreichs einzige Bioethanolfabrik betreibt, sieht kein Problem, wenn die EU angesichts dieser Ergebnisse ihre Beimischungsziele bis 2020 vorantreibt. Er gehe davon aus, dass die EU die notwendigen Rohstoffe weiterhin mehrheitlich selbst aufstellen könne, sagt er. "Es gibt genügend europäische Quellen", sagt er, "es gibt in der EU aufgrund der aufgehobenen Flächenstilllegungen wieder Getreideüberschüsse". Auch wegen der Zuckerrübenreform, bei der die EU ihre Zuckerüberschüsse zurückfährt, gebe es genügend Fläche für einen Anbau von Rohstoffen für Biosprit und -diesel.

In der Studie wird vorgeschlagen, ein Zertifizierungssystem voranzutreiben, das Sicherheiten in Bezug auf Umwelt- und Sozialstandards auch von importierten Agrarrohstoffen oder Ethanol erlaubt. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2010)

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