Krise in der Eurozone schwappt nach Osten

16. Mai 2010, 17:59
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EBRD: Folgewirkungen der Sparpakete in Westeuropa beunruhigen - Südosteuropa fällt stark zurück - Gastarbeiter in Griechenland unter Druck

Der Aufschwung in Osteuropa hat gerade eingesetzt: Ungarn meldet erstmals nach einem Jahr Rezession wieder Wirtschaftswachstum, auch Serbien und die Ukraine beginnen sich langsam zu erholen. Doch die Atempause könnte von kurzer Dauer sein. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat bei ihrer Jahrestagung am Wochenende in Zagreb eindringlich vor einem Überschwappen der Krise in der Eurozone auf Osteuropa gewarnt.

Die EBRD beunruhigen vor allem die Folgewirkungen der Sparpakete in Westeuropa. "Die erheblichen Einsparungen in Westeuropa werden die Nachfrage beeinflussen. Wegen der Exportabhängigkeit Osteuropas wird das starke Auswirkungen haben", sagte Erik Berglöf, EBRD-Chefökonom, dem STANDARD. "Eine neue Rezession im Osten ist nicht unser Hauptszenario, aber wir machen uns Sorgen. Bei einigen Staaten gehen wir derzeit von einem schwachen Wachstum aus, das bei anhaltenden Turbulenzen unter die Null fallen könnte".

Externe Risiken steigen

Bisher galten die steigende Zahl der faulen Bankkredite (Non Performing Loans - NPL) und die wachsende Arbeitslosigkeit als die größten Probleme im Osten. Die Zahl der NPLs soll Mitte 2010 ihren Höhepunkt erreichen, und auch bei der Arbeitslosenrate erwartet die EBRD eine langsame Entspannung. Die externen Risiken hingegen werden immer stärker zum Gefahrenpotenzial.

Dabei geht es nicht nur um einen drohenden Einbruch der Exporte. Die EBRD befürchtet, dass die schwere Rezession in Griechenland sich auf Südosteuropa ausbreitet. So arbeitet beispielsweise eine halbe Million Albaner in Griechenland. Nach Schätzungen finanziert sich rund ein Viertel der albanischen Haushalte durch deren Überweisungen. Die griechische Wirtschaft wird 2010 um mindestens vier Prozent schrumpfen, traditionell trifft das Gastarbeiter am stärksten. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind griechischen Banken in Bulgarien und Rumänien.

Polen bleibt der Motor

In ihrer neuen Prognose hat die EBRD die Aussichten für Südosteuropa jedenfalls stark nach unten revidiert. War sie bisher für 2010 von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent ausgegangen, sind es jetzt nur noch 0,3 Prozent. Verschlechtert haben sich die Prognosen vor allem für Rumänien, Bulgarien und Albanien. Abgeschwächt wurden auch Aussichten für Lettland und Litauen. Optimistischer sieht die Osteuropabank hingegen derzeit die Aussichten in Zentraleuropa. Polen bleibt der Motor der Region. Entscheidend seien aber auch hier die Aussichten im Exportgeschäft.

Sollten die Ausfuhren in die Euroländer zurückgehen, könnte das auch die Programme des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Europa gefährden. Die IWF-Programme in Lettland, Serbien, der Ukraine, Ungarn und Rumänien zielen neben der Konsolidierung der Staatshaushalte ja besonders auf eine Stärkung des Exportsektors ab. (András Szigetvari aus Zagreb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2010)

  • Improvisationskunst wird in Rumänien weiter notwendig sein: Die Wirtschaft des Landes soll 2010 bestenfalls stagnieren.
    foto: standard/wölfl

    Improvisationskunst wird in Rumänien weiter notwendig sein: Die Wirtschaft des Landes soll 2010 bestenfalls stagnieren.

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