Die Kamerakapsel im Inneren des Magens

9. Juni 2010, 16:58
  • Artikelbild
    foto: siemens ag

    Das Kapselendoskop ist rund 31 Millimeter lang und hat einen Durchmesser von 11 Millimetern.

  • Artikelbild
    foto: siemens ag

    Die Kapsel wird durch Magnetsteuerung an die gewünschten Stellen im Magen navigiert, die Bilder der Kamera werden in Echtzeit auf einem Bildschirm angezeigt.

Mit Hilfe von Magnetismus können Ärzte künftig Mini-Kameras, umhüllt von einer Kapsel, an jede beliebige Stelle des Magens steuern

Für eine Magenspiegelung, also eine medizinische Untersuchung des oberen Teils des Verdauungstrakts, wird üblicherweise ein spezielles Endoskop namens Gastroskop verwendet: Ein Kamerachip wird dabei über einen flexiblen Schlauch in den Mund eingeführt und weiter in Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm geschoben, die dabei entstehenden Bilder nach außen übertragen.

Vor rund einem Jahrzehnt wurde zum ersten Mal die Endoskopie mittels Kapsel angewandt: Dazu wird statt der Einführung des Schlauches eine Mini-Videokamera wie eine Medikamentenkapsel geschluckt. Sie überträgt während ihrer mehrstündigen "Reise" Bilder vom Inneren der Verdauungsorgane und wird heute vor allem zur Untersuchung des Dünndarms verwendet, der relativ schwer mit von außen geführten Endoskopen erreichbar ist.

Jeden Ort des Magens erreichen

Endoskope in Kapselform werden üblicherweise durch die Muskelbewegung des Magen-Darm-Trakts transportiert. Das Problem daran: Die Kapsel kann nicht gezielt an einen spezifische Ort navigiert werden. Untersuchungen mit Kapsel beschränken sich daher auf bestimmte Bereiche des Verdauungstraktes wie etwa den Dünndarm. Wissenschaftler arbeiten seit längerem daran, die Untersuchungen per Kapsel auszuweiten, um diese künftig an jeden beliebigen Ort innerhalb des Magens zu steuern.

Steuerung per Magnetismus

Einen Prototyp haben etwa Siemens Healthcare und Olympus Medical Systems Corporation entwickelt. Die Neuheit besteht darin, dass die Kapsel von außen per Magnetismus an alle Stellen im Magen gesteuert werden kann. Dazu muss der Patient ein Endoskop in Kapselform schlucken, das dann hochauflösende Bilder des Mageninneren liefert. Die Ärzte sehen das Ergebnis zeitgleich auf einem Bildschirm und können eine Diagnose stellen. "Das magnetgesteuerte Kapselendoskop wird schnelle und für die Patienten angenehme Untersuchungen ermöglichen und beispielsweise im Rahmen der Nachsorge eine hervorragende Ergänzung aktueller Endoskopiemethoden sein", sagt Hermann Requardt, CEO von Siemens Healthcare.

Magnetsystem und Joystick

Der Prototyp besteht aus einem Kapselendoskop, einem Bildverarbeitungs- und Steuerungsinformationssystem sowie aus einem Magneten. Die Kapsel ist rund 31 Millimeter lang und hat einen Durchmesser von 11 Millimetern. Für die Untersuchung wird der Magen des Patienten mit Wasser gefüllt, um sie frei bewegen zu können. Der Patient wird so positioniert, dass sich der Magen im Zentrum des Magnetsystems befindet, damit die Ärzte die Kapsel mit einem Joystick steuern können. Die an beiden Enden angebrachten Kameras liefern Bilder des Mageninneren, die per Funk an das Bildverarbeitungssystem übertragen werden.

Derzeit steht noch die klinische Erprobungsphase bevor, über die Marktreife will man bei Siemens noch nichts sagen. Vorerst gehe es darum, Leistungsfähigkeit und Bedienbarkeit zu testen. (red, derStandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
the JJ
00
24.6.2010, 17:23

Sendet die Kaspel in HD?

Comte
00
10.6.2010, 14:14
Nicht zu viel davon erhoffen

Meiner Meinung nach erhöht es nur die Anzahl der Untersuchungen, die keinen Mehrwert haben.

Leech
00
11.6.2010, 15:38

sie ham noch nie eine Endoskopie verordnet bekommen oder? sonnst würde sie das nicht sagen.

Ich finde das ist ein tolles Gerät und cih hoffe im Sinne aller Patienten das es möglichst bald Markreif wird und zum einsatz kommt.

Dirty Sanchez
 
015
10.6.2010, 12:31
Heinz Prüller live von der Station für interne Medizin im AKH:

ja, jetzt kommt die lange Gerade kurz vor der Pförtner-Kurve... die hat er gut genommen, jetzt am in der Volksschule verschluckten Kaugummi vorbei, die Großtante von Jean Alesi hat übrigens einst als vierte Frau in Europa einen Kaugummi gekaut, und jetzt ist er an der Geschwürschikane, die ganz ganz schwer, oder, wie man im Race-English, also im Rennenglisch englisch sagt, very difficult zu fahren ist, und Bestzeit, jetzt noch die Darmkurven und da ist die geringelte Zielflagge!!!!! Er ist durch, unser Gerhard Berger der Medizin!

Leech
00
11.6.2010, 15:39

*thumbs up* :D

ghoefi
06
10.6.2010, 09:47

...vorerst geht es noch darum, den bitteren geschmack bei der zweiten verwendung zu unterdrücken...

Mein anderer Nick ist beeindruckender
00
10.6.2010, 12:44
Das sind reine Einweggeräte.

Im Zuge des natürlichen Abganges wird es in die Kanalisation gespült...

Rigglerobber
00
10.6.2010, 15:27
Ist das nicht etwas teuer?

ok, das Gerät aus dem "natürlichen Abgang" wieder rauszuholen ist eher kein Spass, aber so billig kann das Ding nicht sein, oder?

:
00
10.6.2010, 18:03

billig ist in der medizin gar nichts. daran muessen wir uns gewoehnen.

voc-monkey
01
10.6.2010, 09:45
In Kürze bei Google:

Wählen Sie Ihren Lieblings-Prominenten und starten Sie die:

gastrointestinal - view


:-)

headbang0r
00
10.6.2010, 02:10

kommt bei ner darmspiegelung sicher auch gut!

Mr. Bubbles
00
10.6.2010, 00:50

verdammt, die cartoons hatten mit dem hufeisenmagneten am ende doch recht!

OGHaha
09
Da kann man ja bei google "view" noch allerhand erwarten.

:
00

und gesteuert wird mim MR scanner. glaub ich schlicht und einfach nicht.

:
00

ich relativier das mal: vielleicht zeigt das bild gar keine MR scanner.

Des Bodens Satz
 
00
10.6.2010, 12:47
Bingo!

Das Bild zeigt nämlich einen Computertomographen.

:
00
10.6.2010, 18:00

sieht fast so aus. damit wird man die kapsel noch schlechter steuern koennen.

Leech
00
11.6.2010, 15:41

allgemein ist die kombination CT + Metal nicht so glorreich ^^

Minimonk
01

ein Segen, wenns funktioniert.

God_of_the_Wind
00

a erlebnis is so eine gastroskopie allemal, kein bsonders angenehmes, aber ein erlebnis

birka
00

Wirklich Ressourcen-schonend hört sich das ja nicht an. Wenn die Einwegkameras eine gute Optik haben sollen dann sind die wahrscheinlich auch nicht so billig. Ganz zu schweigen von dem Magnet-Gerät. Und falls man was interessantes findet dann muss man sowieso wieder mit dem normalen Endoskop in den Magen schauen um Biopsien zu entnehmen oder Verödungen vorzunehmen. Speiseröhre und Zwölffingerdarm sind mit der Methode wahrscheinlich auch schwieriger zu untersuchen. Für reine Kontrollen vom Magen hört sich das aber ganz ok an, mal schauen was die klinischen Tests zeigen..

Wald4tel
00

kriegt da jeder eine neue kapsel oder werden die öfter verwendet (schätze, die verlassen den körper auf üblichem weg)?

OGHaha
00
Ist dass wirklich wesentlich?

Fragen sie auch den Zahnarzt: eh ein jungfräulicher Bohrer?

Drizzle
 
00

das sind einmal-kameras, also keine wiederverwendung.

mehr Vernunft, weniger Rest
00
10.6.2010, 09:48

Steht das da irgendwo? Dann hab ichs überlesen. Kann ja auch gut sein, dass die Kapsel ausgetauscht wird und das Innenleben erhalten bleibt.

Aber ich denke mal das Infektionsrisiko wäre zu große, würde man Teile wiederverwenden - zumindest würde keiner das Risiko tragen wollen...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.