Bruderkampf um Labour

16. Mai 2010, 18:06
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Zwei Brüder streiten um den Posten des Parteichefs und Oppositionsführers. Inhaltlichen Differenzen? Vorerst nicht bekannt

Tories und LibDems bieten politisch interessierten Briten dieser Tage die aufregende Neuerung der ersten Koalitionsregierung seit dem Zweiten Weltkrieg. Aber auch bei der Labour Party tut sich einiges. Ihre Premiere lautet Bruderkampf: Um den Parteivorsitz und damit die Rolle als Chef Ihrer Majestät loyaler Opposition bewerben sich die Brüder David und Ed Miliband, 44 und 40 Jahre alt.

Wie das gehen soll? "Die Familie ist wichtiger als die Politik" , sagt David, der Ältere. "David ist mein bester Freund" , behauptet Ed. Die brüderliche Rivalität werde nicht in Unfreundlichkeiten ausgetragen, beteuern beide und begnügen sich in der Öffentlichkeit mit Sticheleien. David gibt den Staatsmann: "Wen auch immer die Partei wählt, der muss als Premierminister glaubwürdig sein" , sagt der frühere Außenminister, führt seine größere Erfahrung ins Feld. Die Partei brauche "die breitestmögliche Diskussion über neue Ideen" , findet Ex-Klimaschutzminister Ed - eine Anspielung auf Davids hastig verkündete Kandidatur, die andere Bewerber abschrecken sollte.

Die Bewerber um Gordon Browns Nachfolge - den Milibands dürften sich auch Ex-Bildungsminister Ed Balls sowie der Parteilinke Jon Cruddas zugesellen - distanzieren sich mehr oder weniger deutlich von den 13 Regierungsjahren unter Brown und dessen Vorgänger Tony Blair. "Wir hatten unseren Drive verloren" , glaubt Ed Miliband. "Wir hatten uns nicht genug erneuert" , assistiert sein Bruder. Inhaltliche Differenzen bleiben einstweilen verschwommen. Manche Beobachter glauben gar, es gebe keine.

Tatsächlich scheint der Hauptunterschied zwischen den Brüdern in ihren jeweiligen Förderern zu bestehen. David diente Tony Blair als Abteilungsleiter für Grundsatzfragen in der Downing Street, ehe er 2001 für den nordenglischen Wahlkreis South Shields ins Parlament einzog und rasch erste Regierungsposten bekleidete. 2005 berief ihn Blair erstmals ins Kabinett. Im gleichen Jahr kam Ed Miliband als Abgeordneter ins Unterhaus, nach einer langen Karriere als enger Berater des damaligen Schatzkanzlers Gordon Brown. Als Brown 2007 Premier wurde, nahm er beide Milibands ins Kabinett, das erste Brüderpaar seit 1938.

David und Ed wuchsen in einer hochpolitischen Familie auf. Ihre Großeltern flohen vor der Judenverfolgung in Polen nach Belgien, ihr Vater Ralph schaffte 1940 den Sprung über den Kanal nach England, wo er sich einen Namen als marxistischer Politologe machte. Ihre inzwischen verwitwete Mutter werde sich wohl der Stimme enthalten, sagt David. Ed weiß es besser: "Sie hat ja zwei Stimmen." Tatsächlich dürfen sowohl alle Parteimitglieder als auch die drei Millionen Anhänger der Labour-assoziierten Gewerkschaften ihre Stimmen abgeben. Das Ergebnis wird wohl auf dem Parteitag in Manchester im Herbst verkündet. (DER STANDARD Printausgabe, 17.5.2010)

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    Die Milibands: David (44, hinten) ist ein Protegé Tony Blairs, und Ed (40) machte unter Gordon Brown Karriere.

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