Reform der Feiertage als (ein) Weg aus der Krise

16. Mai 2010, 17:58

Die Realität der Arbeitswelt und besser gestaffelte Ruhezeiten sollten in Kombination mit ökonomischen Vorteilen Maßstäbe einer neuen Feiertagsordnung sein

Die Wiener Grünen haben den Vorschlag gemacht, den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai des Jahres in einen Feiertag zu verwandeln. Feiern kann man anders: Zum Beispiel durch eine differenzierte ORF-Doku - jedes Jahr mit anderen Aspekten. Oder in den Schulen mit einer gut inszenierten Geschichtsstunde.

Aber ein zusätzlicher Feiertag (dessen Hintergrund nach wenigen Jahren keiner mehr weiß) ist eine Schnapsidee. Im Gegenteil. Gerade im Zeichen der Krise sollte an eine Reform der Feiertagsordnung gedacht werden.

Berechnungen der Wirtschaft auf der Basis einer Einsparung von vier Feiertagen in der Mitte der Woche schwanken zwischen einem Wachstumseffekt von 0,3 bis 0,5 Prozent. Je nachdem, wie man reformiert und in welchem Ausmaß beispielsweise der Tourismus (weniger lange Wochenende) betroffen wäre.

Obwohl man in Österreich ähnlich wie bei der Verwaltungsreform auf massivsten Widerstand stoßen würde, sollte darüber diskutiert werden. Bis hin zur Frage, ob bessere Rhythmen nicht auch das psychosomatische Gleichgewicht stärken könnten.

Viele Feiertage, vor allem kirchliche, wurden willkürlich festgesetzt. Ein Beispiel ist Allerheiligen. In den orthodoxen Kirchen wird das "Fest aller Heiligen" am ersten Sonntag nach Pfingsten gefeiert, in der römisch-katholischen längere Zeit am ersten Sonntag nach Ostern, bevor Papst Gregor IV. 835 den 1. November festlegte. In den Niederlanden wurde dieser Feiertag 1960 abgeschafft, in Schweden und Finnland lange davor auf den Samstag zwischen 31. Oktober und 6. November fixiert. In Deutschland wurde in den 90er-Jahren als Beitrag zur Finanzierung der Wiedervereinigung der Buß- und Bettag abgeschafft.

Diesen Beispielen könnte Österreich folgen. Zum Beispiel Feiertage auf den Samstag verlegen: statt Pfingstmontag den Samstag davor, Fronleichnam als Traditionsfest der Kirche auf den folgenden Samstag. Zu Weihnachten wäre statt des Stephanitages der "Heilige Abend" ein geeigneteres Feiertagsdatum. Zu Ostern wäre ein Block von Karfreitag bis Sonntag gut.

Abschaffen könnte man den 6. Jänner, den ersten Mai (Aufmärsche halt ab 18 Uhr), Christi Himmelfahrt, 15. August (Maria Himmelfahrt) und 8. Dezember (Maria Empfängnis).

Den Nationalfeiertag am 26. Oktober müsste man belassen, weil es auch einen staatlichen Festtag geben sollte, der im Dienst der österreichischen Identität wirken kann.

Die Realität der Arbeitswelt und besser gestaffelte Ruhezeiten sollten in Kombination mit ökonomischen Vorteilen Maßstäbe einer neuen Feiertagsordnung sein.

Eines der Gegenargumente wird sein, dass man den arbeitenden Menschen in einer Zeit der massiven Beschleunigung keine Feiertage wegnehmen sollte. Diesem Einwand könnte man durch die Einführung von zwei speziellen Ruhetagen pro Jahr begegnen, die überprüfbar in Gesundheitszentren und Wellness-Einrichtungen verbracht werden müssten. Eine Möglichkeit ähnlich dem Bildungsurlaub. Und unabhängig vom Kurbetrieb. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 17.5.2010)

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JohnFSebastian
00
13.7.2011, 01:16

"Diesem Einwand könnte man durch die Einführung von zwei speziellen Ruhetagen pro Jahr begegnen, die überprüfbar in Gesundheitszentren und Wellness-Einrichtungen verbracht werden müssten."

JAWOLL, mein führrärr! alles gut orrrganissierrt! in rrreih untt glied angäträttän zum ÄRRHOLEN!

sonst geht's noch?

JohnFSebastian
01
13.7.2011, 01:12
die wahrheit liegt woanders

wäre unsere arbeitswelt besser und vor allem humaner und sozialkompatibler organisiert, wären feiertage gar nicht notwendig; denn dann könnte man ganz nach bedarf und nach bestimmten berechnungsschlüsseln freie tage oder perioden individuell festlegen.

dazu bedürfte es natürlich einer solidargesellschaft, in der arbeitgeber ihre angestellten/arbeiter nicht als lohnsklaven betrachten, die man lästigerweise wie menschen zu behandeln hat und die dankbar sein müssen, überhaupt arbeiten zu dürfen statt dieser soziopathischen geiz-ist-geil- und egozentrischen abzocker-imbecilokratie!

Ausgeflippter Lodenfreak
04
17.5.2010, 19:43

Ganz abgesehen davon wie abwegig die Forderungen angesichts der Arbeitsrealität in Ö sind und ob sie wirklich ernst gemeint sind, halte ich die Prämisse, dass die positiven Auswirkungen einer Arbeitszeitverlängerung auf das Wirtschaftswachstum größer sind als die negativen (fallende Produktivität, fallender Konsum, mehr Krankheiten, usw.) für gewagt.
Ich denke sogar, dass angesichts des steigenden Drucks und der Geschwindigkeit in den Jobs das Gegenteil wesentlich wahrscheinlicher ist und man den Urlaub oder die Feiertage vermehren sollte um positive volkswirtschaftliche Effekte zu erzielen.

Shrike
03
17.5.2010, 19:16
Ja klar Herr Sperl!

Die Feiertage sind natürlich schuld daran, dass betrügerische Spekulanten das Wirtschaftssystem beinahe in den Abgrund gerissen haben. Durch das Einsparen von Allerheiligen werden wir in Zukunft terroristische Angriffe auf unsere Währung in den Griff bekommen, gegen die vor zu gehen unsere Politiker zu feig sind. Ja, genau Herr Sperl.

F F
00
20.5.2010, 08:17
Es lebe die Leistungsgesellschaft

Gegen manche Journalisten heben sich die Politiker positiv hervor

locken
61
17.5.2010, 18:42
Die ausgetretenen und nicht Christen haben nichts zu feiern und daher auch keinen Anspruch auf Lohn bei Christlichen Feiertagen !

HoJo
00
19.5.2010, 12:01
einverstanden

dann sollen Ausgetretene halt ihr eigenen Feiertage im gleichen Ausmaß wie die kirchlichen festlegen und an diesen bezahlt frei haben.

luquas
02
17.5.2010, 20:55

Regen Sie sich nicht unnötig auf, denn es sind einzig gesetzliche Feiertage arbeitsfrei und nicht kirchliche. Einzige Ausnahme ist der Karfreitag, der an religiöse Konfessionen gebunden ist.

sw16
00
17.5.2010, 18:16
die Wege aus der Krise schauen anders aus

Lieber Hr. Sperl, mit Ihrem Artikel haben Sie uns wiederum eindeutig vor Augen geführt welch geistig Kind Sie sind.

Wir arbeiten um leben zu können und wir leben Gott sei Dank nicht schlecht.

locken
50
17.5.2010, 18:06
Lohnabzug

Den Leuten die aus der Kirche ausgetreten sind und den Personen die nicht den christlichen Glauben haben für diese gibt es für die christlichen Feiertage Lohnabzug und keinen Feiertagszuschlag.Denn wenn ich nicht beim Tennisclub bin kann ich auch nicht mit spielen !!!!

JohnFSebastian
10
13.7.2011, 01:07
okay...

... dann aber:
- verpflichtend an allen tagen (auch weihnachten) offene geschäfte für atheisten und die möglichkeit, an diesen tagen amtswege zu erledigen
- keine religionssendungen im öffentlich-rechtlichen tv
- sofortige beendigung des antidemokratischen konkordats
- entfernung ALLER religiösen symbole aus sämtlichen öffentlichen gebäuden
- kein freier 1. mai mehr für katholiken
- strenges verbot der einmischung in staatliche oder nichtkirchliche angelegenheiten durch katholiken und/oder priester, inkl. verbot öffentlicher auftritte kirchlicher würdenträger in staatlichen, auch von atheisten bezahlten medien wie dem orf
- keine staatlichen förderungen mehr für kirchliche institutionen
- keine weihnachtsdudelmusik mehr in geschäften, ämtern et

JohnFSebastian
00
13.7.2011, 01:08

... etc.

wenn DAS alles erfüllt ist, können wir über deinen "vorschlag" gerne reden.

petrarca
00
17.5.2010, 17:59
Der Vollständigkeit halber....

Die Grünen wollten den 8. Mai statt dem 26. Oktober als Feiertag und nicht zusätzlich.

Sperls humoristische Kommentare waren auch schon mal besser.

Hans Meiser2
01
17.5.2010, 18:18
Wie sehr wir Arbeitnehmer unter Stress stehen...

...und den Wirtschaftstreibenden ALLES zutrauen, sieht man sehr gut an der Reaktion der Leser.

Sir Robert von Locksley
01
17.5.2010, 17:29
Erklärung:


Der 16. Mai (übrigens ein SONNTAG) ist sog. SCHILCHERTAG
-- da muss jeder Steirer MINDESTENS 10 deppate Wiener verarschen, aber als prominenter Schurnalist hat man es da ja ganz leicht.

Nix für ungut, aber wir Briten wissen das.

steinscheisser karl
02
17.5.2010, 17:19
Das ist doch eindeutig!

Satire.
Gut gemacht.
Nach mehrmaligen lesen, musste ich wirklich lachen
;)

bloody-nine
 
18
17.5.2010, 17:16
das ist erstens mal

von der form her ein inkoherenter, argumentativ erbärmlicher schw*chfug.
zweitens inhaltlich eines der reaktionärsten arbeitnehmerInnenfeindlichsten kampfpamphlete, die sich in den letzten jahren irgendwer ausser unterberger abzusondern getraut hat.
ca 8 feiertage (arbeitsfreie tage!!!) abschaffen und durch zwei zwangs-wellnesstage (überprüft!!!) ersetzen - wenn das forum nicht zens*riert wär tät ich herrn sperl fragen ob er alloholisirt oder d*ment ist oder ob ihm einfach wer ins cerebrum def*kiert hat....

Juvenal
05
17.5.2010, 17:14
Herr Sperl, langsam sollten Sie die Feder aus der Hand legen.

Ihrer Rechnung nach würden pro Jahr 10 Feiertage entweder überhaupt gestrichen oder auf Samstage verlegt, was für den Normalarbeitnehmer einer Abschaffung gleichkommt.
Man liest den Text, erwartet sich irgendwie am Ende eine Forderung, das Mehr an Arbeitstagen müsse durch eine Erhöhung des Urlaubsanspruchs ausgeglichen werden - mitnichten!
BTW, die WKÖ rechnet Ihnen problemlos das zusätzliche Wirtschaftswachstum aus, wenn wir nur erst wieder bei 6-Tage-Wochen mit 72 Wochenstunden wären. Und Urlaub braucht nun doch wirklich keiner, in Zeiten wie diesen, wo man das Geld braucht, um Spekulanten zu füttern.

okami
00
17.5.2010, 17:11
Änderung des Zeitmodells erfordert Lohnausgleich!

Heisst es zumindest immer, wenn von der 35 Stunden Woche die Rede ist!

Das sollte dann natürlch auch in der anderen Richtung gelten.

Kazuyoshi Funaki
02
17.5.2010, 17:10

Den letzten Absatz musste ich zweimal lesen - ich konnte nicht glauben, dass dieser Vorschlag zur Zwangswellness ernst gemeint ist.

Grundsätzlich sollte man aber schon darüber diskutieren dürfen, ob Feiertage, von denen kaum noch jemand den Hintergrund kennt, nicht abgeschafft werden sollten. Aber selbstverständlich nur im Abtausch gegen zusätzliche (und frei wählbare) Urlaubstage.

Hans Müller1
 
00
17.5.2010, 16:34
Der Standard plötzlich neoliberal, na Hauptsache man

kann die Kirche ein bisserl ärgern

Ausgeflippter Lodenfreak
010
17.5.2010, 16:26
Das ist sicher Satire!

Ich habe mir das nochmals genau durchgelesen und bin jetzt überzeugt, dass es Satire ist. DAS kann angesichts der realen Situation in Ö niemand ernst meinen.
Diese Satire zeigt das Weltbild eines menschenfeindlichen Ausbeuters der blind ist für die gesellschaftliche Realität und die Lebenswirklichkeit der arbeitenden Bevölkerung.
Zwangwellness, statt den Banken die Arbeitenden für die Krise büßen lassen, Feiertage abschaffen, usw. das kann nicht ernst gemeint sein angesichts einer im internationalen Vergleich extrem produktiven Bevölkerung, die eh schon alles der Arbeit unterordnet (wenig Krankenstände, viele Überstunden, kaum Kündigungsschutz, usw.). Da soll nur der Ausbeuter der den Hals nicht voll bekommen kann, dargestellt werden.

Franz Wurm, MBA (Master of Bullshit Administratio
00
17.5.2010, 17:50
Die einzige Möglichkeit, seine Ehre zu retten, wäre in der Tat

die ex-post Feststellung, dass Herr Sperl mit dem obigen Artikel eine Satire verfasst hat (ich hab' mich beim lesen selbst gefragt, ob ich träum'. Solche Realitätsverweigerung wie mit diesem Artikel tut fast schon weh).

Ansonsten wäre er wohl nicht mehr richtig ernst zu nehmen.

bloody-nine
 
00
17.5.2010, 17:17
ja, das is die 4. möglichkeit

auf die hab ich glatt vergessen in meinem posting, das durchkommt oder auch nicht...

Gobi Todic
00
17.5.2010, 15:58
Frey?

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