Imamkonferenz in Wien

Brücken bauen statt Burka tragen

16. Mai 2010, 18:52
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    foto: christian fischer

    Anas Schakfeh (li.), Oberhaupt der heimischen Muslime, mit Abdul Jelil, Imam aus Großbritannien und Famile Arslan, Seelsorgerin in den Niederlanden.

Imame aus vierzig Ländern berieten sich drei Tage lang über Angstmacherei, Burka und korrektes Zitieren aus dem Koran

Wien - "We agree, that it's not needed": So kurz und knapp fasst Carla Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs, die Haltung europäischer Imame zu Burka und Gesichtsschleier zusammen.

Nach einer dreitägigen Konferenz in Wien, zu der muslimische Geistliche aus 40 Ländern angereist kamen, präsentierten am Sonntag das islamische Oberhaupt Anas Schakfeh und ein halbes Dutzend Teilnehmer an der Religionspädagogischen Akademie Ergebnisse, auf welche Art die Imame, zu deren Aufgaben auch die Seelsorge in ihren Gemeinden gehört, den Gläubigen künftig Orientierungshilfen geben mögen.

Prediger als Lotsen

Weil auch hierzulande Frauenrechtlerinnen von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) abwärts die komplette Verschleierung als Zeichen der Unterdrückung ablehnen, widmete sich die Konferenz unter anderem diesem Streitthema - obwohl "die europäischen Prinzipien von Gleichberechtigung und Religionsfreiheit von einer ,Lex Islam‘-Judikatur infrage gestellt werden", wie die Abschlusserklärung ausdrücklich festhält. Soll heißen: Verbote von Kopftüchern wie Minaretten und Gesetze gegen den Gesichtsschleier halten die Prediger für kontraproduktiv, da der Mehrheitsgesellschaft damit zwar gezeigt würde, dass die "eigenen Werte" verteidigt werden, doch bei den Muslimen verstärke sich dabei der Eindruck, dass in puncto Religionsfreiheit mit zweierlei Maß gemessen werde.

Was die Geistlichen nun in ihren Gemeinden den Frauen konkret nahelegen? "Dass das Tragen eines Gesichtsschleiers nicht nötig ist", erklärt eben Baghajati, die selbst stets Kopftuch trägt. Dazu versuche man, die Gläubigen darauf aufmerksam zu machen, dass es mit einer Totalverschleierung äußerst schwerfällt, Brücken zur Gesellschaft zu bauen. Und außerdem, beschwichtigt Schakfeh sogleich, dass sich ohnehin nur wenige Musliminnen in Europa komplett verhüllen. Ein Imam aus Frankreich etwa habe bei der Konferenz vorgerechnet, dass von dort vier Millionen lebenden gläubigen Frauen nicht einmal 400 einen Ganzkörperschleier tragen.

Zumindest das offizielle Österreich steht der Zusammenarbeit der muslimischen Geistlichen wohlwollend gegenüber. Bundespräsident Heinz Fischer schickte für die mittlerweile zum dritten Mal hierzulande stattfindende Zusammenkunft ein Grußbotschaft. Außenminister Michael Spindelegger (VP)wiederum appellierte bei einem Empfang an die religiösen Berater, sie mögen als "Lotsen für den Dialog und die Integration" dienen.

Kritik an Konferenz

Herbe Kritik kam hingegen von der Initiative liberaler Muslime Österreich, kurz ILMÖ genannt, die weite Teile der islamischen Bevölkerung, wie die türkischen Immigranten, nicht vertreten sieht. Sie verweist auf die Gefahr eines politischen Islam, dem Einhalt geboten werden müsse. Es gehe vielmehr darum, endlich Akzente in Richtung eines "Islam mit europäischer Prägung" zu setzen.

Die Konferenz der Imame dagegen verwahrt sich in ihrer Abschlussschrift allein schon gegen das Schlagwort "Islamisierung", weil es zeige, "wie populistische Angstmache salonfähig wird". Immerhin fordern die Geistlichen aber "Role-Models" zur Förderung eines europäischen "Wir-Gefühls" ein sowie "ein eigenständiges Profil" der Muslime und ein stärkeres verantwortliches Engagement in der Gesellschaft.

Der bestbesuchte Workshop in den drei Tagen war übrigens der zum Thema Gewalt. Um speziell Jugendliche besser gegen extremistische Tendenzen zu immunisieren, ist es für die Imame von Bedeutung, den Missbrauch von Versen und Zitaten des Propheten auf einschlägigen Websites aufzuzeigen.

Doch auch an dieser Stelle war Schakfeh sofort bemüht, ebenso darauf hinzuweisen, dass auch "wir oft Gewalt europäischer Gesellschaften in Richtung Muslime" erleben". (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 17.5.2010)

Kommentar posten
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Marie Sandoz
00
10.8.2010, 09:15
Is ja toll!

Burka is not needed! Wie fortschrittlich, wenn die Frau nicht total verhüllt auf die Straße gehen muss! Schon sehr revolutionär, nicht war?

Timagoras
 
02
19.5.2010, 19:27
"Brücken bauen"


es gibt es menschen, die versuchen, brücken zu bauen.

aber denen passiert halt leider das:

http://diestandard.at/126370608... rka-Verbot



Julian Bashir
00
19.5.2010, 22:58
Für mich einer der entscheidenden Unterschiede zwischen Ch. und I.:

Während im Ch. die meisten Gläubigen weit liberaler als ihre jeweiligen Priester und Bischöfe sind, zeigt sich oft, dass die is. Imame auf Toleranz und Dialog pochen (zumindest jene, die in die Öffentlichkeit treten, was in diversen Hinterhofm0scheen gepredigt wird, geht eh auf keine Kuhhaut mehr) möchte, die jeweiligen Kongregationen aber weit radikaler sind.

super cat
05
19.5.2010, 12:48
obwohl "die europäischen Prinzipien von Gleichberechtigung und Religionsfreiheit von einer ,Lex Islam‘-Judikatur infrage gestellt werden" doch bei den Muslimen verstärke sich dabei der Eindruck, dass in puncto Religionsfreiheit mit zweierlei Maß geme

... Nein es wird nicht mit zweierlei Maß gemessen. Diese wehleidige Geraunze wegen Diskriminierung nervt. Gesetze z. B. Gleichberechtigung, gelten für alle, egal welcher Religion jemand angehört. Problematisch, wenn das mit den Werten des Islams nicht vereinbar ist.

Mormoloc
04
17.5.2010, 20:51
"Ein Imam aus Frankreich etwa habe bei der Konferenz vorgerechnet, dass von dort vier Millionen lebenden gläubigen Frauen nicht einmal 400 einen Ganzkörperschleier tragen."

Also, es gibt ca. 5 Millionen Muslime in Frankreich... und davon sind 4 Millionen Frauen... aha...

Ex-Muslim
03
18.5.2010, 22:50

Mir hat schon einer vorgerechnet, es gäbe ca 6 Milliarden Muslime auf der Welt (der meinte das ernst, hat mich verflucht als ich ihm ein Lexikon zeigte – er meinte, das sei nur die Islamophobie, die dazu führte, dass solche Lügen verbreitet werde).


Alles lieber zweimal prüfen, wenn streng gläubige (Muslime) etwas behaupten.

Mormoloc
00
19.5.2010, 13:44
Obwohl... jetzt, wo ich Ihren Kommentar lese...

Das würde bedeuten, daß von den 5 Millionen Muslimen in Frankreich 1 Million Männer und 4 Millionen Frauen wären.

Na ja, ein Mann darf bis zu vier Frauen haben.

Dann paßt es doch... *hüstel*

black jack
03
17.5.2010, 19:21

Aller Voraussicht nach wird
- kein Schleier,
- keine noch und noch Richtung Mekka vorgetragene Sure
- kein Kreuz oder Halbmond auf Gebäuden
- kein allsonntäglicher Kirchgang
- kein Wackeln vor der Klagemauer
den Menschen dazu verhelfen - sofern es ein Leben nach dem Tod gibt - in den Himmel oder ins Nirwana oder in weiß-Gott-was zu gelangen.

Am wenigstens den Menschen, die für die Einhaltung solcher Äußerlichkeiten in der Gesellschaft andere Menschen töten (würden).

Mormoloc
19
17.5.2010, 15:55
Um eine Brücke zu bauen, sollte man das Baumaterial nicht für Steinigungen verschwenden...

the long stroke
12
17.5.2010, 12:05
die debatte erinnert an die brücke ins nirgendwo

http://www.news.ch/Die+Bruec... detail.htm

für ein paar tausend leute, eine sehr kleine minderheit, soll etwas teuer erkauft werden. und wenn es keinen nutzen mehr bringt, weiß man im nachhinein von nichts. die anderen sind schuld.

khaleb
00
17.5.2010, 22:48
wenn Sie Brücken ins nirgendwo sehen wollen

brauchen Sie nur beim böhmischen Prater spazieren gehen. Dort gibts Autobahn-Geisterbrücken und Autobahn-Geisterabfahrt.

Drip Drop
43
17.5.2010, 11:37
weil ich es jetzt oft im forum gelesen habe...

wenn ihr keine brücken wollt, was wollt ihr dann?

wollt ihr die muslime alle aus österreich und europa verjagen, am scheiterhaufen verbrennen, im konzentrationslager vergasen?

mich würds echt interessieren....

Madame Haram
14
17.5.2010, 23:35
Was ich möchte, ist schnell erzählt:

Ich möchte, dass sich Zuwanderer hier anpassen, die hiesigen Sitten, Werte und Gepflogenheiten respektieren und ihre Kultur so leben, dass ich als Einheimische nicht damit belästigt werde.

Und jetzt eine Gegenfrage: Warum wandere ich als Moslem in einen komplett fremden Kulturkreis aus (den ich noch dazu nicht leiden kann)?

EUphoriker
01
18.5.2010, 09:27
wenn ich hier auf zynismus verzichte (was mir bei worten wie "belästigt werde" schwer fällt),

kann ich ihren worten entnehmen, dass sie integration fordern.

Frage: Ist es notwendig dafür "brücken zu bauen"?

Madame Haram
12
18.5.2010, 20:18
Ich fordere Integration und in einigen Bereichen Assimilation.

Und dazu braucht es aus meiner Sicht keine Brücken, sondern konsequentes Auftreten gegenüber Leuten, die sich freiwillig dazu entschlossen haben, hier zu leben.

Im übrigen bräuchten Sie jetzt nur wegen mir nicht auf zynische Statements verzichten. Als jemand der gerne austeilt, kann ich auch gut einstecken.

Democracy Now
24
17.5.2010, 14:07
Wir sind doch keine Islame - wir werden aber das Fehlverhalten durch Terrorideologien bezwingen!

Niemand zwingt Moslems Christen zu köpfen, aber es geschieht überall.

halvar van flake
01
17.5.2010, 20:01
aso? überall?

mmh. also wenn ich mir die offiziellen zahlen der toten durch die momentanen 'christlichen' kriege so anschau, dann können die köpfen bis zum jüngsten gericht und werden doch wahre stümper des todes bleiben.

Markus_L
00
10.8.2010, 09:26

wo wird ein "christlicher" krieg geführt? oder meinen Sie die, vor 1000 jahren?

halvar van flake
00
23.8.2010, 18:17
naja - wenn der terror islamisch ist...

...dann ist der afghanistan krieg christlich. (stimmt beides nicht)

Mormoloc
00
18.5.2010, 22:36
Ja, auch so kann man Grausamkeiten entschuldigen...

halvar van flake
00
18.5.2010, 23:19
tu ich nicht.

keine grausamkeit ist entschuldbar. bin nur gegen einseitige darstellungen und simple feindbilder.

Mormoloc
01
19.5.2010, 09:12
Na ja , dann wäre aber eine synchrone Argumentation hilfreicher gewesen.

Z.B. darauf hinweisen, wo überall in der Welt Moslems durch Christen geköpft werden...

anders and
 
00
17.5.2010, 19:24

wann wurde in Europa der letzte Christ von Moslems geköpft?
Oder gehört Europa nicht zu "überall"?
Wo liegt dann "überall"?

EUphoriker
02
17.5.2010, 12:35
bei manchen hier im forum ist der gebrauch von metaphern eben

perlen vor die säue werfen.

einige haben keinen schimmer wie man die funktion einer brücke in den kontext überträgt.

die naive
22
17.5.2010, 12:28
...von wegen verbrennen..............

http://www.krone.at/Welt/Anwe... ory-200221

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