Andritz bleibt dabei

Ilisu-Staudamm: Bauriesen springen ab

Verena Kainrath, 16. Mai 2010 18:33

Andritz hält beim umstrittenen Dammprojekt in der Türkei als einziger europäischer Konzern die Stellung

Andritz hält beim umstrittenen Dammprojekt in der Türkei als einziger europäischer Konzern die Stellung. Züblin und Alstom steigen aus. Seit Frühjahr wird am Tigris trotz internationaler Kritik wieder gebaut.

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Wien - Der steirische Anlagenbauer Andritz steht bei seinem Engagement für den umstrittenen türkischen Staudamm Ilisu in Europa allein auf weiter Flur. Der Ausstieg westlicher Kreditversicherer ließ die Exportfinanzierungen der Banken versiegen, neben der Deka Bank und Société Générale nahm die Bank Austria ihre Kreditzusagen zurück. Nun wird das Projekt auch der Baubranche zu unsicher: Sowohl Alstom als auch die Strabag-Tochter Züblin steigen aus.

Die fehlende Finanzierung mache das Risiko zu hoch, sagt Strabag-Sprecherin Diana Klein. Züblin habe sich aus dem Bau daher zurückgezogen und sei derzeit dabei, die entsprechenden vertraglichen Regelungen zu treffen. Türkische Betriebe übernehmen ihre Arbeiten, geht aus einem aktuellen Bericht des tschechischen Generalkonsuls der Türkei hervor.

Bau wurde 2009 gestoppt

Alstom hätte Teile der elektromechanischen Ausrüstung inklusive der Schaltanlagen liefern sollen. Es sei dabei um eine stattliche Auftragssumme gegangen, und die Entscheidung gegen Ilisu sei schwergefallen, sagt Gabriele Eder, Konzernsprecherin in Österreich. Der Ausstieg sei jedoch definitiv - Andritz entwickle das Projekt künftig allein federführend weiter.

Die Steirer stellen für den Staudamm Generatoren und Turbinen im Wert von mehr als 230 Millionen Euro bereit und übernehmen nun auch die Aufträge der Alstom, bestätigt der Bericht des Generalkonsuls. Man wolle Ilisu und bleibe dran, heißt es aus der Zentrale in Graz, auch wenn es sich zeitlich nicht mehr einschätzen ließe.

Der Bau des fast zwei Kilometer langen Damms, der mehr als zehn Mrd. Kubikmeter Wasser aus dem Tigris aufstauen soll, wurde 2009 nach massiver internationaler Kritik gestoppt. Tausende Menschen müssten abgesiedelt und historische Kulturgüter zerstört werden. Umweltschützer warnen vor verheerenden Folgen. Entsprechende Auflagen wurden nicht erfüllt.

Suche nach Geldquellen

Das Areal ist seither abgeriegelt und besticht durch hohe Militärpräsenz. Seit Frühjahr dieses Jahres wird wieder gebaut, türkische Firmen arbeiten etwa an Tunneln und Pfeilern. Und die Regierung versucht, die durch den Ausstieg europäischer Banken entstandene Finanzlücke selbst zu füllen.

Nach dem Absprung von Züblin und Alstom sei Andritz das Zünglein an der Waage, sagt Ulrich Eichelmann, der Konzern habe es in der Hand, ob Ilisu auf Eis gelegt werde - denn kündige er die Verträge, müsse neu ausgeschrieben werden. Ein Prozedere, das mehr als ein Jahr dauern würde. Eichelmann, früherer Wasserexperte des WWF und nunmehr Chef des NGO ECA Watch, kämpft seit Jahren gegen den Damm. Andritz agiert aus seiner Sicht nicht nur als bloßer Auftragnehmer eines Projekts, das internationalen Standards widerspreche, sondern bringe auch das dafür entscheidende Geld mit. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2010)

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14 Postings
Cody McFadyen
16.06.2010 18:37
profit weniger für leid vieler

das alstom und züblin ausgestiegen sind, dürfte perverserweise andritz sogar noch ziemlich gut passen. die machen sogar profite dadurch, dass andere unternehmen etwas mehr über ihre verantwortung nachdenken als sie selber.

schade das andritz ihren firmensitz nicht in ilisu hat, da würde kein mitarbeiter mehr für dieses projekt arbeiten wollen...

mehmetali erbil
17.05.2010 00:50
Der ...

Staudamm wird gebaut. Auch ohne Europäische Unterstützung. Basta.

artista
16.05.2010 22:50
bitte mitmachen

ein protestmail an andritz senden erhöht den druck im inland ungemein und kostet nur ein paar minuten zeit.

es reicht z.B: andritz raus aus der türkei

an petra.wolf@andritz.com

Herzerzog Johann
17.05.2010 09:23
Andritz ...

... wird jeglicher "Druck" völlig egal sein. Irgendwelche E-Mails sind ja außerdem ein gaaanz starkes Druckmittel ....

¤
16.05.2010 23:00

Warum sollte ich das machen? Ein Wasserkraftwerk ist mir weitaus lieber als ein Kohlekraftwerk. Das es keine Lösung ganz ohne Nachteile geben wird sollte jedem klar sein.

..|..
17.05.2010 09:51
Ein Wasserkraftwerk, das den Wasserhaushalt einer ganzen Region zerstört

ist kein gutes Wasserkraftwerk.

Dazu noch die Umsiedelungen und kulturellen Zerstörungen.

Es gäbe so viele Alternativen der Nutzung erneuerbarer Energien!

Kubilay Aslan
17.05.2010 12:25

Die frage ist nur, sind sie rentabel genug um Wirtschaftlich zu arbeiten.

Die Menschen in der Region können nicht viel abdrücken.Die Benzin Preise in der TR liegen bereits auf Deutschland Niveau, obwohl der Durchschnittslohn dort um mehr als die Hälfte niedriger ist.
Für Wasser wird da auch tüchtig abgedrückt.Die Fleichprodukte sind wiederum doppelt so hoch wie im Eu Raum

Erzählen sie diesen Menschen mal,dass nun der Strom aus ihrer Steckdose um ein vielfaches Teurer werden soll weil einige Luxusumweltschützer denen es gut geht sich mehr Gedanken um das Gestrüpp um die ecke machen als um ihr Leben

Für einige Veganer,Umweltschützer, Kohlebergarbeiter mag es sich wie ein Paradies anhören.Aber der Eindruck täuscht,wenn man damit leben MUß

vandermonde
20.07.2010 13:20
Zwar sind mehrere kleine Staudämme teurer ...

...allerdings nur kurzfristig gesehen, da die Risiken bei Großstaudammprojekten wesentlich größer sind. Angefangen von möglichen induzierten Erdbeben (Kariba Dam, Hoover Dam, Assuan Dam) bis zu Destabilisierungen der angrenzenden Hänge. Außerdem wird die gewünschte Leistung durch Versandung entweder nicht erreicht oder sie fällt schneller als vorhergesehen ab (Gezhouba Dam, Assuan Dam). Ganz abgesehen von den ökologischen Folgen unter anderem durch die Überflutung von kontaminierten Gebieten (Städte, Industrieanlagen, Deponien usw.) oder auch ungerodeter Wälder.

Aus diesem Grund werden in (weiter) westlichen Industriestaaten solche Projekte auch nicht mehr durchgeführt.

imir
16.05.2010 21:57

Verglichen mit Firmen wie Andritz ist die Ehrenwerte Gesellschaft tatsächlich ehrenwert.

Die Gezeichneten
16.05.2010 21:29

Dieser Staudamm wäre, wenn gebaut, eine einzige Katastrophe: Zwangsumsiedelungen, Zerstörung von einzigartigem Kulturgut (römische Thermen...), gigantische Eingriffe in die Natur....bereits als unwirtschaftlich eingestuft ein reines Prestigeobjekt der Türkei!

mehmetali erbil
19.05.2010 03:15
Wieso?

"Dieser Staudamm wäre, wenn gebaut, eine einzige Katastrophe"
- Wenn Sie meinen.

"Zwangsumsiedelungen"
-Gibts überall auf der Welt.

"Zerstörung von einzigartigem Kulturgut (römische Thermen...)"
- Die Römer gibt es schon lange nicht mehr und auf Ewig kann man das Geröll auch nicht schützen. Die Natur sorgt dafür, dass diese angeblichen Therme von selber verschwinden.

"gigantische Eingriffe in die Natur"
- Jetzt übertreiben Sie aber.

"....bereits als unwirtschaftlich eingestuft"
- komischer Weise immer von den Gegnern.

"ein reines Prestigeobjekt der Türkei!"
- Die Türkei bezahlt ihn letzten Endes und Wasser wird irgendwann mal in der Region wichtiger als Öl.

¤
16.05.2010 23:03

Zwangsumsiedelungen: Haben wir in Österreich genauso (Autobahnbau usw.).

Zerstörung von einzigartigem Kulturgut: Immer noch besser als Zerstörung unserer Umwelt mit Kohlekraftwerken (die durch Wasserkraft ersetzt werden könnte).

Gigantische Eingriffe in die Natur: Siehe oben. Eingriff ist wenigstens lokal begrenzt und trägt nicht zur globalen Klimakatastrophe bei.

Bereits als unwirtschaftlich: Ob sich das Ganze finanziell rechnet oder nicht dürfte wohl primär das Problem der Türkei sein, und nicht unseres hier in Europa.

platz, hirsch!
16.05.2010 19:46
andritz pfui!

geld stinkt. tatsächlich! für mich ist andritz nun so ähnlich konnotiert, wie zb noricum oder ... kärnten. für geld macht man nicht alles!

Die Gezeichneten
16.05.2010 21:29

Ich denke, genau das Gegenteil ist der Fall: Geld stinkt NICHT...

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