Neue Links-Spitze hofft auf Regierungsbeteiligung

16. Mai 2010, 18:09
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Rot-Rot-Grün soll, wenn es nach Lötzsch und Ernst geht, schon bald in Düsseldorf regieren

Rostock/Berlin - Die Linkspartei in Deutschland hat eine neue Doppelspitze: Die Ostberliner Haushaltsexpertin Gesine Lötzsch (48) und der bayerische Gewerkschafter Klaus Ernst (55) lösten am Wochenende am Parteitag in Rostock das bisherige Führungsduo Oskar Lafontaine (66) und Lothar Bisky (68) ab.

Vor allem Lafontaine, der wegen seiner Krebserkrankung aufhört, fiel der Abschied nicht leicht. In seiner letzten Rede als Parteichef erinnerte er noch einmal an die Erfolge der Linkspartei, die 2007 durch den Zusammenschluss der ostdeutschen PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) und der westdeutschen WASG (Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit) hervorgegangen war. Lafontaine: "Wir haben in Deutschland das Fünf-Parteien-System etabliert, das erfüllt mich mit Dankbarkeit."

Den Nachfolgern gab Lafontaine gleich noch einen Auftrag mit: "Wir sind bereit, eine rot-rot-grüne Koalition mitzumachen." Wenn "der Sozialabbau in Deutschland verbindlich im Bundesrat gestoppt wird" , dann werde die Linke in Nordrhein-Westfalen mit der SPDund den Grünen koalieren. Im bevölkerungsstärksten Bundesland Deutschlands hatte die Linkspartei am 9. Mai den Einzug in den Landtag geschafft, weder Sozialdemokraten noch Grüne haben eine Zusammenarbeit mit ihr ausgeschlossen.

Triumph für Lötzsch, Vorbehalte gegen Ernst

Auch die neuen Chefs wollen, dass die Linke in Düsseldorf mitregiert. "Das muss, wenn es uns gelingt, einen vernünftigen Koalitionsvertrag auszuhandeln, ein Erfolgsmodell werden" , sagt Lötzsch. Ernst betont ebenfalls, er wolle den Kurs von Lafontaine weiterführen. Erste Gespräche zwischen Sozialdemokraten und Linkspartei sind in Düsseldorf für Ende dieser Woche geplant.

Bei der Wahl der neuen Chefs gab es dann fast nur strahlende Gesichter. Lötzsch freute sich über 92,8 Prozent - mehr, als Lafontaine bei seiner Wahl erhalten hatte. Ernst war sichtlich froh, immerhin 74,9 Prozent der Delegiertenstimmen zu bekommen. Gegen ihn gibt es vor allem in Ostdeutschland Vorbehalte, viele hatten mit einem deutlich schlechteren Ergebnis für ihn gerechnet. Ein letztes Winken, eine feste Umarmung von Fraktionschef Gregor Gysi, dann trat Lafontaine ab. Seine letzte Botschaft: "Macht's gut, macht's besser!" (DER STANDARD Printausgabe, 17.5.2010)

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